Sonntag, 13. Juni 2021

Gabis Kolumne

Gibt es endlich Glamour im deutschen PrÀsidentenamt?

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Guten Tag!

Hirschberg, 12. Juli 2010. Die Amis haben ihre Obamas, die Franzosen ihren Sarkosy mit seiner Carla Bruni, viele europÀische LÀnder haben Könige und Prinzessinnen und endlich, endlich haben wir die Wulffs, sagt Gabi.

Ich möchte den Einsatz der anderen BundesprĂ€sidentengattinnen nicht schmĂ€lern, ganz im Gegenteil, Mildred Scheel hat sich vorbildlich fĂŒr die Krebsforschung eingesetzt und auch die anderen Damen, ob Frau von WeizsĂ€cker, Frau Carstens, Frau Herzog oder Frau Köhler haben viel WohltĂ€tiges unters Volk gebracht. Aber Glamourfaktor? Gleich null. Erst jetzt haben wir eine richtige First Lady.

Die Wulffs sind junge Menschen mit Vergangenheit.

Brav und seriös, wenn nicht sogar bieder kamen sie daher – wie man es fĂŒr-€ℱs Amt ja auch erwartet. Doch nun hat sich das gewandelt. Mit den Wulffs ist eine jungdynamische Familie ins Schloss Bellevue bzw. in eine Dahlemer Villa eingezogen, inklusive kleiner Kinder. Die Wulffs sind jung und trotzdem Menschen mit Vergangenheit – Kinder aus vergangenen Partnerschaften und ein gemeinsames Kind – eben Menschen, wie du und ich.

Und genau, das macht ja auch den Glamourfaktor aus, es sind keine hehren Lichtgestalten ohne Fehler, sondern Menschen mit Krisen und jetzt aber mit Erfolgen.

Das schillernde Leben der französischen First Lady, Carla Bruni, interessiert uns doch bei weitem mehr als die neuesten Reformen ihres Mannes. Hat sie einen Geliebten, leidet sie unter der mickrigen GrĂ¶ĂŸe von Nicolas, bekommen sie noch ein Kind? Wo kauft sie ihre bezaubernde Gaderobe? All-€ℱ diese Fragen beschĂ€ftigen unsere Nachbarn, die Grande Nation, deutlich mehr als die Unruhen in den Beaulieus.

Mit den Wulffs wird Politik was zum Anfassen.

Kaum waren die Obamas ins Weiße Haus einzogen, mutmaßten die Amerikanern, Michelle sei schwanger, doch wahrscheinlich musste sie nur zu viele HĂ€ppchen auf StaatsempfĂ€ngen essen. Und landesweit wurde ĂŒber die Anschaffung und den Namen des PrĂ€sidentenhundes diskutiert.

Ganz zu schweigen fĂŒr welche Schlagzeilen die Sprösslinge des europĂ€ischen Hochadels sorgen. Hatten diese Jahrhunderte lang fast inzestuös untereinander geheiratet, sorgen die adligen Nachkommen jetzt fĂŒr Schlagzeilen mit Liebesehen aus dem Volk.

Die Queen hat es dabei besonders schwer erwischt, drei ihrer vier Kinder wurden geschieden und der Kronprinz flĂŒsterte seiner langjĂ€hrigen Geliebten durch-€ℱs Telefon, dass er gern ihr Tampon sei, ließ sich stĂŒmperhaft dabei abhören, wurde von seiner bulimischen und kaufsĂŒchtigen Ehefrau geschieden. Die daraufhin in den Heiligenstatus erhoben wurde, jede Titelseite schmĂŒckte und mit ihrem arabischen Geliebten in Paris, von Paparazzis gehetzt, zu Tode kam – kein Wunder, dass hier die Yellow Press auf ihre Kosten kam.

Aber auch die anderen Jungadligen ließen sich nicht lumpen, der norwegische Kronprinz freite und ehelichte ein alleinerziehendes Partygirl, der katholische Felipe, der sich eine Ehe mit einem schwedischen UnterwĂ€schemodell noch verbieten ließ, heiratete eine geschiedene Fernsehmoderatorin, die ihm nur Töchter gebĂ€rt und tĂ€glich dĂŒnner wird.

Klatsch und Tratsch gibt es europaweit – nur nicht bei uns oder demnĂ€chst doch?

Und dieser Tage heiratete die schwedische Kronprinzessin ihren Fitnesstrainer – wo kommen wir da hin? Genau in die Klatschpresse.

