Sonntag, 13. Juni 2021

In eigener Sache: Wir sagen Danke!

Über 6.700 Leserinnen und Lesern gefallen unsere Facebook-Seiten

freundeskreis logoRhein-Neckar, 04. November 2013. (red) Mittlerweile verzeichnen wir ĂŒber 6.700 „GefĂ€llt mir“-Angaben unserer Facebook-Seiten durch Leserinnen und Lesern fĂŒr die Ortsblogs und das Regionalblog unseres Blognetzwerks. Das gefĂ€llt uns natĂŒrlich auch sehr und wir sagen: Danke fĂŒr die Aufmerksamkeit. [Weiterlesen…]

Wie wird die "sichere" Lernplattform fĂŒr den Unterricht genutzt?

Wenn Lehrer und SchĂŒler moodlen

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Ladenburg/Weinheim/Rhein-Neckar, 22. Oktober 2013. (red/ld) Facebook an der Schule ist eigentlich tabu. Der Grund: Datenschutzfragen. Ohnehin nutzen viele Schulen bereits seit Jahren „Moodle“, noch lange bevor das baden-wĂŒrttembergische Kultusministerium Facebook und Co. fĂŒr die SchĂŒler-Lehrer-Kommunikation verboten und Moodle empfohlen hatte. Doch was kann das System, mit dem SchĂŒler/innen schon fast selbstverstĂ€ndlich umgehen? [Weiterlesen…]

Freiwillige Feuerwehr informiert u.a. ĂŒber EinsĂ€tze

Wehr-Infos auf Facebook finden großen Zuspruch

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So sieht er aus: Der Facebook-Auftritt der Feuerwehr Hirschberg. (Quelle: Screenshot)

 

Hirschberg, 11. September 2013. (red/aw) Seit einigen Monaten ist die Freiwillige Feuerwehr Hirschberg mit einem eigenen Profil auf der Social-Media-Plattform Facebook vertreten. Die „Posts“ der Feuerwehr finden Zuspruch: 322 „GefĂ€llt mir“-Klicks gab es schon. Die Entscheidung auch auf Facebook prĂ€sent zu sein, war keine einfache. Gewagt hat es die Wehr trotzdem und hat nach eigenen Angaben „das Richtige“ getan.  [Weiterlesen…]

Fachanwalt Otto Grote ĂŒber die Gefahren beim Veröffentlichen und Teilen von Fotos

„Private Fahndungen bergen erhebliche Risiken“

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Fachanwalt Grote rÀt zum vorsichtigen Umgang mit der Bilder-Teilen-Funktion bei sozialen Medien. Foto: wbs-law.de

Weinheim/Rhein-Neckar/Köln, 22. Mai 2013. (red) Der tragische Unfall eines 37 Jahre alten Weinheimers in LĂŒtzelsachsen macht die Menschen fassungslos: Wer kommt auf die Idee, eine Holzpalette nachts auf eine Straße zu legen?, fragen sich die Menschen. Und es wird nicht an FlĂŒchen ĂŒber den/diejenigen gespart, der/die einen anderen und dessen Familie sinnlos ins UnglĂŒck gestĂŒrzt hat/haben. Tausende Menschen nehmen Anteil und teilen auch tausendfach ein Foto des Opfers mit seiner Familie. Doch das kann weiteres Unheil nach sich ziehen – fĂŒr das Opfer, die Kinder, die Frau, aber auch fĂŒr Personen, die mit dem Teilen des Fotos eigentlich nur helfen wollten. Der Fachanwalt Otto Freiherr Grote von der auf Internet- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei Wilde, Beuger, Solmecke erklĂ€rt im Interview mögliche Problemlagen. [Weiterlesen…]

Die Polizeidirektion Heidelberg nutzt die Social Media jetzt dauerhaft

„Facebook ersetzt keinen Notruf“

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 10. Mai 2013. (red/ld) Die Facebook-Seite der Polizeidirektion Heidelberg hat sich bewĂ€hrt. Seit Montag betreut die Pressestelle den Social Media-Auftritt dauerhaft. Im Februar war die Seite gestartet worden, um besondere PolizeieinsĂ€tze wie Fußballspiele oder Abschlussfeiern von SchĂŒlern zu begleiten. Die Beamten wollen Facebook ab sofort zur Vorbeugung gegen Straftaten und zur Zeugensuche nutzen. Den Notruf 110 oder die persönliche Anzeigenerstattung ersetzt die Seite aber nicht. [Weiterlesen…]

Das aussterbende SchĂŒlerVZ wird abgeschaltet

Ausgegruschelt

Rhein-Neckar, 11. April 2013 (red/ms) In den letzten Jahren hat das SchĂŒlerVZ mehr als vier Millionen Mitglieder verloren. Nachdem die Massen zu Facebook abwanderten, sind nur noch 200.000 Benutzer bei der Seite angemeldet. Darunter sind so viele gefĂ€lschte Profile, dass das Netzwerk von vielen als „FakeVZ“ verspottet wird. Jetzt soll dem ein Ende bereitet werden. Auf der Website verkĂŒnden die Betreiber: „Wir machen’s kurz: Es ist vorbei. schĂŒlerVZ wird am 30. April 2013 geschlossen. FĂŒr immer.

[Weiterlesen…]

"Es ist fast unmöglich, keinen Rechtsverstoß zu begehen"

Wann „teilen“ richtig teuer werden kann – Abmahnfalle Facebook

Rhein-Neckar, 12. Januar 2013. (red) Seit Anfang Januar ist eingetreten, was in juristischen Fachkreisen schon lĂ€nger erwartet worden ist: Ein Nutzer, der auf Facebook ein Foto geteilt hat, wurde abgemahnt. FĂŒr ein Foto in BriefmarkengrĂ¶ĂŸe sollen an Schadensersatz und RechtsgebĂŒhren insgesamt 1.750 Euro zusammenkommen. Merke: Was einfach und eigentlich eine wichtige Funktion bei Facebook und anderen sozialen Diensten ist, das Teilen von Inhalten, kann schnell zur Kostenfalle werden. Vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein – das bewahrt im konkreten Fall aber nicht vor enormen Kosten.

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist sehr lang, denn das Thema ist komplex. Sie sollten ihn aber dringend lesen, wenn Sie soziale Dienste wie Facebook nutzen oder nutzen wollen. Und wir berichten nicht nur „theoretisch“, sondern ganz praktisch. Denn auch wir sind in einem Rechtsstreit von der Problematik betroffen, die gerade bundesweit fĂŒr Schlagzeilen sorgt.

Das Foto ist lustig, die Tiere sind sĂŒĂŸ, der Spruch ist klasse, die Nachricht ist wichtig oder interessant – warum auch immer Facebook-Nutzer Inhalte teilen: Sie sollten sehr sorgsam mit der Teilen-Funktion umgehen, denn schon wenige Klicks oder ein „ĂŒbersehenes“ HĂ€kchen können tausende Euro Kosten nach sich ziehen. Das ist kein Scherz und auch kein Alarmismus, sondern bittere RealitĂ€t. Die besonders rigiden Urheberrechte der deuschen Gesetzgebung machen es möglich, dass sich AnwĂ€lte und Rechteinhaber hierzulande ĂŒber Abmahnungen eine goldene Nase verdienen können.

Durch die Teilen-Funktion drohen horrende Kosten

Es kommt nicht wesentlich darauf an, wie groß beispielsweise ein geteiltes Foto ist: Wenn die Gegenseite „bösartig“ vorgeht und die rechtlichen Regelungen „brutalstmöglich“ umsetzt, drohen horrende Kosten. Das hĂ€ngt vom Einzelfall ab, von der Zahl der Fotos, ob man diese öffentlich oder nur privat teilt beispielsweise oder ob man gewerblich auf Facebook aktiv ist.

Nach EinschÀtzung des Berliner Rechtsantwalts Thomas Schwenke, kann man sich auch nur schlecht herausreden, wenn man sich ahnungslos gibt: Sobald ein Bild auf Facebook durch die Vorschaufunktion gepostet worden ist, geht man ein Rechtsrisiko ein:

Die öffentliche ZugĂ€nglichmachung ist immer ein Verstoß, wenn einem dafĂŒr die Rechte fehlen. Das Problem dabei: Die Menschen haben sich daran gewöhnt, Links zu kopieren oder Artikel zu teilen. Lange Zeit ist nichts passiert, es fehlt das Unrechtsbewusstsein. Technisch geht es um die „Teilen“-Funktion oder das Posten von Links: Der Crawler sucht nach einem Foto, sofern er eins findet, lĂ€dt er das nach. Wer das so bestĂ€tigt und verwendet, begeht, je nach Rechtelage eine Nutzungsrechtsverletzung.

FĂŒr ein einzelnes Foto können mehrere hundert Euro gefordert werden. Dazu Schadensersatzforderungen, AnwaltsgebĂŒhren und Gerichtskosten. Ob die Abmahnung und die geforderten GeldbetrĂ€ge zulĂ€ssig sind, ist erstmal egal. Die Forderung wird erhoben und mit großer Wahrscheinlichkeit durch ein Gericht bestĂ€tigt werden.

Klagen kann, wer die Rechte besitzt und einen Verstoß behauptet

Bis hierhin kostet „der Spaß“ die Forderung sowie das Honorar und die GerichtsgebĂŒhr. Will man sich zur Wehr setzen, kommen die eigenen Anwaltskosten und weitere GerichtsgebĂŒhren hinzu – wer vor Gericht verliert, zahlt alles. Mit etwas GlĂŒck kann man sich vergleichen oder die „Forderung“ drĂŒcken – unterm Strich wird man auf jeden Fall mit erheblichen Kosten zu rechnen haben.

Die Voraussetzung und den Abmahnprozess erklÀrt Rechtsanwalt Schwenke:

Der KlĂ€ger muss die entsprechenden Rechte haben. Und: Es macht einen Unterschied, ob sie privat posten oder gewerblich. Wer privat postet, kann zwar abgemahnt werden, aber da sind die AnwaltsgebĂŒhren auf 100 Euro gedeckelt. Hinzu kommt aber der Schadensersatz. Gewerbliche Poster mĂŒssen sich auf saftige Schadensersatzforderungen und entsprechende Anwalts- und Gerichtskosten einstellen.

So sieht es aus, wenn Sie bei Facebook eine Informaton teilen wollen. Bevor Sie posten, sollten Sie genau ĂŒberlegen, ob Sie nicht besser ein HĂ€kchen bei „Kein Miniaturbild“ setzen. Wenn doch, haben Sie sich das Foto „zu eigen“ gemacht. Wenn Ihr Facebook-Account auch noch öffentlich ist, kann das eine Abmahnung zur Folge haben.
Nicht durch uns – aber es gibt genug AnwĂ€lte und Rechteinhaber, die hier ein lukratives AbmahngeschĂ€ft betreiben.

