Freitag, 12. August 2022

Was die CDU Hirschberg, Peter Hauk und das Mitteilungsblatt gemein haben

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Guten Tag!

Hirschberg, 04. November 2010. Unser Bericht ĂŒber den Besuch des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, hat die bislang grĂ¶ĂŸten Zugriffszahlen auf dem hirschbergblog ausgelöst.

Gut 80 teils sehr differenzierte Kommentare wurden veröffentlicht.

Die Weinheimer Nachrichten und die Rhein-Neckar-Zeitung beschrĂ€nkten sich auf unterwĂŒrfige Hofberichterstattung – die der CDU Hirschberg so gut gefallen hat, diese im Mitteilungsblatt nachzudrucken.

Von Hardy Prothmann

Soviel steht fest: Das Mitteilungsblatt der Gemeinde Hirschberg ist alles andere als ein journalistisches Medium. Hier werden Artikel und Darstellungen abgedruckt, die den jeweiligen Verfassern gefallen. Eine redaktionell-verantwortliche Kontrolle findet nicht statt. Das ist typisch fĂŒr die MitteilungsblĂ€tter aus dem Hause Nussbaum-Medien.

Grinse-Frakton - In der Summe verliert die Wahrheit. Quelle: CDU Hirschberg

Zur Not oder nach Belieben werden auch LĂŒgen verbreitet. Beide Zeitungen vor Ort haben glatt und klar gelogen, als sie von „50“ Besuchern beim Besuch des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, vor Ort in Hirschberg berichteten. Nussbaum-Medien trĂ€gt diese LĂŒge nun erwartungsgemĂ€ĂŸ weiter.

Sowohl Hans-Peter RiethmĂŒller (WN), als auch Annette Schröder (RNZ) waren vor Ort und haben zumindest die erste HĂ€lfte der Veranstaltung „begleitet“.

Beiden ist zuzutrauen, dass sie bis 50 zĂ€hlen können. Beide haben unwahr berichtet, dass 50 GĂ€ste an der Veranstaltung teilgenommen haben. Es waren genau 28 Menschen, die sich im „Zuschauerraum“ hingesetzt hatten.

Die CDU Hirschberg hat den Artikel der RNZ von Annette Schröder mit Quellenangabe im Mitteilungsblatt nachdrucken lassen. Wurde Frau Schröder dazu befragt?

Nach geltendem Recht kann man auszugsweise rechtlich geschĂŒtzte Texte zitieren. Ein Nachdruck setzt das EinverstĂ€ndnis des Autoren oder der Autorin voraus.

Darf man also davon ausgehen, dass Frau Schröder erstens ihre unwahren Behauptungen weiter verbreiten und diese zweitens gerne auf dem „Ticket“ der CDU gerne weiterverbreiten möchte?

Davon muss man ausgehen, weil ein „Einspruch“ von Frau Schröder nicht bekannt ist. Eher eine stillschweigende Duldung. Ebenso duldet die CDU Hirschberg stillschweigend, dass einige der Informationen in Frau Schröders Artikel definitiv falsch sind.

Und hier wird es sowohl fĂŒr Frau Schröder als auch fĂŒr die CDU Hirschberg problematisch.

Die CDU Hirschberg muss sich fortan den Vorwurf gefallen lassen, unkritisch falsche Informationen zu verbreiten und Frau Schröder muss sich gefallen lassen, mit ihren Falschinformationen durch die CDU unterstĂŒtzt zu werden und sich fragen lassen, wie es denn so bei ihr bestellt ist, mit einer „objektiven Berichterstattung“?

Vermutlich darf man davon ausgehen, dass Frau Schröder so eine Art „Presseorgan“ der CDU ist und die RNZ-Redaktion dies unterstĂŒtzt.

In solchen FĂ€llen muss man immer nachfragen, ob es sich ausschließlich um eine Fehlleistung des jeweiligen Journalisten handelt oder eine der Redaktion. Solange das nicht geklĂ€rt ist, darf man getrost annehmen, dass auch die Redaktionsleitung der RNZ die LĂŒgen und Fehlleistungen der Journalistin Annette Schröder stĂŒtzt – denn unser Artikel in gleicher Sache dĂŒrfte der RNZ-Leitung angesichts von 26.000 Zugriffen in Deutschland und im Ausland nicht unbekannt sein – wenn doch, wĂ€re das mehr als peinlich fĂŒr die Redaktionsleitung der RNZ.

Es ist auch mehr als peinlich fĂŒr die CDU Hirschberg, wenn diese so tut, als gĂ€be es den Artikel auf dem hirschbergblog nicht. Es ist beschĂ€mend, dass es von Seiten der CDU keinerlei Reaktionen dazu gab. Stimmt nicht ganz: Der „Schön-schreib-alles-toll-und-souverĂ€n-Artikel“ von Frau Schröder ist prominent auf der CDU-homepage platziert.

Warum? Die Antwort ist klar. Weil er gefÀllt. Weil es sich um gefÀlliges, unkritisches und hofberichterstattendes Geblubber handelt, das den Namen Journalismus nicht verdient hat.

Frau Schröder wird sich von diesem Artikel vermutlich ebensowenig wie die CDU Hirschberg „irritieren“ lassen. Das sitzt man aus. Das nimmt man nicht zur Kenntnis. Das hĂ€lt man fĂŒr „blöd, bösartig“ oder sonstwas.

Das mag so sein – aber es werden sich sowohl fĂŒr Frau Schröder, als auch fĂŒr die CDU, die sich das aussucht, was ihr gefĂ€llt, anstatt sich mit der RealitĂ€t auseinanderzusetzen, die Zeiten Ă€ndern.

Die Menschen werden Informationen vergleichen, Behauptungen wahrnehmen und sich ihre Meinung bilden. UnabhÀngig davon, ob Zeitungen Hofberichterstattung betreiben oder nicht.

Frau Schröder, Redakteurin der RNZ, muss damit leben, dass man ihr vorwirft, faktisch falsch und tendensiös berichtet zu haben. Sie darf getrost als „CDU-nah“ eingestuft werden, was noch nicht mal „schlimm“ wĂ€re. „Schlimm“ ist, dass Frau Schröder und die RNZ so tun, als wĂ€ren sie „unabhĂ€ngig“.

Die CDU Hirschberg muss sich gefallen lassen, diese falsche Berichterstattung der Bevölkerung zu unterstĂŒtzen. Ob sich die CDU Hirschberg eher falschen Artikeln „nah“ fĂŒhlt oder sich „kritisch“ gibt, muss sie selbst wissen.

Spannend wird sein, was die Zukunft bringt.

Ach ja, die Überschrift fragte: „Was die CDU Hirschberg, Peter Hauk und das Mitteilungsblatt gemein haben?“ Die Antwort ist offensichtlich.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.