Der Adel wurde bei uns bekanntlich ja abgeschafft und dem Volk blieben MĂ€nner in schwarzen AnzĂŒgen Ende 60, Anfang 70, deren Frauen, wenn ĂŒberhaupt, nur am Rande und durch ihre WohltĂ€tigkeit und dann im dunkelblauen KostĂŒm eine Rolle spielten.

Den ersten Schritt in die Glamour-Richtung machte Altbundeskanzler Schröder. Brioni-AnzĂŒge, Cohiba-Zigarren und die vierte Frau ließen die deutsche Klatschpresse jubilieren. Seine DoppelhaushĂ€lfte in Hannover machte dies jedoch schon fast wieder zunichte, vor allem, wenn man sich von der Bild dabei erwischen lĂ€sst, wie man samstags die Hecke schneidet.

Wie man das richtig macht, zeigen die Obamas, wenn Michelle mit großem Presseaufgebot ihr GemĂŒsebeet anpflanzt.

Wir wollen die Reichen, Klugen und Schönen, bitte zum Anfassen, aber auf keinen Fall banal.

Und spĂ€testens seit Angela Merkel das Zepter der Macht ĂŒbernommen hat, hoffen wir nicht mehr auf skandaltrĂ€chtige Schlagzeilen, sondern hoffen nur, dass sie ihr Pfarrerstochter-Image nicht unbedingt auf der WeltbĂŒhne ausleben muss.

Der erste Lichtblick nach langer Dunkelheit, war der Aufstieg Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg zum Verteidigungsminister. Erstens hatten wir endlich mal wieder einen Adligen in einem hohen Amt (mit wunderbar vielen Vornamen, die sich kein Mensch merken kann) und zweitens hat seine junge und hĂŒbsche Frau alles, was man fĂŒr die Glamourwelt braucht. Ja, aber leider, wurde er bzw. sein Amt ziemlich schnell und stark kritisiert und zweitens ist der Minister eben nur ein Minister, nicht mal ein MinisterprĂ€sident, vielleicht einmal Kanzler, aber auf jeden Fall kein Staatsoberhaupt.

Und nun, haben wir die Wulffs und mit ihnen eine First Family, Bettina (bei Wikipedia steht noch sehr wenig – das wird sich Ă€ndern). Da wird innig gekĂŒsst und es wird zum Amtsantritt eine Party gefeiert – das gabs noch nie. Das ist sensationell. Und angeblich soll der kleine Sohn ein Spielzimmer im Schloss Bellevue bekommen.

Kuss-Bild, Designer-Kleid, Plausch und RĂŒhrung.

Das Kuss-Bild nach der PrĂ€sidentenwahl zierte alle Gazetten und die gelernte Medienreferentin ließ verlauten, dass sie sich auf einen Plausch mit Michelle Obama freue, aber die NĂ€he zum Volk nicht verlieren möchte. Ihr Styling war beim Amtsantritt perfekt und stilvoll und von einem deutschen Designer entworfen. Die Bilder mit ihren beiden kleinen Kindern rĂŒhrte die Nation und ließ die Beliebtheit ihres Mannes gleich auf der Skala nach oben schnellen.

„Die Liebe ist in Schloss Bellevue eingezogen“ titelte eine große deutsche Tageszeitung.

„Was interessiert das alles, wichtig ist doch, dass Christian Wulff sein Amt als BundesprĂ€sident verantwortungsvoll und gut wahr nimmt“, merkte ein guter Bekannter an.

Da hat er bestimmt Recht, aber es ist auch gut, wenn es in der deutschen Politik mal ein wenig menschelt und gerne auch mit Glamour.

Gabis Kolumne

Frauen lieben Fußball

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Guten Tag!

Hirschberg, 05. Juli 2010. Frauen lieben Fußball. Wussten Sie das schon? Zumindest, wenn es um die WM geht. Und dann werden sogar Frauen zu Fußball-Kennerinnen. Gabi meint: Die WM wird fĂŒr die Frauen gemacht. Die Bundesliga fĂŒr die MĂ€nner.

Fußball macht auch Frauen gute Laune.

Meine Freundin hasst es, wenn ihr Mann samstags die Sportschau guckt, aber wĂ€hrend der WM-Zeit ist sie der grĂ¶ĂŸte Fan unserer Nationalmannschaft.