Die gedeckelten Kosten bei Abmahnungen von Rechtsverletzungen durch „Privatleute“ bieten einen gewissen Schutz: FĂŒr die AnwĂ€lte ist ein solches Verfahren nicht lukrativ – außer, sie machen eine Massenabmahnung daraus und verschicken Standardbriefe, in denen nur die Adressen ausgetauscht werden. Man beschĂ€ftigt ein paar billige KrĂ€fte, die die RechtsverstĂ¶ĂŸe dokumentieren, die Adressen raussuchen und dann rollt die Abmahnwelle. Man kennt das von den Abmahnwellen beim File-Sharing. Wenn nur ein Bruchteil zahlt, klingelt es auf dem Anwaltskonto und dem des „Mandanten“. Das können zum Beispiel Firmen sein, die Fotosammlungen aufkaufen und damit Rechteinhaber werden. Möglicherweise haben die gar kein Interesse, die Fotos zu verkaufen, sondern warten wie die Spinnen im Netz auf ihre Opfer.

Die „Motivation“ fĂŒr eine Klage ist egal

Das klingt absurd? Das ist die RealitĂ€t. Die Rechteinhaber werden natĂŒrlich niemals als Motiv „Gewinnmaximierung durch ein auf Abmahnungen basierendes GeschĂ€ftsmodell“ ins Feld fĂŒhren, sondern sich als Opfer von Rechtsverletzern darstellen. Und selbst wenn es „Aasgeier“ sind: Die Gesetzgebung gibt ihnen das Recht, die Nutzungsrechtsverletzung zu verfolgen.

Die entscheidende Frage ist also, was man Teilen darf: Ohne Risiko darf man nur Fotos teilen, die „rechtefrei“ sind oder fĂŒr die man die Erlaubnis zum Teilen hat. Das Problem: Woher bekommt man die Erlaubnis und woher weiß man, was rechtefrei ist und was nicht? Im Alltag ist das kaum zu entscheiden. Fast alle Facebook-Nutzer teilen beispielsweise Artikel von Medien, weil sie ihre Kontakte auf diese Informationen hinweisen wollen. Wird ein Vorschaubild mitgepostet, ist der Rechtsverstoß begangen. Punkt.

Außer, dies wurde ausdrĂŒcklich erlaubt. Mal ehrlich? Wann haben Sie vor dem Posten auf der Seite eines Anbieters recherchiert, ob im Impressum oder den Allgemeinen GeschĂ€ftsbedingungen das Teilen ausdrĂŒcklich erlaubt ist oder nicht? Tatsache ist: Wenn Sie das recherchieren, werden Sie feststellen, dass die allermeisten Anbieter – auch und gerade große Portale – die Rechtsinhaberschaft eindeutig feststellen. Somit ist jedes Posten von Fotos erstmal rechtlich fragwĂŒrdig.

Keine Klage heißt nicht kein Rechtsverstoß

Das trifft zum Beispiel auch zu, wenn Sie unsere Artikel teilen und automatisch erzeugte Vorschaubilder mitposten. Oder wenn Sie Artikel von Zeitungen oder anderen Medien mit Vorschaubild teilen. Von unserer Seite aus mĂŒssen Sie nichts befĂŒrchten, wir werden private Nutzer garantiert nicht abmahnen, denn aus unserer Sicht bewerten wir den Nutzen – nĂ€mlich das Verbreiten unserer Informationen – höher als einen Rechtsverstoß (zur Sicherheit unserer Leser/innen werden wir das kĂŒnftig regeln). Doch wie sieht das bei anderen aus, beispielsweise Zeit Online oder dem SWR? Rechtsanwalt Schwenke:

Hier wĂŒrde ich die Gefahr eher als gering einschĂ€tzen. Der Tatbestand ist gegeben, aber die Anbieter wĂ€gen zwischen Schaden und Nutzen ab. Der Nutzen des Teilens wird sicher höher bewertet, insofern wĂŒrde ich bei professionellen und großen Anbietern eher kein Problem sehen. Bei Agenturen, Foto-Stock-Anbietern, Fotografen und kleineren Anbietern wird es riskant.

Wie bereits genannt: Es hÀngt vom Einzelfall ab. Davon gibt es aber tÀglich Millionen, beispielsweise durch das Teilen von lustigen Fotos, Tierbildern und so weiter. Rechtsanwalt Schwenke:

Die sind theoretisch auch ĂŒberwiegend betroffen, sofern es alleinige Nutzungsrechte gibt. Wenn Sie Ihren Freundeskreis aber geschlossen halten und nicht-öffentlich posten, ist die Gefahr geringer, außer unter Ihren Freunden ist der, der die Rechte hĂ€lt und Sie verklagt.

Rechtsanwalt Thomas Schwenke rÀt zur Vorsicht: Im Zweifel besser keine Fotos teilen. Foto: RA Schwenke

 

Sobald öffentlich geteilt wird, steigt die Gefahr von Abmahnungen

Merke: Wer viele Freunde sammelt, die er nicht kennt, erhöht in dieser Hinsicht das Risiko. Wer sich jetzt fragt, wieso das, was man seit langer Zeit macht und was ja alle machen, plötzlich ein Rechtsrisiko sein soll, bekommt die Antwort:

GeschĂŒtzte Fotos zu teilen war schon immer ein Rechtsverstoß, nur jetzt gab es erst jetzt die erste Abmahnung, die ist durchgegangen und ab sofort muss man damit rechnen, dass hier Agenturen und AnwĂ€lte Geld verdienen wollen.

Der Fachanwalt Schwenke bestÀtigt unsere EinschÀtzung, dass es weniger um Rechtewahrung, als um Kohle machen geht:

NatĂŒrlich wird der Schutz behauptet werden. Ob das allerdings das wahre Motiv ist, dĂŒrfte manchmal fragwĂŒrdig sein. Man hört, dass es Agenturen gibt, die große BildbestĂ€nde aufkaufen und eng mit Kanzleien zusammenarbeiten. Mittlerweile gibt es Software, die auch Fotos identifizieren kann und dann scannen solche Firmen Postings, bis sie Treffer haben. Das kann man als verwerflich betrachten – rechtlich ist es einwandfrei zulĂ€ssig und kann ein lukratives GeschĂ€ft bedeuten.

Es könnte auch kostenfrei zugehen – darauf sollte man nicht hoffen

Und natĂŒrlich muss der Rechteinhaber nicht abmahnen und er muss auch keine Rechnung stellen, eine Aufforderung zur Löschung wĂ€re ein erster kostenfreier Schritt. So verhalten wir uns beispielsweise, wenn wir mit der Veröffentlichung von Inhalten, die uns gehören, auf anderen Internetseiten nicht einverstanden sind.

Es gibt aber auch Inhalte, die man vermeintlich problemlos teilen kann. Youtube-Videos beispielsweise. Aber leider droht auch hier die Abmahnfalle – wieder abhĂ€ngig vom Einzelfall, wie Thomas Schwenke erklĂ€rt:

Bei youtube und anderen großen Portalen dieser Art willigt der Einsteller ins Sharen ein – er kann also keine Nutzungsrechtsverletzungen geltend machen. Außer, er hat Inhalte eingestellt, an denen er keine Reche besitzt, dann kann der Rechteinhaber gegen den Einsteller und gegen alle, die teilen vorgehen. Auch hier sollte man also vorsichtig sein, was man teilt. Nicht erlaubt sind Screenshots aus Filmen – dadurch fertigt man „Foto“-Kopien an. Sofern man die öffentlich macht, ist das eine Nutzungsrechtsverletzung, selbst wenn der Screenshot denselben Inhalt hat wie ein automatisch generiertes Vorschaubild.

Und wie sieht es mit Eltern aus, deren Teenager einen Facebook-Account haben und fleißig alles teilen, was ihnen gefĂ€llt?

Die Eltern haften meist nicht, wenn diese ihre Kinder auf den sorgsamen Umgang hingewiesen haben. Hier ist meist der Umfang von Nutzungsrechtsverletzungen und die Art und Weise entscheidend. Ausgeschlossen ist eine Haftbarkeit aber nicht.

Betroffen sind alle, die teilen

Die potenzielle Gefahr betrifft also alle die am meisten, die nicht-privat auf Facebook posten: Gewerbetreibende, Freiberufler, Firmen, Dienstleister, Vereine, Behörden, VerbĂ€nde und so weiter. Die Überlegung, man betreibe ja nur ein kleines Angebot oder verdiene damit nur wenig oder biete als Verein einen Service an, bietet keinen Schutz. Sobald man Öffentlichkeit herstellt, kann man in der Falle sitzen. Und zwar unabhĂ€ngig von Facebook, auch andere soziale Dienste wie Google+ sind betroffen, also jeder Dienst, der Vorschaubilder erzeugt.

Das betrifft uns auch selbst: Wir haben aktuell einen Rechtsstreit, der in Teilen auch Facebook-Vorschaubilder betrifft. Und ganz ehrlich? Das Problem war uns vorher nicht bekannt. Der Umgang mit Rechten gehört zwar zu unserer tĂ€glichen Arbeit und wir achten sehr verantwortlich auf ein einwandfreies Verhalten – aber auch wir mĂŒssen wie alle immer wieder dazulernen.

FĂŒr unsere Leserinnen und Leser werden wir fĂŒr das Teilen unserer Inhalte Rechtssicherheit schaffen – soweit wir das können. In den nĂ€chsten Tagen werden wir einen Passus in unsere Nutzungsbedingungen aufnehmen, der ausdrĂŒcklich die Verwendung von Vorschaubildern fĂŒr den privaten Gebrauch erlaubt.

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht

TatsĂ€chlich können wir Ihnen ehrlicherweise damit keinen einhundertprozentigen Schutz vor Rechtsverfolgungen bieten, wenn Sie unsere Informationen teilen. Zur ErlĂ€uterung: Wir verwenden hĂ€ufig fremdes Bildmaterial, das wir beispielsweise ĂŒber Pressestellen zur VerfĂŒgung gestellt bekommen, sei es ĂŒber die Gemeindeverwaltungen, das Landratsamt, Ministerien, die Polizei, Hilfsdienste, Feuerwehren, Parteien, Veranstaltungsunternehmen, Theater, Schulen, Vereine oder andere Anbieter, ob „öffentlich“ oder „privatrechtlich“. Wir gehen dabei davon aus, dass der jeweilige Zulieferer ĂŒber die Nutzungsrechte verfĂŒgt und diese an uns weitergibt. Zur Absicherung fragen wir beim ersten Kontakt nach, ob das pauschal so zutrifft und bekommen das entsprechend bestĂ€tigt. Bei Pressestellen setzen wir das voraus.

