Mittwoch, 08. Dezember 2021

Kinderkrippenbetreiber Postillon erhält Zuschlag

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Hirschberg, 30. März 2010. (red) Die geplante Kleinkindkrippe gegenüber des geplanten Seniorenzentrums im Ortsteil Großsachsen ist dem Verein Postillon zugeschlagen worden – ein zweiter Bewerber hatte sein Angebot zurückgezogen.

Bürgermeister Manuel Just erläuterte vor der Beschlussfassung noch Hintergründe: Zwei „freie Träger“ bewarben sich um den Betrieb einer geplanten Kleinkindkrippe für bis zu 20 Kinder gegenüber dem geplanten Seniorenzentrum.

Beide Auftritte seien seriös, die Unterschiede bei den Baukosten seien „marginal gewesen“, sagte Just: Ein Betreiber hatte 530.000 Euro veranschlagt, der andere 520.000 Euro: „Mit Blick auf die Abschreibungen fällt der Unterschied nicht ins Gewicht. Entscheidend waren die Personalkosten“, sagte Just.

Beide „freien Träger“ wurden aufgefordert, nochmals eine detaillierte Kostenkalkulation vorzulegen, da hier zunächst „erhebliche Unterschiede“ bestanden hätten.

Daraufhin habe einer der Bewerber das Angebot zurückgezogen. Bürgermeister Just empfahl deshalb, Postillon den Zuschlag zu geben.

„Klientel“ vs. „Alleinerziehende als Maß der Dinge“

Monika Maul-Vogt (GLH) sagte in der Aussprache: „Das ist ein bedauerlicher Verlauf. Uns kommt es auf die Qualität, die Öffnungszeiten, die Höhe der Beiträge und eine Sozialstaffelung an. Beim Angebot von Postillon gefällt uns nicht, dass hier nur eine Betreuung von 07:00-17:00 Uhr angeboten wird. Das kommt vielen Arbeitszeiten nicht entgegen, außerdem sind die Kosten von 453 Euro für die Betreuung plus 50 Euro, also 503 Euro sehr hoch. Schaffen wir hier Kitaplätze für eine bestimmte Klientel?“

Als Erläuterung rechnete sie das Gehalt einer alleinerziehenden Frisörin von höchstens 1.700 Euro brutto vor, der 1.200 Euro netto blieben. Nach Abzug von 500 Euro blieben 700 Euro für Miete und die Lebensführung.

In der anschließenden Debatte sagte Bürgermeister Just, dass ihm Beiträge deutlich unter 400 Euro auch lieber seien, aber durch niedrigere Beiträge auch die Qualität schlechter würde. Monika Maul-Vogt merkte an, dass sie weiterhin bemängele, dass es keine Kontrolle über die tatsächlichen Kosten gebe, sie aber erkennen könne, dass hier jede Menge „Verwaltungspersonal“ mitbezahlt werde. Just versicherte, dass der Gemeinderat darüber beraten werde.

Matthias Dallinger (CDU) sagte: „Wir schaffen hier ein Angebot, für das eine Nachfrage da ist.“ Er betonte die „glaubhafte Präsentation“ durch Postillion.

Eva-Marie Pefferle (SPD) sagte: „Auch mir sind wie Frau Maul-Vogt die hohen Personalkosten ins Auge gefallen. Das sollte nicht aus dem Ruder laufen. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass das kostengünstiger ist. Aber die Kommunen können halt nicht anders, als die vorgegebene Politik umzusetzen.“

Harmut Kowalinski (FDP) sagte: „Die Gemeinde will jetzt hier einen Knopf dran machen. Uns war es wichtig statt drei nur zwei Gruppen zuzulassen, um der Vielfalt Raum zu lassen. Kostenlos ist das nicht zu machen. Alleinerziehende können nicht das Maß der Dinge sein.“

Fitz Bletzer (FW) sagte: „Der Markt wird es richten. Wenn das Haus nicht voll wird, gehen die mit dem Preis runter. Außerdem gibt es die Möglichkeit, auf weitere Tagesmütter zurückzugreifen.“

Der Beschluss wurde mit 15 Ja-Stimmen zu 3 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen gefasst.

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Das hirschbergblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.