WĂ€hrend meiner Studienzeit fand die WM in Italien statt und meine Freundinnen und ich waren komplett begeistert von der italienischen Mannschaft – dabei interessierten uns nicht die SpielzĂŒge, sondern die Spieler und die italienischen waren eindeutig die hĂŒbschesten. Zudem schwĂ€rmten wir fĂŒr Kamerun, den Außenseiter, der sich mit Spielfreude und Einsatz ins Viertelfinale spielte.

SpĂ€testens die WM vor vier Jahren in Deutschland wurde zum nationalen Event. Public Viewings, Corsos – das ganze Land war in Feierlaune. Erstmals war wieder an allen Ecken die Nationalflagge zu sehen. Partystimmung auf jedem Balkon, in jedem Garten, auf öffentlichen PlĂ€tzen, in Kneipen – ein SommermĂ€rchen.

Das konnte kaum vier Jahre spĂ€ter noch einmal wiederholt werden. Schon im Vorfeld der WM war klar, unsere Mannschaft ist jung und unerfahren, große Chancen rechneten wir uns nicht aus.

Nichts desto trotz HĂ€user und Autos wurden wieder mit schwarz-rot-gold geschmĂŒckt und Lokale und Zelte wurden mit GroßbildleinwĂ€nden ausgestattet.

Das erste Spiel Deutschland gegen Australien sahen wir mit Freunden bei einem Public Viewing in einem großen Festzelt. Ich begegnete einer Bekannten im perfekten WM-Outfit: Nationalmannschaftstrikot, Samthut in schwarz-rot-gold, eine Sonnenbrille mit TOOR, eine Aloha-Kette und PulswĂ€rmer in den deutschen Farben. Und die Deutschlandflagge auf die Wangen gemalt. Ich war schwer beeindruckt.

„Mensch“, sagte ich, „ich wusste gar nicht, dass du auf Fußball stehst“. „Tu ich auch gar nicht, aber die Stimmung ist super und ich feier-€ℱ gern“, entgegnete sie mir.

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Anderer Ort, anderes Spiel: Deutschland gegen Ghana. WĂŒrden wir ins Achtelfinale einziehen? Perfektes Styling im ganzen Partyzelt. Aloha-Ketten und Vuvuzelas wurden verkauft, WM-Songs ertönten bei jedem Tor, junge Frauen tanzten auf den Tischen.

Das Spiel Deutschland gegen England haben wir in großer Runde bei Freunden geschaut. Das Deutschlandtrikot als Dresscode war anscheinend ungeschriebenes Gesetz. Ich habe mich in meinem Sommerkleid nicht wirklich wohl gefĂŒhlt. „Ich hoffe nur, dass Klose wieder gut in Form ist“, sagte eine Bekannte. „Also Thomas MĂŒller ist fĂŒr mich der beste Spieler, hast du gesehen, wie er die Tore geschossen hat“, sagte eine andere. Fußball-Kennerinnen unter sich.

„Hast du Maradonnas Gesicht beim Viertelfinale beobachtet?“, fragte mich eine Freundin nach der Niederlage Argentiniens 0:4 gegen Deutschland. „Das war das reine Drama, ich glaube, er musste sogar weinen.“

Da wurde mir schlagartig klar, die WM wird fĂŒr die Frauen gemacht. Die Bundesliga fĂŒr die MĂ€nner.

WĂ€hrend es bei der WM um Emotionen geht, geht es bei der Bundesliga um die Fachsimpelei und die TabellenplĂ€tze. Die WM ist großes Kino und das mögen wir Frauen halt – Close Ups auf die Gesichter der Freude und der TrĂ€nen.

Wir haben uns ĂŒber die Franzosen geĂ€rgert und ihnen gegönnt, dass sie schon in der Vorrunde heim fliegen mussten und zu gerne hĂ€tten wir die quirligen Spieler aus Ghana im Halbfinale gesehen.

Fußballweltmeisterschaften, das sind große Emotionen, das ist Party, das ist Styling – das sind Events die Spaß machen, den MĂ€nnern und den Frauen. Schön, wenn die Deutschen so hervorragend spielen wie in diesem Jahr, noch schöner, wenn sie Weltmeister werden.

Auf alle FÀlle hat die WM 2010 wieder das Zeug zu einem SommermÀrchen.

Gabis Kolumne

Uns Frauen fehlt die Gelassenheit – na und?

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Guten Tag!

Hirschberg, 28. Juni 2010. Harmonische Beziehungen? Die gibt es, vielleicht, meint Gabi. Doch dazu gehören immer zwei.