In der Praxis kann es aber zu Rechtsstreitigkeiten kommen, wenn jemand behauptet, die Nutzungsrechte zu haben. Absurd? Nein, Tatsache und derselbe Fall, den Rechtsanwalt Schwenke am Beispiel von Youtube oben im Text erlĂ€utert hat. Und die Tatsache, dass es der Presse und anderen Medien erlaubt worden ist, heißt noch lange nicht, dass Sie als privater oder gewerblicher Nutzer ebenfalls „Veröffentlichungsrechte“ haben. Wir wiederum könnten umgehend den Betrieb einstellen, wenn wir dies tatsĂ€chlich fĂŒr jedes Foto prĂŒfen mĂŒssten. Der Verwaltungsaufwand wĂ€re gigantisch. Wir mĂŒssen uns also selbst verlassen und können die Gefahr nicht ausschalten.

Genau das ist auch zum Teil Gegenstand eines aktuellen Rechtsstreits, den wir fĂŒhren mĂŒssen: Eine Person behauptet, die alleinigen Nutzungsrechte fĂŒr Fotos zu haben, die von der Pressestelle eines Unternehmens öffentlich als „Presseinformation“ zur VerfĂŒgung gestellt worden sind und bis heute als „Presseinformation“ downloadbar sind. Wir haben diese Fotos benutzt und sind dafĂŒr abgemahnt worden. Streitwert fĂŒr jedes der drei Fotos: 3.000 Euro, also in Summe 9.000 Euro.

Die Gefahr lauert ĂŒberall

Und obwohl der Hinweis von Rechtsanwalt Thomas Schwenke vermutlich ĂŒberwiegend zutreffend ist, dass von großen Anbietern eher keine Gefahr droht: In unserem Fall hat die Pressestelle einer Firma eines sehr großen Medienkonzerns hier in der Region diese Fotos zur VerfĂŒgung gestellt und die abgebildete Person hat uns wegen der Nutzung abgemahnt. Ob das zulĂ€ssig ist, mĂŒssen wir nun vor Gericht klĂ€ren. Bei vollem Prozesskostenrisiko in Höhe von mehreren tausend Euro. Da dies zur Zeit ein schwebendes Verfahren ist, Ă€ußern wir uns aktuell nicht, werden Sie aber informieren, wenn der Prozess abgeschlossen ist.

Um es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die Gefahr lauert ĂŒberall. Beispielsweise bei Ihrem Verein. Der hat ganz korrekt einen Bilderdienst abonniert und bezahlt diesen fĂŒr die Nutzung von Fotos. Oder kauft Fotos von einem Sportfotografen zur Verwendung auf der eigenen Website. Soweit ist alles korrekt. Der Verein hat die Nutzungsrechte erworben. Was aber steht im „Kleingedruckten“? Hat der Vorstand das geprĂŒft oder verlassen Sie sich darauf, „dass das alles schon in Ordnung ist“? DĂŒrfen Vereinsmitglieder oder andere Personen die Vereinsmeldungen inklusive Vorschaufoto „teilen“? Das kann sein, das kann aber auch nicht sein. Und wenn diese Rechte nicht genehmigt worden sind, begeht jeder, der ein Vorschaubild oder ein anderes teilt, einen potenziellen Rechtsverstoß, der abmahnfĂ€hig ist. Wenn Sie dann behaupten, Sie hĂ€tten das nicht gewusst, hilft Ihnen das im Zweifel erstmal nichts.

Ein anderes aktuelles Beispiel: In den vergangenen Wochen ist das Foto eines vermissten Jugendlichen aus Mannheim in Facebook geteilt worden. Der Junge wurde mittlerweile tot aufgefunden. Mit dem Tod verfallen die Persönlichkeitsrechte nicht und die Nutzungsrechte erst nach dem Tod des Urhebers, also der Person, die das Foto gemacht hat. Sie halten das fĂŒr ein makabres Beispiel? Das interessiert die Gerichtsbarkeit nicht: Wer dieses Foto verwendet hat, könnte das Persönlichkeitsrecht der Person verletzt haben. Und ganz sicher liegt ein Urheber- und Nutzungsrechtsverstoß vor.

Und wenn Sie sich bereits mit der Problematik befasst haben und denken: Google darf doch auch Vorschaubilder anzeigen, dann liegen Sie richtig, aber die Schlussfolgerung, Ihnen wĂ€re das auch erlaubt, ist falsch. Suchmaschinen verwenden dafĂŒr eine technische Funktion ohne die eine Suchmaschine wenig Sinn machen wĂŒrde. Rechteinhaber, die das nicht wollen, mĂŒssen ihre Inhalte schĂŒtzen und können durch technische Einstellungen eine automatisierte Erfassung verhindern. Sie als „Teiler“ von Inhalten sind aber kein Automat, sondern eine willentlich handelnde Person.

Thomas Schwenke bringt die aktuelle Rechtssituation auf den Punkt:

Es ist fast unmöglich, keinen Rechtsverstoß zu begehen.

Außer, man lĂ€sst die Finger von Facebook und anderen Diensten.

Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dringend Abhilfe zu schaffen. Sprechen Sie Ihre Abgeordneten an. Teilen Sie unseren Artikel und helfen Sie, das Thema bekannt zu machen. Es betrifft tatsĂ€chlich jeden, der Informationen im Internet teilt – abhĂ€ngig vom Einzelfall. Und warnen Sie andere vor Rechteinhabern, die darauf aus sind, andere mit teuren Abmahnungen zu ĂŒberziehen.

Links:

Zeit online: Abmahnung wegen eines Bildchens auf Facebook

hr: Vorsicht bei Facebook-Vorschaubildern

http://rechtsanwalt-schwenke.de

RA Schwenke zum Abmahnfall

Praxistipps von RA Schwenke

Hinweis: Wir werden in Zukunft immer wieder darauf aufmerksam machen, welche Leistung wir Ihnen anbieten. Die Zitate von Rechtsanwalt Schwenke entstammen einem Interview fĂŒr das lokaljournalistische Netzwerk istlokal.de. FĂŒr dieses Interview wurden inklusive Vorrecherche, GesprĂ€ch und Produktion rund fĂŒnf Stunden Arbeit aufgewendet. FĂŒr diesen Text wurden inklusive Recherche rund acht Stunden Arbeit aufgewendet. Wir bieten unseren Leser/innen diese Leistung kostenfrei an. Wenn Sie unsere Arbeit mit einer freiwilligen Zahlung unterstĂŒtzen wollen, weil Sie diese unterstĂŒtzen wollen oder selbst Nutzen daraus gezogen haben, sind wir dafĂŒr sehr dankbar. Ebenso, wenn Sie uns bei den Kosten fĂŒr den Rechtsstreit unterstĂŒtzen wollen. Schreiben Sie uns bitte eine email an redaktion (at) rheinneckarblog.de, wir teilen Ihnen dann gerne unsere Bankverbindung mit. Eine Spendenquittung können wir nicht ausstellen.

Exklusive Weihnachtsaktion

Wir haben nichts zu verschenken – und tun’s trotzdem

Wir verlosen attraktive WerbeplĂ€tze – ohne Risiko fĂŒr Neukunden.

 

Rhein-Neckar, 11. Dezember 2010. (red) Gewerbetreibende, Dienstleister und Freiberufler können aktuell bei uns Werbeleistungen in Höhe von 7.700 Euro gewinnen. Ohne jegliche Verpflichtung. Unsere Aktion richtet sich an alle Neukunden, die vorwĂ€rts denken und realisieren, dass ĂŒberteuerte Print-Werbung der Vergangenheit angehört und Online-Werbung die Zukunft ist. Wir bieten eine hohe Aufmerksamkeit durch eine fundierte und kritische Berichterstattung. DafĂŒr werden wir von unseren Leserinnen und Lesern geschĂ€tzt. Die Aufmerksamkeit erarbeiten wir uns hart mit klassischem Journalismus. Unsere Werbekunden profitieren davon – denn heutzutage muss sich jeder der Kritik der Öffentlichkeit stellen und wo kann man das besser als bei einem konstruktiv-kritischen Online-Medium?

Von Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (46), GrĂŒnder und Chefredakeur der Rheinneckarblogs. Foto: sap

Wir bieten aktuell eine Verlosung an, die sich an Neukunden richtet. Die Regeln sind ganz einfach. Sie schicken uns eine Email, gewinnen mit etwas GlĂŒck einen unserer Preise und profitieren von unserem Werbeumfeld. Sie gehen keinerlei Verpflichtungen ein. (Hier sehen Sie die Werbeleistungen, die Sie gewinnen können und wie Sie an der Verlosung teilnehmen.) Es gibt kein Abo, keine versteckten Kosten. Es gibt kein Risiko fĂŒr Sie. DafĂŒr haben Sie die Möglichkeit, unverbindlich unsere Werbemöglichkeiten zu testen.

Und wenn Sie das interessiert, dann lesen Sie bis zum Ende weiter.

GlaubwĂŒrdigkeit ist Trumpf

Wir bieten dieses „Spiel“ an, weil wir ĂŒberzeugt sind, dass Sie als Gewinner weiter mit „uns spielen wollen“. Wer ist „uns“? Wir sind eine unabhĂ€ngige, journalistische Redaktion, die sich der Information der Öffentlichkeit verschrieben hat. Wir berichten kritisch. Wir informieren aktuell. Wir sind ehrlich.

Das unterscheidet uns in erheblichem Maß von den „etablierten Medien“, die seit Jahren mehr und mehr an GlaubwĂŒrdigkeit verlieren. Am dramatischsten lĂ€sst sich dieser GlaubwĂŒrdigkeitsverlsut bei den Zeitungen erkennen. Die Auflagen sinken und sinken. Die WerbeumsĂ€tze noch drastischer, weil die Preise unverschĂ€mt sind und die „Werbeleistung“ auch nicht im Ansatz erbracht wird. Zudem wird hĂ€ufig tendenziös berichtet.

Im Vergleich zu den Zeitungen, zum Radio und zum Fernsehen sind unsere Blogs, so nennen wir unsere Vor-Ort-Onlinezeitungen, noch relativ klein. Aber im Unterschied zu den anderen Medien verlieren wir keine Reichweite, sondern gewinnen dazu.

Engagierter Journalismus

Wir sind ein kleines Team von rund zehn Journalisten, die mit viel Herzblut und großer Überzeugung fĂŒr die demokratische Aufgabe ihren Job machen. Wir werden von sehr vielen BĂŒgerinnen und BĂŒrgern unterstĂŒtzt, die uns mit Informationen beliefern. Diese Quellen und ihre BedĂŒrfnisse nehmen wir ernst. Ebenso unsere Anzeigenkunden und ihre WĂŒnsche. Dabei halten wir uns allerdings strikt an das Gebot der Trennung von Redaktion und Vermarktung.

Denn wir sind ĂŒberzeugt davon, dass unsere Anzeigenkunden in erheblichem Maß von dieser Trennung und der damit verbundenen GlaubwĂŒrdigkeit profitieren. SelbstverstĂ€ndlich sind unsere Werbekunden fĂŒr uns erste Ansprechpartner: Ob es um Finanzen geht, um Hochzeiten, um Bauangelegenheiten, ums Auto, um Bildung, um Freizeit oder Sport oder Demografie. Unsere Kunden sind Experten, auf die wir gerne in unserer Berichterstattung zurĂŒckgreifen – aber trotzdem Quellen wie jede andere auch. Und wenn bei einem Kunden etwas schief lĂ€uft, werden wir auch hier wie gewohnt kritisch berichten. DafĂŒr gab es schon einige Beispiele und bis auf das Logistikunternehmen Pfenning hat keiner der Kunden  uns das bislang ĂŒbel genommen, was fĂŒr die große SouverĂ€nitĂ€t unserer Werbepartner spricht.

Bei „etablierten Medien“ ist das erkennbar anders. Über „gute Kunden“ wird nur Gutes berichtet. Kritik findet nicht statt. Damit beschĂ€digen „traditionelle“ Medien seit Jahren ihre GlaubwĂŒrdigkeit und die ihrer Kunden gleich mit.

Informationsorientierte Leserinnen und Leser

Unser Leserinnen und Leser sind ĂŒberwiegend zwischen 25 und 50 Jahren alt, sehr interessiert am lokalen Geschehen, an Politik, Gesellschaft und Kultur. Wir erreichen im Gegensatz zu Tageszeitungen auch Leser unter 25 Jahren, die selbstverstĂ€ndlich elektronische Medien benutzen. Und wir freuen uns, dass immer mehr Ü50-Leser sich aktiv im Netz informieren.

Unsere Nachrichtenangebote machen immer wieder auch ĂŒberregional Schlagzeilen. Wir bieten Dokumentationen, investigative Stories, hintergrĂŒndige Berichte und Service-Informationen fĂŒr die Bevölkerung vor Ort. Unser lokaljournalistisches Konzept ist Vorbild fĂŒr eine Reihe von anderen Lokalmedien, die in den vergangenen zwei Jahren ĂŒberall in Deutschland entstanden sind.

Wir finanzieren uns ausschließlich ĂŒber Werbeeinnahmen. Unsere Kunden sehen wir deshalb als Partner – denn sie unterstĂŒtzen und stĂŒtzen unsere journalistische Arbeit. Von unserem sehr guten Image profitieren die Partner natĂŒrlich ebenfalls. Wenn Sie sich vorstellen können, Werbepartner bei uns zu werden, freuen wir uns sehr und beraten Sie unverbindlich. Wir bieten mehr als nur die Schaltung von Anzeigen – wir beraten Sie umfassend zu klassischer Image- oder Aktionswerbung und zu Social Media-Kampagnen. Unsere Preise sind fair und passen zu Kleinunternehmern, Dienstleistern bis hin zu großen Firmen aus dem Mittelstand. Unsere renommierten Werbepartner schĂ€tzen unser qualitativ hochwertiges Werbeumfeld bereits.

Probieren Sie es einfach aus. 🙂

Wenn Sie an der Aktion teilnehmen möchten, klicken Sie bitte auf den Link.

Wenn Sie uns direkt erreichen möchten, wÀhlen Sie 0621/ 437 458 30 oder schicken eine email an anzeigen (at) rheinneckarblog.de

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Facebook-Hoax: „Hiermit widerspreche ich…“

Rhein-Neckar, 12. November 2012. (red) Nutzen Sie Facebook? Gut! Glauben Sie alles, was dort veröffentlicht wird? Nicht gut! Aktuell geht wieder ein Gerücht, ein sogenannter „Hoax“ um. Nutzer widersprechen in einer Erklärung darin der Nutzung ihrer Daten. Schön, wenn’s so einfach wäre – ist es aber nicht.

Von Hardy Prothmann

Wir haben auf Facebook über unsere Blogseiten gut 3.000 Facebook-Fans und insgesamt weitere rund 1.000 Freunde. In den vergangenen Tagen sind uns vermehr „Disclaimer“ aufgefallen, in denen manche der Nutzung der in Facebook eingestellten Daten und den zugrunde liegenden AGBs widersprechen.

Um es deutlich zu sagen: Das ist sinnlos und rechtlich nicht haltbar. Man kann sich die Mühe sparen. Und noch mehr die Peinlichkeit, sich nicht auszukennen.

Wer sich bei Facebook anmeldet, willigt in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein. Wer das nicht will, muss sich nicht bei Facebook anmelden. Wer individuelle Regelungen will, wird diese nicht erhalten.

Verstand nutzen

Wie immer gilt – nutze Deinen Verstand! Und zwar kritisch. Haben Sie schon mal irgendwo ein Geschäft oder eine Anmeldung machen können, ohne die AGBs zu aktzeptieren? Klar, die könnten sittenwidrig sein – aber das muss man erstmal vor Gericht nach Vertragsabschluss erstreiten und kann nicht sicher sein, ob man Recht bekommt. Ohne diese zunächst anzuerkennen, gibt es keinen Vertrag oder wie bei Facebook – keinen Zugang.

Dass einem die weitgehende Rechteeinräumung an Facebook nicht gefällt, ist das eine. Aber nicht jeden Quatsch im Freundes- und Bekanntenkreis zu verbreiten, ist das andere.

Es gibt zu allen möglichen Themenfeldern solche „Hoax“-Meldungen. Ein Beispiel ist immer wieder der „weiße Bus“, der auch mal grün oder andersfarbig sein kann. Gewarnt wird vor Kinderschändern. Die Meldung ist falsch. Frei erfunden. Ebenso gibt es viele Suchmeldungen, die auch einfach nur falsch sind. Gefolgt von Tierquälerei-Szenen.

Merke: Folge nicht blind und ohne nachzudenken jeder „Information“. Man kann zu den Themen googlen, man kann seine Freude bei Facebook fragen oder erstmal beobachten, bevor man gleich alles teilt.

Immer dann, wenn man sich selbst sehr betroffen fühlt, sollte man besonders kritisch sein – Hoax-Meldungen haben oft einen „alarmistischen“ Charakter oder appellieren an Reflexe: Kinder, Tiere, Skandale, Sex-Themen, Rekord-Meldungen. Immer dann, wenn es besonders außergewöhnlich ist, sollte der Verstand-Filter besonders aktiv werden. Das schützt vor Falschmeldungen und „bösartiger Software“.

Mist vs. sinnvolle Information

Sozialen Medien und dem Internet wird immer vorgeworfen, dass es dort „jede Menge Mist“ gibt. Das stimmt. Den gibt es – neben unglaublich viel mehr nützlichen Informationen. Die zu verbreiten ist sinnvoll. Zum Beispiel unsere Blogs und Facebook-Seiten mit ihren sinnvollen Inhalten weiter zu empfehlen.

Wer uns liest, erfährt immer wieder Neuigkeiten – recherchiert, geprüft, eingeordnet und kommentiert.

Geprothmannt

Eskalierende Berichterstattung

Ein Jugendlicher zerstört eine Scheibe und die RNZ suggeriert aufgrund einer „Zeugenaussage“, die Polizei sei schuld, weil zu „rabiat“. Gehts noch?

 

Rhein-Neckar/Schriesheim, 15. Oktober 2012. (red/pro) In Schriesheim gab es vor kurzem so etwas wie Chaostage. Rund 250 zum Teil heftig besoffene Jugendliche treffen sich einer „Abrissparty“. Rund 50 eilig herbeieilende Polizisten bekamen die Lage aber in den Griff. Die „QualitĂ€tspresse“ sieht das anders. Und pumpt einen 20-jĂ€hrigen Chaos-Beteiligten zum „Kronzeugen“ auf.

Von Hardy Prothmann

Nein, ich mache jetzt keine Namensanspielungen zum Beitrag von Carsten Blaue in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 09. Oktober 2012 mit der Überschrift:

Sorgte die Polizei fĂŒr eine Eskalation?

Aber ich frage mich sehr wohl, was den RNZ-Journalisten dazu treibt, eine solche Überschrift zu formulieren und einen Beitrag zu verfassen, der jeden aufmerksamen Leser vollstĂ€ndig erschĂŒttert zurĂŒcklĂ€sst: Ist dieser Artikel ein Beispiel fĂŒr den angeblichen QualitĂ€tsjournalismus der Tageszeitungen?

Abriss“birnen“

Zur Sachlage: Am Abend des 05. Oktobers 2012 finden sich in Summe rund 250 Jugendliche in Schriesheim zusammen, um an einer „Abrissparty“ teilzunehmen. Sie rotten sich in Gruppen zusammen, saufen mitgebrachte Alkoholika, werden auffĂ€llig und die Polizei reagiert. Insgesamt rund 50 Streifenbeamte der Polizeidirektion Heidelberg, unterstĂŒtzt durch das PolizeiprĂ€sidium Mannheim treffen in Schriesheim ein, errichten Kontrollpunkte und versuchen die Lage zu klĂ€ren.

Die Mannheimer Beamten kennen sich vor Ort nicht aus – das geht auch vielen Heidelberger Polizisten so. FĂŒr einen Einsatzplan bleibt keine Zeit. Der Einsatz kommt ĂŒberraschend. Und man „jagt keine Verbrecher“, sondern betrunkene Jugendliche, die unter der Woche sicher Mamas und Papas Liebling sind. Brave Kinder im Alkoholausstand.

Chaos-Nacht in Schriesheim

Die Jugendlichen zerdeppern Flaschen auf der Straße (welche, spielt keine Rolle, es hĂ€tte ĂŒberall sein können), vermĂŒllen den Platz vor einem frĂŒheren Handelsmarkt, demolieren zwei Autos, schlagen die TĂŒrscheibe einer Bahn ein, gröhlen, beleidigen und provozieren Beamte.