Vielleicht gehören Sie ja zu den Menschen, die immer eine harmonische Beziehung fĂŒhren, „Ja, Schatz, aber gern, Schatz, schon erledigt, Schatz“, ist bei Ihnen an der Tagesordnung. Bei Ihnen werden keine TĂŒren geknallt und Sie sind noch nie völlig zerstritten zu einer Einladung von Bekannten gefahren. Beneidenswert. Sie verstehen sich blind.

Diese Art von Harmonie ist mir nicht vergönnt und wenn ich ehrlich bin, kenne ich auch kaum eine Beziehung an der ich dies beobachten konnte. Und wenn doch, denke ich mir meist: „Gut gespielt.“

Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht tÀglich vornehme, verstÀndnisvoll und tolerant zu sein und das geht auch oft einige Tage, manchmal sogar Wochen (eher selten) ganz gut und dann passiert es. Meist ist es nur ein Satz, ein Wort im falschen Moment und schon ist der Streit da.

Es ist ja auch nicht so, dass es nicht vorhersehbar wĂ€re, denn gebrodelt hat es schon eine ganze Weile und Mann/Frau weiß ganz genau: „Wenn ich jetzt ausspreche, was ich denke…“ und dann bricht der Vulkan aus. Die SĂ€tze beginnen meist mit „Könntest du nicht einmal -۩, du hĂ€ttest doch-۩, warum sagst du nie -۩, immer musst du, ich habe doch schon so oft-۩“

MÀnner nennen das zÀnkisch sein oder auch schlicht die weibliche Vorwurfskultur.

GegenstĂ€nde des Streits sind meist ganz alltĂ€gliche Dinge: der nicht raus gebrachte MĂŒll, der Besuch der Schwiegermutter, ungebĂŒgelte Hemden, der vergessene Hochzeitstag. Die Liste ist beliebig verlĂ€ngerbar. „Beliebte“ Streitthemen sind natĂŒrlich auch die Kindererziehung und die ewigen Überstunden in der Firma.

„Kaum habe ich den Satz „du hĂ€ttest doch einmal-€©“ ausgesprochen, möchte ich ihn am liebsten zurĂŒcknehmen“, sagte mir kĂŒrzlich eine Freundin: „Denn dann geht der Streit los und ich weiß, dass wir die nĂ€chsten Tage kein Wort miteinander reden werden.“

Ja, das kenne ich nur zu gut, die neuralgischen SĂ€tze, die es wahrscheinlich in den meisten Beziehungen gibt und die fast immer in einer Auseinandersetzung enden.

„Mein Mann hilft mir nie, wenn wir Besuch bekommen“, beschwerte sich eine Freundin bei mir ĂŒber ihren Herzallerliebsten. „Ich schleppe die GetrĂ€nkekisten herbei, putze das Haus und stehe tagelang in der KĂŒche. Er spielt dann den perfekten Gastgeber, wenn die GĂ€ste ankommen, wĂ€hrend ich vollkommen abgekĂ€mpft mir ein LĂ€cheln abringe. Wenn er dann abends noch sagt, was fĂŒr ein schönes Fest es war und wie schade es sei, dass ich so schlecht drauf war, explodiere ich.“

Das wirkliche Problem, und da geben Sie mir sicher Recht, sind die eingefahren Rollen und Positionen. WĂŒrde meine Freundin weder GetrĂ€nke besorgen, noch putzen und Essen vorbereiten, mĂŒsste es ihr Mann ĂŒbernehmen oder er könnte am Abend nicht stolz von dem schönen Fest schwĂ€rmen. Vielleicht wĂŒrde er aber auch nur Bier und Chips von der Tankstelle besorgen und es wĂ€re dennoch eine tolle Party.

Das grĂ¶ĂŸte Problem ist hierbei die Gelassenheit, die den meisten Frauen, und ich gebe es zu, auch mir, vollkommen fehlt. Ich bin gestresst, wenn wir in Urlaub fahren, GĂ€ste bekommen, die Kinder viele Arbeiten schreiben und, und, und -۩ Und je angestrengter ich werde, um so mehr lĂ€sst mein Mann den Stress an sich abperlen, was natĂŒrlich meinen im Gegenzug erhört, das wiederum dazu fĂŒhrt, dass er mir meine schlechte Laune und meine Gereiztheit vorwirft.

Dilemmata werden erzeugt. Wie denkt Frau? Richtig, warum kann er nicht einmal-۩Wie denkt Mann? Tja, wie denkt Mann? Ich vermute, er denkt: „Warum kann sie nicht einmal entspannter daran gehen?“

Wo habe ich angefangen. Ja, richtig, bei harmonischen Beziehungen.