Die Jugendlichen werden abgeschirmt, begleitet, in kleinen Gruppen in die Bahnen gesetzt. Nach vier bis fĂŒnf Stunden ist der Spuk am Freitagabend kurz vor Mitternacht vorbei. Die Lage ist beruhigt.

In der Folge schreibt ein 20-jĂ€hriger eine email an die Rhein-Neckar-Zeitung. Die Zeitung nennt den Namen des email-Schreibers, sein Alter und seinen Wohnort. Dass sie dabei gegen jede Grundregel des Quellenschutzes verstĂ¶ĂŸt, ist Redakteur Carsten Blaue scheinst, vollstĂ€ndig egal.

Quellenverbrennung

Guter Journalismus bewahrt „Quellen“ auch vor Selbstschaden. Den hat der junge Mann jetzt. Denn er wird fĂŒr einen vermeintlichen „Scoop“ (journalistische Aufdeckung) klasklar missbraucht. Es gibt journalistisch ĂŒberhaupt keinen Grund, Namen, Alter und Wohnort und „Status“ des Informanten als „Beteiligten“ zu nennen – außer die Folgen fĂŒr den Informanten sind einem RNZ-Journalisten einfach nur egal. Jeder „Informant“ sollte es sich genau ĂŒberlegen, ob man dieser Zeitung trauen kann.

Die Rhein-Neckar-Zeitung stellt tatsĂ€chlich wegen der Behauptung eines einzelnen, jungen „Erwachsenen“ den Einsatz der Polizei in Frage. Fragen zu stellen, ist journalistisch absolut legitim. Geradezu notwendig. Aber welche Fragen wurden gestellt?

Jugendliche in Abrisslaune randalieren, die Polizei bekommt die Lage in den Griff und die Zeitungsberichterstattung „eskaliert“.

 

„Blaues Sicht“ – null Recherche

Der junge Mann behauptet, die Polizei sei „rabiat“ gewesen. Hier muss man nachhaken. Was meint das? Hat die Polizei etwa klare Ansagen gemacht? Oder auch ein bisschen „gedrĂ€ngelt“?

Der junge Mann behauptet laut der Zeitung aber auch, die Polizei sei „gewalttĂ€tig“ gewesen. Und spĂ€testens hier ist Schluss mit lustig. Gewalt hat Konsequenzen: HĂ€matome, blaue Augen, Platzwunden, Verletzungen eben.

Sind Verletzungen dokumentiert? Nein. Wurde die Polizei befragt, ob es Festsetzungen gab, Schlagstock- oder TrÀnengaseinsatze? Nein.

Denn das hĂ€tte ja „den Aufreger“ zunichte gemacht.

Wurde im Ansatz von Herrn Blaue und der Redaktion ĂŒber die Lage vor Ort nachgedacht? Über die Einsatzwirklichkeit der Polizei?

LÀcherliche Polizei vs. blödsinnige Meinung

50 Beamte stehen 250 mehr oder weniger alkoholisierten Jugendlichen gegenĂŒber, die in „Abrissparty-Laune“ sind. Ohne jegliche Vorbereitung. Glaubt der Journalist tatsĂ€chlich, dass die Polizei so dumm ist und durch falsches Verhalten diesen schon sichtbar aggressiven Mob noch mehr zu reizen?

Die Einsatzwirklichkeit von Polizeibeamten beschreibt der Pressesprecher Harald Kurzer so:

Wir sind teilweise das Gespött der Stammtische. FĂŒnf Beamte waren nötig, um einen ausrastenden Betrunkenen unter Kontrolle zu bringen – ja, haben die gar nix drauf?

Gute Frage, nĂ€chste Frage. Sollen die Beamten knĂŒppeln oder gar schießen? Um eine ausrastende Person zu „stabilisieren“, braucht es mindestens zwei, eher drei oder sogar fĂŒnf Personen. Vor allem, um die Person vor Verletzungen zu bewahren, die sonst umungĂ€nglich wĂ€ren. Die Methode „Schlagstock ĂŒber den SchĂ€del ziehen“ wird ĂŒberwiegend nur noch in Diktaturen angewandt, nur Herr Blaue hat das noch nicht mitbekommen.

Gehts noch?

Konkret vor Ort hieße das, die Polizei hĂ€tte nicht mit 50 Beamten, sondern mit 500 oder besser 750 Beamten vor Ort sein mĂŒssen. Wegen einer blöd-besoffenen Abrissparty-Laune, die ĂŒber Facebook „organisiert“ wurde? Gehts noch? Denkt ein Herr Blaue abgesehen von der AbsurditĂ€t der Vorstellung auch mal ĂŒber die Kosten fĂŒr den Steuerzahler nach?

Geht Herr Blaue davon aus, dass am Wochenende hunderte von Polizisten in Einsatzbereitschaft sind, um dem feierwĂŒtigen Nachwuchs klar zu machen, dass man sich mal eben nicht irgendwo trifft, um zu saufen und was kaputt zu machen? Und wenn dies so wĂ€re, berichtete die RNZ dann ĂŒber „PolizeistaatsverhĂ€ltnisse mitten in Deutschland“?

Blödsinniger kann man tatsĂ€chlich nicht „berichten“, als die Rhein-Neckar-Zeitung das im Fall der „Schriesheim-Flashmobs“ getan hat. Ohne Recherche, ohne Sinn, ohne Verstand.

Falsches Ticket

Ich fĂŒr meinen Teil hoffe, dass die Beamten vor Ort den besoffenen Jugendlichen so deutlich wie möglich klar gemacht haben, dass es niemanden interessiert, ob man in die falsche Bahn gesetzt wird und einmal umsteigen muss, nachdem man sich verabredet hat, sich die Birne aufzuweichen und was kaputt zu machen.

Jeder, der an diesem Freitagabend mit dieser Stimmung nach Schriesheim gefahren ist, war „mit dem falschen Ticket“ unterwegs.

Und die Schriesheimer Bevölkerung kann sehr dankbar sein, dass die Polizei dafĂŒr gesorgt hat, dass die Situation vor Ort nicht eskaliert ist und niemand wirklich zu Schaden kam. Den TĂŒreinschlager hat man festgestellt, er wird zur Verantwortung gezogen. Wer noch finanziell (Party-Veranstalter oder Facebook-Einlader) fĂŒr den Einsatz aufkommen muss, wird noch geprĂŒft. Die Besitzer der demolierten Autos haben hoffentlich eine Vollkasko, sonst bleiben sie vermutlich auf dem Schaden sitzen. Alle anderen Autobesitzer sind der Polizei dankbar.

Die friedliche und kĂŒnstlerische Idee des „Flashmobs“ wurde ebenfalls beschĂ€digt, die vielen tollen Möglichkeiten der sozialen Medien ebenso, denn fĂŒr Zeitungen ist alles mit Internet sowieso „igitt“.

Eskalation vs. gute Polizeiarbeit

Die „Eskalation“ hat im Kopf eines Zeitungsschreibers stattgefunden, der journalistische Standards nicht beherrscht, sondern selbst auf Krawall aus ist. Flankiert von einer Zeitung, die an Standards offensichtlich nicht interessiert ist. GewĂŒrzt mit einer (zeitungsredakteursimmanenten) Panikstimmung gegenĂŒber dem Internet. Und der verlorenen Hoffnung, vielleicht irgendeinen blöd-besoffenen Jugendlichen, der eh keine Zeitung liest, fĂŒr die Zeitung zu interessieren.

Es könnte sein, dass die Rhein-Neckar-Zeitung den ein oder anderen Polizisten als Abonnenten verloren hat, der sich solche Berichte „einfach nicht mehr geben muss“.

Dokumentation: Die Berichte in der Rhein-Neckar-Zeitung können Sie hier nachlesen (sofern sie nicht gesperrt werden)

Sorgte die Polizei fĂŒr eine Eskalation?

Mit jeder Bahn kamen mehr Jugendliche?

Wie die Rhein-Neckar-Zeitung „politisch berichtet, können Sie hier nachlesen:

Politische „Berichterstattung“ bei der RNZ

 

 

 

 

Gastbeitrag: PrivatsphĂ€re im Internet – Der glĂ€serne User

Von Martin Heilmann

Freuen Sie sich ĂŒber Werbeanzeigen im Internet, die genau auf Sie zugeschnitten sind? Das Ihnen exakt Ihre Lieblingsschuhmarke oder das seit Wochen gesuchte Technikprodukt offeriert wird? Ja? Haben Sie sich jemals gefragt, wie das möglich sein kann?

Das Internet ist nicht intelligent. Es kann nicht wissen, welche Produkte Sie prĂ€ferieren. Es gibt aber Programme im Internet, die eines können: Daten ĂŒber Sie sammeln und diese speichern.

Persönliche Daten sind lukrative Informationen fĂŒr die Werbewirtschaft. Je detaillierter die Angaben, desto besser. Umso zielgerichteter kann der Werbende Sie persönlich “ansprechen”.

Grundinfos sind Namens-, Adressen- und Altersangaben sowie die Telefonnummer und die Emailadresse, die zum Beispiel bei kostenlosen Gewinnspielen angegeben werden. Je hĂ€ufiger Sie bei Gewinnspielen mitmachen, desto voller dĂŒrfte das Spamfach des Emailkontos sein. Das kennt man auch von Payback-Karten und Treueaktionen bei SupermĂ€rkten, Einkaufszentren und Tankstellen. Dann ist es eben der Briefkasten, der mit Reklameschreiben “zugemĂŒllt” wird.

Neben den „aktiv“ preisgegebenen Informationen hinterlĂ€sst ein Internetnutzer beim „Surfen“ „passiv“ Daten. Kleine Programme – sogenannte Cookies – beobachten und scannen Internetuser. Cookies können sich unter anderem Suchbegriffe und das Nutzerverhalten („tracking“) „merken“.

Cookies von Dritten löschen – Einfache Datenschutzeinstellungen

Um dem „Tracking“ und „Cookies“ das Leben zu erschweren, gibt es Internetbrowser-Einstellungen, die fĂŒr etwas mehr AnonymitĂ€t im Internet sorgen können.

Datenschutz beim Internetbrowser Firefox. U.a. Cookies können gelöscht werden.

Bei Firefox gelangt man ĂŒber den MenĂŒpunkt Extras -> Einstellungen und dann in der Kategorie Datenschutz in den betreffenden Bereich (siehe Bild). Beim Internetexplorer ĂŒber den MenĂŒpunkt Extras -> Interneteinstellungen in der Kategorie Allgemein.