Wenn Harmonie nur zu erreichen ist, wenn ich stets meinen Mund halte, dann kann mir Harmonie gestohlen bleiben.

Was ich dagegen erstrebenswert finde, ist die eingefahrenen Rollen zu verlassen, aber dazu gehören ja schließlich zwei.

Gabis Kolumne

Non vitae, sed scholae discimus oder ists umgekehrt?

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Guten Tag!

Hirschberg, 21. Juni 2010. Lateinische Zitate sind vor allem etwas fĂŒr Profilneurotiker. So weit, so gut. Was nĂŒtzen Lateinkenntnisse im wahren Leben? Vor allem, um den eigenen Kindern zu helfen, meint Gabi.

Endlich weiß ich, warum ich sieben Jahr lang Latein in der Schule gelernt habe!

Nein, ich habe es nicht fĂŒr mein Studium gebraucht und es hat auch spĂ€ter keinen meiner Arbeitgeber interessiert, dass ich mein Großes Latinum, zwar mit Ach und Krach, aber dennoch bestanden habe.

Jetzt ĂŒber zwanzig Jahre spĂ€ter bin ich sehr froh darum. Bin dankbar, dass mein Vater mich mit öden Deklinationen und Konjugationen gequĂ€lt hat und sehe endlich einen Sinn darin – mal ganz abgesehen davon, dass ich seine stĂ€ndigen „lateinischen Weisheiten“ verstehe.

Sie fragen sich sicher, warum? Ganz einfach, um meinen Kindern beim Lernen zu helfen, um Fehler in der Korrektur der Lateintests zu entdecken und um mich mit Lateinlehrern auseinander zu setzen.

Die PÀdagogen unter Ihnen werden jetzt sagen, aber nein, das ist doch nicht die Aufgabe der Eltern. Die Kinder sollen selbstÀndig lernen, sie sollen in der Schule aufpassen und das Gelernte zu Hause wiederholen.

Ja, davon war ich auch ĂŒberzeugt bis der Schulalltag meiner Kinder mich eines Besseren belehrt hat.

Und seien Sie mal ehrlich, wer hat seinen Kindern noch nicht bei einem Referat, einer Buchvorstellung oder einer GFS (Gleichwertige Feststellung von SchĂŒlerleistungen) geholfen.

Vor ein paar Wochen war die Lateinarbeit in der Klasse meiner Tochter so schlecht ausgefallen, dass sich der Lehrer bemĂŒĂŸigt fĂŒhlte, den Eltern einen Brief zu schreiben, in dem er sie nicht nur bat, die Hausaufgaben zu kontrollieren, sondern auch die Lernmethoden der Kinder zu ĂŒberprĂŒfen. Ich wusste bis dato nicht, dass Lehr- und Lernmethoden in das Aufgabenfeld von Eltern fallen.

Nun wĂ€re es einfach, sich dem zu widersetzen. Wir alle haben unseren Job zu machen und ich kann schlecht meine Aufgaben an die Lehrer meiner Kinder delegieren. Doch welche Konsequenz hĂ€tte meine Verweigerung fĂŒr die schulische Entwicklung meiner Kinder? Fallen die durch das Raster deren Eltern nicht helfen wollen oder nicht helfen können!

Noch kann ich meiner Tochter in den meisten FĂ€chern helfen, aber bei meinem Sohn in Mathematik in der Oberstufe – keine Chance. Ich kenne kaum ein Kind, das das Gymnasium ohne den verstĂ€rkten Einsatz der Eltern oder die Zuhilfenahme von Nachhilfelehrern – oder wie das neudeutsch heißt: Trainern – durchlĂ€uft.

Wo bleibt denn da die Chancengleichheit? Fehlt es den Eltern an Zeit, Schulbildung und/oder Geld wird es fĂŒr viele Kinder ganz schön hart, wenn nicht unmöglich, ihr Abitur zu erreichen.

Dabei schreien unsere Politiker doch nach gut ausgebildeten Jugendlichen und laut Pisa liegen wir nicht gerade gut im europaweiten Vergleich, wenn es um das Erlangen der Hochschulzugangsberechtigung geht.

Ich kann fĂŒr mich nur sagen, bin ich mal froh, dass ich Latein hatte. Und wenn mich meine Kinder fragen, wofĂŒr sie das alles lernen sollen, habe ich jetzt auch immer ein gutes Argument.

Und hĂ€tte ich doch nur mal besser in Mathe aufgepasst! Das hat mein Mann – wir ergĂ€nzen uns also.

Die entscheidende Frage bleibt: „Non vitae, sed scholae discimus“, heißt es bei Seneca im Original. Nicht fĂŒr das Leben, sondern fĂŒr die Schule lernen wir. Der gute Mann hat das einstmals als Kritik an den Philosophenschulen seiner Zeit gesagt.

Heute kennt man das verdrehte Zitat: „Non scholae, sed vitae discimus“ – nicht fĂŒr die Schule, fĂŒr das Leben lernen wir.

Ist das so? Daran habe ich echte Zweifel.

Gabis Kolumne

Was an Frauenabenden toll ist!

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Guten Tag!

Hirschberg, 14. Juni 2010.

Mein Mann war vergangene Woche verreist – geschĂ€ftlich. Hat man als Jugendlicher drei Tage sturmfreie Bude, was macht man? Richtig, man feiert Party. Mit Mitte Vierzig sieht das anders aus, man lĂ€dt ein zum MĂ€delsabend.

Bei MĂ€delsabenden fließt bekanntlich viel Prosecco, das Essen fĂ€llt spĂ€rlicher aus – schließlich ist die HĂ€lfte meist auf DiĂ€t – und, und das ist das Wichtigste, es wird gequatscht, was das Zeug hĂ€lt.

Wenn Sie nun zum weiblichen Teil der Bevölkerung gehören, können Sie den nĂ€chsten Teil getrost ĂŒberspringen. Denn Sie wissen schließlich, was hier thematisch auf dem Programm steht.

Der erste Unterschied zu MĂ€nnerabenden: Es geht selten um den Job, beziehungsweise, selten um Verdienst und Inhalte. Wenn wir ĂŒber Jobs sprechen, erzĂ€hlen wir von Ungerechtigkeiten oder erstaunlichen Erlebnissen. Über Kolleginnen und Chefs und NIE davon, wie toll wir sind.

Dann geht es natĂŒrlich auch um MĂ€nner, aber dem Alter entsprechend, gibt es wenig ĂŒber Dates und tolle Typen zu berichten, sondern eher ĂŒber die UnzulĂ€nglichkeiten im Alltag mit der besseren HĂ€lfte. Aber keine Sorge, meine Herren, diese Themen nehmen nur wenig Raum ein und wird es ernster, sind dazu bilaterale GesprĂ€che, also unter vier Augen, erforderlich.

Ein großem Raum nehmen, erwartungsgemĂ€ĂŸ, die Kinder ein. Bei mir trafen sich vergangene Woche 8 Frauen und zusammen haben wir 13 Kinder zwischen 8 und 17 Jahren. Also kein Wunder, dass hier großer Redebedarf besteht. Und die Inhalte wachsen dabei mit dem Alter der lieben „Kleinen“. Adieu schlaflose NĂ€chte, Kindergartensorgen und Betreuungsprobleme. Willkommen Schulstress und Konflikte mit pubertĂ€ren Teenagern. Aber auch hier gilt, droht der Rauswurf aus der Schule oder befĂŒrchtet die Tochter schwanger zu sein, wird man das nicht in großer Runde besprechen.

Nun, werden Sie sich fragen, war das schon alles, was ist so toll an diesen Frauenabenden? Wir reden ĂŒber die BanalitĂ€ten des Alltags: Über neue Schuhe, Friseure, Figurprobleme, schöne Liebesfilme, Romane, Urlaube, Falten- und Anti-Cellulitiscremes – ĂŒber all-€ℱ die Dinge, ĂŒber die wir mit unseren MĂ€nnern nicht reden können oder wollen.

Letzte Woche war es also so weit, wir trafen uns gegen 20 Uhr auf meiner Terrasse, tranken Sekt mit Aperol, aßen Salat und Rohkost mit verschiedenen Dips und quatschten, was das Zeug hielt. Wir ließen nichts aus, weder das Finale von „Germany-€ℱs next Topmodel“, noch den neuen Film von „Sex and the City“. Wir erörterten ernsthaft die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden der Haarentfernung, das FĂŒr und Wider des Tönens und die Frage, ob sich die weibliche Figur ab dem 40. Geburtstag verĂ€ndert.

„Mein Mann steht kurz vor einem Burn-Out“, beschwerte sich eine Freundin. „Sind wir am Wochenende irgendwo eingeladen, fallen ihm ab 22 Uhr die Augen zu, aber montags frĂŒh ist er wieder fit und ab geht-€ℱs in die Firma.“ „Ach, das kenne ich nur zu gut“, bestĂ€tigt eine andere Freundin, „Urlaube und Wochenende benutzen die MĂ€nner zur Regeneration. Im Beruf sind sie fit und zuhause schlapp.“ Allseitige BestĂ€tigung.