Selbst wann und wie lange man sich auf Internetseiten aufhĂ€lt, kann nahezu problemlos ĂŒber diese Programme festgestellt werden. Sich der stĂ€ndigen Datensammlung im Internet zu entziehen, scheint fast unmöglich. Über die IP-Adresse, die jeder Nutzer beim „Surfen“ als eigene spezifische Internetadresse bzw. Kennung mitschickt, kann das Nutzerverhalten verfeinert und personifiziert werden. Internetseitenbetreiber können dies nutzen und haben es nach kurzer Zeit nicht mehr allzu schwer, Ihnen passende Angebote anzupreisen. (Ähnlich verhĂ€lt es sich ĂŒbrigens auch bei oben beschriebenen Kundenkarten von SupermĂ€rkten usw..)

Gibt es im Internet ĂŒberhaupt eine PrivatsphĂ€re?

Immer mehr Unternehmen tummeln sich im Internet und machen Nutzer zu glÀsernen Kunden. Nutzer, die im Internet unterwegs sind, glauben sich dort frei und völlig anonym bewegen zu können. Die wohl bekanntesten Datensammler im Internet sind Unternehmen wie Facebook und Google.

Stellt der „unbemerkte“ Lauschangriff im Internet fĂŒr uns eine Gefahr dar? Es hat doch etwas fĂŒr sich, dass man zum Beispiel bei Onlineshops nicht mehr selbst nach Lieblingsprodukten suchen muss, sondern diese einen förmlich “anspringen”.

Es ist aber durchaus bedenklich, dass es kaum möglich ist, nachzuvollziehen, wer alles und in welchem Umfang Informationen abgespeichert und darĂŒber hinaus – ĂŒber die Allgemeinen GeschĂ€ftsbedingungen mit unserem EinverstĂ€ndnis – an Dritte weitergegeben hat.

Andererseits muss hinterfragt werden, ob man im „echten“ Leben allen und jedem preisgibt, wie unter anderem der aktuelle Beziehungsstatus ist, mit wem man wann und wohin Feiern/Essen gegangen ist, oder wer der aktuelle Arbeitgeber ist und wie die frĂŒheren hießen?

Zuhauf werden freiwillig derartige Informationen in sozialen Netzwerken preisgegeben. Wenn dazu noch der richtige Wohnsitz samt Anschrift und Altersangabe kund getan werden, dĂŒrfte der „Informations-Cocktail“ der Werbeindustrie mehrere Dutzend Euros wert sein.

Aus einem anonymen Internetnutzer kann schnell ein Mann aus Hirschberg werden, ĂŒber den Facebook weiß, dass er 45 Jahre alt ist, verheiratet ist, zwei Kinder hat, zwei Katzen sein Eigen nennt, und und und.

Datensammler mĂŒssen nicht „alles“ ĂŒber Sie wissen. Liefern Sie Ihnen persönliche Daten zumindest nicht „frei Haus“. Inwieweit von einer Gefahr fĂŒr den Internetnutzer gesprochen werden kann, lĂ€sst sich abschließend nicht klĂ€ren. In jedem Fall sind bis heute viele datenschutzrechtlichen Fragen nicht geklĂ€rt.

Hinweis der Redaktion:

Dieser Artikel ist von unserem Partner Tegernseer Stimme ĂŒbernommen, die wie unsere Redaktion auch Mitglied beim lokaljournalistischen Netzwerk istlokal.de ist.

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gelöscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Überall im LĂ€ndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. WĂ€hrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, löschen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „SolidaritĂ€t“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade fĂŒr die gutglĂ€ubigen KĂŒnstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 MonatsgehĂ€ltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund fĂŒnf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin ĂŒber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere HintergrĂŒnde zu meiner Haltung hier. http://istlokal-medien.de/heddesheimblog/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur fĂŒr Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest fĂŒr mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erwĂŒnscht.

Kommentare gelöscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„GefĂ€llt mir sehr, toll, unterstĂŒtzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die ErklĂ€rung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die stĂ€ndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten ĂŒber Wettergötter zu fantasieren. Schlechte ZustĂ€nde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Beißhemmung“ gegenĂŒber Ă€ußerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt natĂŒrlich ĂŒberhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja fĂŒr „QualitĂ€tsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und fĂŒr eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des QualitĂ€sjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts ĂŒberwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch fĂŒr „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

TatsĂ€chlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum löschen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anstĂ¶ĂŸig sind? Sondern zusĂ€tzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden können? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf-  nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder dĂŒrfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken fĂŒr unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „SchwĂ€bischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das höflich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anstĂ€ndig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht weiß, wie die BerichterstattungsqualitĂ€t des SchwĂ€bischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim SchwÀbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man könnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden fĂŒr die „Lösch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das wĂ€re nur eine billige Ausrede fĂŒr die Gesamt-Bagage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, mĂŒsste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdrĂŒcken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand fĂŒr diese „Lösch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie lĂ€ngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen können, ĂŒber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdrĂŒckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „QualitĂ€tsjournalismus“ fĂŒhrt. Sie stehen weder fĂŒr QualitĂ€t noch Journalismus noch fĂŒr die Kombination aus beidem.

Ich unterstĂŒtze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden wĂ€re ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen KĂŒndigung vollkommen einverstanden.

Es wĂ€re sicher kein allzu großer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern SolidaritÀt, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

SolidaritÀt mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet lĂ€sst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

Skandal oder Service? Facebook schaltet automatische Gesichtserkennung frei

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Rhein-Neckar, 09. Juni 2011 (red) Facebook geistert als Datenschutz-Problemfall mal wieder durch die Presse. Nicht ganz zu unrecht, aber wie so hĂ€ufig endlos ĂŒbertrieben. Was in keiner Zeitungsmeldung steht: Facebook wird von Zeitungen als Bedrohung wahrgenommen – zu recht. Das grĂ¶ĂŸte soziale Netzwerk der Welt wĂ€chst rasant, wĂ€hrend Zeitungsauflagen schrumpfen. Aktuell wird die automatische Gesichtererkennung kritisiert – Sie erfahren von uns, ob diese problematisch ist und wie Sie diese abschalten können.

Von Hardy Prothmann

Die SĂŒddeutsche Zeitung schreibt:
„Facebook setzt Software zum Gesichtsscan ein, um Freunde auf Fotos einfacher zu identifizieren. Das weckt viele Ängste… Gesichtserkennung: Kein Wort verstört Internetnutzer mehr, hört sich so sehr nach der KomplettĂŒberwachung und Demaskierung an.“

Unbelegte Gefahren

Einen Beleg bleibt die Zeitung schuldig. Welche Ängste? Bei wem? Vor was? Warum?

Facebook-Nutzer stellen bestimmt keine Bilder in das Netzwerk ein, damit diese nicht gesehen werden. Facebook heißt auf deutsch „Gesichtsbuch“ – die Funktion der Gesichtserkennung ist also eher eine folgerichtige Erweiterung der Software.

Die Gesichtsmarkierung ist nicht neu

Schon in der Vergangenheit konnte man auf Fotos Personen markieren und Facebook-Namen zuweisen. Die neue Funktion ermöglicht nun eine „automatische“ Zuordnung.

Das kann man nun als Skandal verstehen oder einfach als Service, der in jedem guten Fotoverwaltungsprogramm enthalten ist. Ganz sicher ist es Ă€rgerlich, dass Facebook diese Funktion einfach eingeschaltet hat ohne die Nutzer zu fragen. Man könnte sich in der autonomen Verwaltung gestört fĂŒhlen oder aber auch sagen: Hey, netter Service.

Ganz so „unerwartet“ macht Facebook das aber nicht. Die neue Funktion wurde bereits im Dezember 2010 angekĂŒndigt. Und ganz so automatisch ist der Ablauf auch nicht – die Sofware „scant“ die Bilder. Findet sie Gesichter, die auf anderen Bildern schon mit einem Namen versehen worden sind, macht Facebook einen Vorschlag, eine Markierung vorzunehmen.

Achten Sie auf Ihre Informationen

Und hier sollten grundsĂ€tzliche Überlegungen anfangen, ob die Nutzer das wollen oder nicht. Insbesondere bei Kindern sollten die Eltern darauf achten, dass diese nicht „zu viele“ Informationen preisgeben oder „problematische Bilder“ einstellen.

Erwachsene selbst sind gut beraten, dass sie nur veröffentlichen, was sie auch vertreten können. Privatpersonen sind gut beraten, wenn sie Kontaktdaten nicht zugĂ€nglich machen – auch nicht Freunden. Die haben in aller Regel email, Adresse und Telefonnummer. Wenn nicht, können diese Daten per email schnell nachgefragt werden. Dann weiß man aber, wer sich dafĂŒr interessiert und stellt sie nicht einfach so „öffentlich“.

Klick-klick-klich: Abgeschaltet

Wer die Funktion abschalten will gelangt ĂŒber „Konto-PrivatsphĂ€ren-Einstellungen“ zum MenĂŒ und wĂ€hlt hier (etwa in der Mitte des Bildschirms) „Benutzerdefinierte Einstellungen“. Im weiten Teil des FolgemenĂŒs sehen Sie „Dinge, die andere Personen teilen“ und dort die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen“. WĂ€hlen Sie hier „Einstellungen“ und sperren Sie die Funktion.

Mit ein paar Klicks ist die Gesichtererkennung gesperrt. Quelle: Facebook

Ansonsten sollten Sie lieber auf Termine achten, die von der Presse fotografiert werden. Denn die in der Zeitung oder im Fernsehen veröffentlichten Fotos sind nicht nur fĂŒr „Freunde“ sichtbar, sondern je nach Auflage und Reichweite fĂŒr hunderttausende oder Millionen von Menschen.

Hier haben Sie aber keine „Sperrfunktion“ und keinerlei Kontrolle. Über diese Gefahren berichten die Zeitungen und Fernsehstationen aber nicht.

Stellen Sie sich vor: Sie werden mit ihrer Liebschaft fotografiert – als Teil einer Gruppe, was presserechtlich erlaubt ist, fĂŒr Sie aber im Zweifel fĂŒr viel Ärger sorgt. Oder Sie sitzen mit dem nĂ€chten Chef von der Konkurrenz an einem Tisch, um ĂŒber einen Arbeitswechsel zu sprechen. Oder Sie sind krank gemeldet, gehen fĂŒr einen „Kuchen“ auf ein Fest, ihr Chef erkennt sie und feuert sie. Das sind Gefahren, die tatsĂ€chlich existieren.

Im Gegensatz zu Zeitungsberichten ĂŒber die Facebook-Gesichtererkennung haben wir damit die Fragen beantwortet: Welche Ängste? Bei wem? Vor was? Warum?

Der Teufel Facebook

Aus Sicht von Zeitungsverlagen ist die Aufmerksamkeitsmaschine Facebook des Teufels – je mehr Zeit Menschen hier verbringen und sich nicht nur unterhalten, sondern auch informieren (lassen), umso weniger brauchen sie die Zeitung. Allein aus diesem Grund mĂŒssen Facebook und andere Dienste „schlecht geredet“ werden. Sie glauben nicht, dass die Zeitungensmacher so denken? Dann suchen Sie mal in nĂ€chster Zeit Artikel, die beschreiben, was an Facebook & Co. toll und nĂŒtzlich ist und warum Sie sich unbedingt mit Facebook beschĂ€ftigen sollten. Sie werden solche Artikel nicht finden.

Übrigens: Ich habe die Funktion abgeschaltet. Nicht aus Angst. Sondern aus Prinzip. Ich schalte prinzipiell alle Funktionen ab, die ich nicht brauche oder ĂŒber die ich noch keine rechte Meinung habe. Und ich gebe nur die Informationen frei, die ich freigeben will. Im Zweifel schalte ich die Freigabe ab.

Das ist wie Autofahren – auch hier sollte man die grundsĂ€tzlichen Funktionen kennen und bedienen können. Sonst lĂ€sst man das Auto lieber stehen.

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

Screenshot von YouTube

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. MĂ€rz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bewĂ€ltigen einen Großteil ihrer „sozialen Kontakte“ ĂŒber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maaß hat das fĂŒr uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern dĂŒrften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“. [Weiterlesen…]

Dokumentation: Streit um Twitter & co – oder die Angst vor der Transparenz und Meinungsfreiheit

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 25. Februar 2011. Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler, die CDU, die SPD und die FDP haben ein Problem mit dem „Verhalten“ des partei- und fraktionsfreien Gemeinderats Hardy Prothmann. Der Vorwurf: Durch „Twittern“ missachte GR Prothmann den Rat. Der Streit um Twitter & co ist nicht auf Heddesheim begrenzt.

In Heddesheim wurde der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann in der Gemeinderatssitzung vom 24. Februar 2011 per Mehrheitsbeschluss von BĂŒrgermeister Michael Kessler sowie den CDU-, SPD- und FDP-Fraktionen aus der Sitzung ausgeschlossen und vom BĂŒrgermeister des Saales verwiesen.

Der erste genannte Grund: Der Gemeinderat Prothmann habe getwittert und damit den Rat angeblich missachtet. Der zweite genannte Grund: Der Gemeinderat Prothmann habe angeblich den BĂŒrgermeister beleidigt.

Gemeinderat Prothmann verwahrte sich gegen beide Unterstellungen und hat noch am selben Abend Beschwerde beim Kommunalrechtsamt eingereicht. Die Beschwerde, weitere Dokumentationen und Berichte zum Thema lesen Sie auf dem heddesheimblog.de.

In Augsburg gab es Ende 2009 Zoff ums Twittern. Erst im Sommer 2010 wurde es wieder erlaubt. Quelle: Augsburger Allgemeine

Der „Streit“ um den „Anstand“ zwischen konservativen BĂŒrgermeistern, ihren jeweiligen „Rats-Mehrheiten“ und progressiven GemeinderĂ€ten wird landauf, landab gefĂŒhrt. Im Kern geht es um die Kontrolle der „Deutungshoheit“. Einzelne GemeinderĂ€te oder kleine Fraktionen sollen sich der „Mehrheit“ unterordnen. Meinungsfreiheit ist dabei eher ein gering geachtetes Gut.

Wutentbrannte Reaktion

Am 18. Dezember 2009 berichtet beispielsweise die Augsburger Allgemeine Zeitung unter der Überschrift: „Debatte um Kommunikationsdienst – Ärger um Twitter-Nachrichten aus dem Augsburger Stadtrat“ ĂŒber den damals 26-jĂ€hrigen Stadtrat Christian Moravcik (GrĂŒne). Moravcik hatte getwittert und andere StadtrĂ€te fĂŒhlten sich dadurch angeblich „gestört“.

Lange Zeit allerdings nicht – es war laut Bericht „seit Monaten bekannt“, dass der junge Mann den Internet-Dienst nutzt. Doch bei einer Sitzung verfolgte eine CSU-StadtrĂ€tin am Notebook, was der „Kollege“ denn da so an Nachrichten verbreitet.

Eine Bemerkung ĂŒber den CSU-Fraktionschef fĂŒhrte zum Eklat. Die Augsburger Allgemeine, ebenfalls eher eine konservative Zeitung, berichtete: „KrĂ€nzle reagierte wutentbrannt.“

Es folgten monatelange Diskussionen um ein Verbot und schließlich eine „Selbstverpflichtung“, wie Twitter zu benutzen sei. Die Augsburger Allgemeine berichtet am 24. August 2010: „Augsburger Stadtrat: Twittern wieder erlaubt.

Die ThĂŒringische „Goethe- und UniversitĂ€tsstadt“ Ilemnau (rund 26.000 Einwohner) ist da weiter. Sie achtet die Meinungfreiheit.

Hier ist Twittern sogar ins Ortsrecht aufgenommen worden.

In Ilmenau ist Twittern per Ortsrecht erlaubt

In der „GeschĂ€ftsordnung fĂŒr den Stadtrat und die AusschĂŒsse sowie die OrtsteilrĂ€te der Stadt Ilmenau vom 5. November 2009“ heißt es unter Paragraf 3 „Öffentlichkeit der Sitzungen“:

„(5) Tonbandaufzeichnungen sowie Filmaufnahmen durch Dritte sind nur mit einstimmiger
Zustimmung des Stadtrates zulĂ€ssig. Die Zustimmung gilt als erteilt fĂŒr Fotoaufnahmen,
wenn sie durch Journalisten vom Presseplatz aus erfolgen.
(6) Elektronische Informationen aus der öffentlichen Sitzung (z. B. Twittern) heraus sind
erlaubt. Dies gilt nicht fĂŒr die nichtöffentliche Sitzung. Nur derjenige, der die elektronische
Information in das Internet eingibt, ist fĂŒr die Rechtsfolgen der Verbreitung der
elektronischen Kurzinformation verantwortlich.“

Dort darf also die Presse sogar vom Platz aus fotografieren und bei Zustimmung des Stadtrates sogar filmen oder Tonbandaufnahmen machen.

In Weinheim ist die CDU Vorreiter

Im Weinheimer Gemeinderat gibt es ebenfalls StadtrÀte, die sich sozialer Netzwerke bedienen, darunter mindestens ein Stadtrat der CDU.

Die StĂ€dte Ladenburg und Weinheim sowie die Gemeinde Hirschberg, ĂŒber die unsere Redaktion auch berichtet, sind darĂŒber informiert, dass wir vom Pressetisch aus wĂ€hrend der Sitzung twittern, EintrĂ€ge bei Facebook vornehmen und sogar aus der Sitzung heraus nach Beschlussfassung Artikel sofort veröffentlichen.

Die GemeinderĂ€te und BĂŒrgermeister dieser Kommunen haben nichts dagegen einzuwenden und verhalten sich in dieser Hinsicht vorbildlich in bezug auf Meinungsfreiheit und Transparenz.

Verboten sind dort wie in vielen GemeinderĂ€te Ton-, Film- und Fotoaufnahmen, außer, sie werden ausdrĂŒcklich gebilligt.

In Heddesheim lĂ€sst der BĂŒrgermeister „observieren“

In Heddesheim hingegen rĂŒgte der BĂŒrgermeister Michael Kessler den partei- und fraktionsfreien Gemeinderat Hardy Prothmann zum wiederholten Male, „Twittern“ sei eine Missachtung des Gemeinderats.

Hier hat Hardy Prothmann einen von "kooptech" Tweet "retweetet", was man am vorgestellten RT erkennt. "kooptech" ist die renommierte IT-Journalistin Christiane Schulzi-Haddouti. Quelle: twitter.com

Der BĂŒrgermeister Kessler lĂ€sst dazu die Twitter-AktivitĂ€t des Gemeindrats Prothmann wĂ€hrend der Sitzung durch Gemeindebeamte beobachten. Die Arbeitsanweisung scheint klar zu sein. Sobald eine Nachricht auftaucht, in die man aus Sicht der Verwaltung eine „Missachtung“ hineininterpretieren kann, unterbricht der BĂŒrgermeister die Sitzung, um eine „Stellungnahme“ vorzunehmen.

Die Frage, inwieweit es sich um eine Missachtung des Gemeinderats durch die Verwaltungsmitarbeiter und den BĂŒrgermeisters handelt, wenn diese wĂ€hrend der Sitzung im Internet Twittermeldungen lesen, ist in der Sitzung vom 24. Febraur 2011 nicht geklĂ€rt worden.

Angst vor „Kontrollverlust“

Der Hintergrund fĂŒr Auseinandersetzungen in Augsburg, Heddesheim oder anderswo ist sicherlich mit der Angst vor „Kontrollverlust“ zu begrĂŒnden.

Obwohl es sich um öffentliche Gemeinderatssitzungen handelt, war man es lange gewohnt, dass sich die Fraktionen und Verwaltungen im Vorfeld der Sitzungen absprechen. Man kann das auch „Hinterzimmerdemokratie“ nennen oder „Gemauschel“ oder wie auch immer.

Die wenigen BĂŒrger, die bei solchen Sitzungen anwesend sind, erhalten keine Hintergrundinformationen, erleben keine tatsĂ€chliche Debatte. Die „Öffentlichkeit“ wird im Nachgang hĂ€ufig ĂŒber Monopolzeitungen informiert. Politikverdrossenheit ist da vorprogrammiert.

Eigene Meinungen und Sichtweisen und eine zeitnahe Verbreitung (ver-)stören da viele „Traditionalisten“, die sich weder einer kritischen Öffentlichkeit und schon gar nicht kritischen Gemeinderatsmitgliedern, die alle demokratisch gewĂ€hlt wurden, stellen wollen.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Anmerkung der Reaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog und ehrenamtlicher, partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim.

Gabis Kolumne

Die NormalitÀt von sozialen Netzwerken

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Guten Tag!

Hirschberg, 22. November 2010. Soziale Netzwerke sind voll im Trend. So gut wie alle Kinder und Jugendlichen haben damit zu tun. Fragt sich nur, was man selbst damit zu tun hat, ob man alles versteht und wie man den Kindern den Umgang damit beibringt, meint Gabi.