„Meine Tochter ist total schlampig, dauernd verliert sie etwas und das Zimmer kann man kaum betreten, so viel liegt auf dem Boden rum“, jammerte ich. „Ich weiß, wovon du redest. Letzte Woche habe ich bei meinem Sohn Bananenschalen unterm Bett und fĂŒnf Paar alte Socken in der Schreibtischschublade gefunden“, sagt mitfĂŒhlend eine der Damen. Drei weitere nicken wissend.

Und damit nĂ€hern wir uns dem Geheimnis, warum man diese Abende gut gestimmt und bestens gerĂŒstet fĂŒr die nĂ€chsten kleinen und grĂ¶ĂŸeren Dramen des Alltags verlĂ€sst. Denn auch, wenn man am nĂ€chsten Morgen eine Aspirin gegen das GlĂ€schen zu viel nehmen muss – hier finden wir VerstĂ€ndnis und Anteilnahme. Und zudem können wir ĂŒber uns so richtig lachen.

Gabis Kolumne

Terminzwang, Freizeitstress oder ganz normales Programm?

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Guten Tag!

Hirschberg, 07. Juni 2010. Gabi ist verzweifelt – war es jetzt in ihrer Jugend in den 60-er Jahren besser als heute oder ist es heute besser als damals? Eins weiß sie sicher: Der Terminstress hat zugenommen und Wunder gibt es immer wieder.

Ich war als Kind im Ballett, im Turnen und habe mit mĂ€ĂŸigem Erfolg Klavier gespielt. Meine Freundin war in Leichtathletik und hatte Blockflötenunterricht. Das war-€ℱs.

Mit Boris Becker wurde auch Tennis fĂŒr den „NormalbĂŒrger“ erschwinglich und einige Freunde hatten Tennisstunden, aber das war schon exklusiv. Die meisten spielten einen Ballsport im Verein. Auch Geige spielen war schon eher außergewöhnlich. Gitarre brachte man sich selber bei.

Wir waren noch glĂŒckliche Kinder.

Das Hobby- und Freizeitangebot fĂŒr die lieben Kleinen sieht da heute schon ganz anders aus. Mindestens drei FreizeitaktivitĂ€ten in der Woche kommen da mal ganz schnell zusammen und die Palette ist vielfĂ€ltig und bunt.

Bunte „Programmvielfalt“

Ich möchte meine Kinder dabei gar nicht ausnehmen: Fußball, Tennis, Voltigieren, Ballett, Karate, Turnen, Malschule, Schwimmen, Tauchen, Klavier, Gitarre – meine Kinder haben schon viel ausprobiert. Und der Weg ist oft weit, bis man sein passendes Hobby gefunden hat.

Eine Liste mit weiteren und außergewöhnlichen Hobbies kann schnell ergĂ€nzt werden: Die Tochter einer Freundin ist in einem Capoeira-Kurs, spielt Querflöte und töpfert, der Sohn derselbigen spielt Saxophon, hat einen „Personal Trainer“ fĂŒr sein Fechten und dreht Videoclips.

Die Auswahl an asiatischen Kampfsportarten ist nahezu unbegrenzt: Judo und Karate ist dabei schon langweilig. Im Angebot sind: Kung Fu, Kick- und Thaiboxen, Aikido, Taekwondo, Tae Bo, Sumo Ringen und fĂŒr die ganz harten Krav Maga oder Brasilian Jiu Jitsu

Mit im Angebot haben wir natĂŒrlich noch: Klettern, Angeln, Jazztanz, Reiten, unzĂ€hlige Ballsportarten und die Pfadfinder (aber die waren bei uns schon sehr beliebt).

Je frĂŒher das Training beginnt, desto…

Los geht der Stress schon meistens vor dem Kindergarten mit dem Mutter-Kind-Turnen und der musikalischen FrĂŒherziehung. Kaum ist das Kindergartenalter erreicht bieten nahezu alle Vereine, Musik- und Volkshochschulen Kurse und Stunden fĂŒr Kinder ab 3 Jahren an. Oft sind die PlĂ€tze heiß begehrt und man muss auf die Warteliste.