Vor ein paar Wochen habe ich geschrieben, dass ich mich den Sozialen Netzwerken annĂ€here. Vorsichtig habe ich mich herangetastet. Ich muss gestehen, dass ich mich der Fazination kaum erwehren konnte. Ich habe gechattet, sogar mal was gepostet, wie es so schön heißt. Mein Freundeskreis ist stetig gewachsen. Das zu mir.

Facebook. Aus einem Studentenjahrbuch-Verzeichnis wurde die grĂ¶ĂŸte Online-Community der Welt.

Auch meine Kinder sind in sozialen Netzwerken unterwegs: SchĂŒlerVZ und Facebook und wer-kennt-wen. NatĂŒrlich haben wir es zu Hause thematisiert, auf die Gefahren hingewiesen und davor gewarnt, Bilder zu veröffentlichen.

Die Gefahren im Netz sind subtiler.

Auch weiß ich von Freunden und Bekannten, dass deren Kinder hier „unterwegs“ sind. Letztendlich sehen wir es aber recht locker, was kann hier schon passieren? Ist es nicht rein virtuell und nichts gegen die Gefahren, denen unsere Kinder im tatsĂ€chlichen Leben ausgesetzt sind?

Doch die Gefahren, die hier lauern, sind viel subtiler. Wie erkennt man, was wer ernst meint? Wo hört der Spaß auf? Ist ein Freund wirklich ein Freund?

Jugendliche berichten ĂŒber Saufgelage, stellen davon Bilder ins Netz, nehmen politische Haltungen ein, provozieren. Um cool zu sein, aufzufallen, sich abzugrenzen. Dass sie sich damit auch inszenieren und von außen nicht immer erkennbar ist, wo der Spaß aufhört und der Ernst anfĂ€ngt – ist ihnen das klar? Wirklich bewusst?

sntwitter

Twitter – ein Kurznachrichtendienst im Internet.

Was man im Internet veröffentlicht, dafĂŒr ist man letztendlich verantwortlich. Und man stellt eine Öffentlichkeit her. Denn, wer teilweise einige hundert Freunde und mehr sein eigen nennt, wird kaum noch ein Überblick darĂŒber haben und kann nicht davon ausgehen, dass alles nur im „stillen KĂ€mmerlein“ passiert.

„Ich habs nicht so gemeint“, gilt nicht.

Lockere, coole SprĂŒche sind an der Tagesordnung. Was passiert, wenn cool nicht mehr cool ist, sondern rassistisch? „Ich hab-€ℱs nicht so gemeint“, ist schnell gesagt. Aber letztendlich kann man ja nur an den eigenen Worten gemessen werden. Vor allem dann, wenn man es öffentlich macht.

Soll ich meinen Kindern die Netzwerke jetzt verbieten? Gilt es nicht eher mit ihnen darĂŒber zu reden und sie aufzuklĂ€ren?

Wir wissen heute alle, dass sich Personalchefs gerne im Facebook oder Studi-VZ tummeln. Welches Bild möchte man dann hier nach Außen abgeben?

Wer rechts- oder auch linksextreme Aussagen tĂ€tig, muss damit rechnen, dass man ihn oder sie fĂŒr Ernst nimmt. Und wollen das Jugendliche nicht eigentlich?

Andererseits gehört zum jung sein, auch ĂŒber das Ziel hinaus zu schießen. Das habe ich getan, das machen immer wieder meine Kinder. Wichtig ist dabei immer wieder Grenzen zu erkennen. Sich betrinken tut sich fast jeder mal in seiner Jugend (oder auch spĂ€ter), lĂ€sst man sich aber volllaufen und beschĂ€digt sich, andere oder Dinge, hat das eine ganz andere Brisanz.

snfbgroß

Die Frage ist meist nicht, ob man oder ob man nicht, sondern wie man mit Facebook umgeht.

Wie können wir unseren Kinder, in einer Welt, die so zwischen VirtualitÀt und RealitÀt hin- und herspringt, begreiflich machen, wo hier die Gefahren liegen, wo wir doch selbst in dieser Welt meist Fremde sind?

Quatsch ist erlaubt – aber auch ein sauberes Image.

Ich kann meinen Kindern nur den Rat geben, dass sie nur das veröffentlichen, zu dem sie wirklich stehen können. Und wenn es Quatsch ist, muss es auch als Quatsch erkennbar bleiben.

Klar ist, dass soziale Netzwerke fĂŒr unsere Kinder normal sind. Klar ist aber auch, dass es darin normal zugehen sollte.

FĂŒr mich sind soziale Netzwerke noch neu und ich nĂ€here mich an. Vorsichtig. Das versuche ich auch meinen Kindern beizubringen.

Und klar – die sozialen Netzwerke bieten auch jede Menge Vorteile. Einer ist gerade der, der auch problematisch sein kann: Der öffentliche Austausch mit anderen.

Und eine FĂŒlle von Informationen, die man fĂŒr das echte Leben nutzen kann, warten im Internet neben all dem Schrott, den es dort auch gibt. Damit unterscheidet sich das Internet nicht wirklich vom realen Leben.

Der entscheidende Unterschied ist der der Dokumentation – was im Internet gepostet wird, kann man zwar wieder löschen. Ob es damit aus der Welt ist? HĂ€ufig nicht. Denn Informationen werden kopiert, an anderer Stelle wieder eingefĂŒgt.

Auch ich muss lernen, Herrin ĂŒber die Informationen zu bleiben, die ich pflege und die andere ĂŒber mich haben. Das ist eine ganz schön verantwortliche Aufgabe, die ich wie meine Kinder erst gerade lerne.

gabi

Gabis Kolumne

Ich bin in Facebook und es ist spannend

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Guten Tag

Hirschberg, 11. Oktober 2010. Social Media – soziale Medien. Irgendwie ist das dauernd ein Thema – die Kinder machens schon und seit neuestem auch Gabi – die war erst skeptisch und findet es nun richtig spannend.

Eine gute Bekannte ist fĂŒr ein Jahr nach Amerika gezogen. Bisher haben wir es weder geschafft miteinander zu telefonieren noch zu mailen. Dennoch weiß ich alles ĂŒber sie. Ich weiß, was sie am letzten Wochenende gemacht hat und dass sie endlich den Mann ihrer TrĂ€ume gefunden hat.

Sie fragen sich jetzt sicher woher? Aus dem sozialen Netzwerk Facebook. Das ist das erfolgreichtste Social Media-Angebot der Welt und bald vielleicht wichtiger als Google.

Bislang hatte ich das GefĂŒhl, relativ mĂŒhelos dem Zeitgeist folgen zu können. Ich bin frĂŒh auf die digitale Kamera umgestiegen, benutze seit 1993 email im Beruf und im privaten Bereich gehören die auch schon lange zu meinem Alltag, auch wenn ich das Briefeschreiben lange vermisst habe. SMSen finde ich eine absolut praktische Sache und das Navigationssystem im Auto ist wirklich ne tolle Sache.

Auch das hirschbergblog ist bei Facebook: Die erfolgreichste Social-Media-Plattform der Welt. Zur Zeit kommt gerade der Film "The Social Network" in die Kinos.

So weit, so gut, aber womit ich wirklich Probleme hatte, war das Social Networking im Web.

Wer-kennt-wen, Facbook, Twitter, SchĂŒlerVZ…

Vor zwei Jahren hörte ich im Freundeskreis zum ersten Mal von WKW („Wer kennt wen“). Eine Bekannte war vollends begeistert: „Ich habe jetzt wieder Kontakt zu Freunden aus meiner Schulzeit und habe insgesamt schon ĂŒber 300 Kontakte.“

Und mir wurde schnell klar, viele Kontakte haben ist gut, wer viele Kontakte hat, genießt in diesen Netzwerken ein hohes Ansehen. Auch, wenn ich mich innerlich dagegen wehrte, ein wenig neugierig war ich schon.

Zumal meine Kinder selbstverstĂ€ndlich das SchĂŒlerVZ nutzen und mein Mann von WKW ĂŒber Xing bis zu Facebook in allen Netzwerken vertreten ist und auch fröhlich twittert.

Also meldete ich mich bei WKW an und tatsÀchlich, nach kurzer Zeit tauchten alte Bekannte auf, aber auch welche, die ich nicht kennen oder nicht mehr kennen wollte.

Kaum hatte ich mich ein wenig mit WKW auseinandergesetzt, redeten alle im Bekanntenkreis, und da vor allem die JĂŒngeren von Facebook. Also habe ich mir auch da einen Account angelegt.

Dieser Tage habe ich nun das erste Mal gechattet. Mein Mann war auf GeschÀftsreise und wir hatten ein Chat-Date (kann man das so sagen?)

Aufregender Anfang.

Ich war höllisch aufgeregt, ich saß vorm Computer starrte auf meine Facebook-Seite und wartete darauf, dass ein grĂŒner Punkt mit seinem Namen erschien.

Es erfolgte ein „Pling“ und es erschien „Hallo Schatz -€©.“

Schon nach kurzer Zeit war mir klar, die Antworten und Fragen mĂŒssen kurz und schnell ausfallen, damit eine vernĂŒnftige(?) Kommunikation stattfinden kann. Bastelt man zu lange an dem Response ist das Thema beim Chat-Partner vielleicht schon wieder durch.

Mit dieser neuen Erfahrung nahm ich auch mutig das Chat-Angebot eines Bekannten an, der sich plötzlich mit dem „Pling“ und einem „Hi-€©“ meldete. Diesmal ging es schon leichter.

Verstehen? Einfach drauf los und siehe da, es klappt.

Der nĂ€chste Schritt war das Kommentieren von EintrĂ€gen und Bildern. Eindeutig Neuland fĂŒr mich.

Ich versuchte System und Form zu verstehen. Hoffnungslos! Also einfach drauf los. Und siehe da, es klappte und machte Spaß. Und wie von allein wird das Netz immer engmaschiger, das heißt es kommen neue Freundschaftsanfragen hinzu. Man wird schnell aufgenommen in der Community der Kommentierenden. Man ist „on“.

Werden wir uns zukĂŒnftig also immer mehr in den Sozialen Netzwerken bewegen, hier unsere Freunde besuchen, an ihrem Leben teilnehmen. Durch Anklicken unseren Freundeskreis erweitern und beim Chatten unsere Probleme besprechen.

Ich muss zugeben, meine Meinung schwankt: Hatte ich vor kurzem diese virtuelle Welt noch verdammt, verstehe ich langsam auch als Bereicherung. Aber nicht als Ersatz fĂŒr echte soziale Netzwerke.

gabi

Anmerkung der Redaktion: Sie finden uns bei Facebook unter Redaktion hirschbergblog.