Unter den Favoriten: Schwimmkurse. Spielerisch und in Gemeinschaft lernen hier unsere lieben Kleinen, betreut von einem/r Schwimmlehrer/in, die ersten SchwimmzĂŒge und erhalten hier ihre erste Urkunde.

Ich lernte schwimmen, indem mich mein Vater ins Schwimmerbecken im Hallenbad warf, pÀdagogisch eindeutig eine Nullnummer, aber dennoch sehr effizent.

Aber natĂŒrlich, darf-€ℱs auch an intellektueller Bildung nicht fehlen und so gibt es Englisch-Kurse fĂŒr Kindergartenkinder.

Der Terminkalender eines Grundschulkindes ist oft brechend voll und ich weiß noch, wie verzweifelt meine Tochter versucht hat mit einer Schulfreundin einen Spielnachmittag auszumachen, was aufgrund der verschiedenen FreizeitaktivitĂ€ten nahezu unmöglich war.

Termindruck

In der weiterfĂŒhrenden Schule verschĂ€rft sich der Termindruck noch gravierend, Unterricht bis zum Nachmittag, lernen, Hobbys, da bleibt oft kaum Zeit Freunde zu treffen.

Aber der Stress ist natĂŒrlich nicht nur auf die Kinder begrenzt, auch wir lieben Eltern haben damit so unsere Probleme. Die Auto-Aufkleber „Taxi Mama“ finde ich zwar Ă€ußerst bescheuert, kommen aber der Sache ziemlich nahe. Bei zwei Kindern vergeht kaum ein Nachmittag an dem man seine Kinder nicht durch die Gegend fĂ€hrt – nach dem Motto kein Weg ist zur Förderung der Freizeitinteressen des Nachwuchses zu weit.

Hart fĂŒr Eltern sind auch Hobbys mit Turnieren und WettkĂ€mpfen. Meine Freundin, deren Sohn ein begeisterter Fußballer ist, verbrachte und verbringt viele Wochenenden auf dem Fußballplatz. Und auch ich habe mich schon Sonntage in HallenbĂ€dern oder in Reit- und Turnhallen aufgehalten.

Ein weiterer Stressfaktor ist die Motivation. Die meisten Hobbys werden mit Begeisterung begonnen und nach kurzer Zeit stellt sich eine Lustlosigkeit ein. Da wir nun aber bestrebt sind unseren Kindern beizubringen, dass man nicht beliebig Sachen beginnen und wieder aufhören kann, kommt es zu wiederkehrenden Diskussionen, die fĂŒr beide Seiten sehr ermĂŒdend sind.

SpÀtestens mit der fortschreitenden PubertÀt verliert man immer mehr an Einfluss. Oft werden jetzt langjÀhrige Hobbys schlagartig aufgegeben. Oder aber auch angefangen.

Überraschung

Jahrelang hatte ich versucht, meinen Sohn zum Klavierspielen zu motivieren – ohne Erfolg. Vor einem Jahr, nach dem seine jĂŒngere Schwester schon recht erfolgreich ihre StĂŒcke klimperte, beschloss er, nun auch Klavierunterricht zu nehmen.

Vor Kurzem sagte er vorwurfsvoll: „Warum habe ich nicht frĂŒher damit angefangen?“ „Du wolltest nie“, antworte ich ihm wahrheitsgemĂ€ĂŸ. Er antwortete: „Und warum hast du mich nicht dazu gezwungen?“

Gabis Kolumne

Freunde und Familie sind die besten Zutaten

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Hirschberg, 31. Mai 2010. Grillen ist in Gemeinschaft am schönsten – meint Gabi. Denn Grillen ist ein Event. Grillen ist Familie, Freunde, Fest – frĂŒher wie heute. Nur schade, dass das Wetter dabei noch nicht richtig mitspielen will.

Schon als ich Kind war, und das ist schon eine Weile her, haben meine Großeltern und Eltern gerne gegrillt.

Mein Großvater war dafĂŒr zustĂ€ndig, er hatte eine GrillschĂŒrze, Grillhandschuhe und eine Grillzange. Auf den Grill wurden Steaks und WĂŒrstchen gelegt und manchmal gab es Schaschlikspieße, vielleicht auch mal Cevapcici.

Meine Oma machte dazu einen grĂŒnen und einen Kartoffelsalat und es gab Senf, Ketchup und manchmal sogar eine Zigeunersoße.

Grillen ist auch heute noch total angesagt. Zugegebenermaßen dieses Jahr mussten wir ziemlich lange warten, ein paar Tage im April, aber nur fĂŒr die Hardcore-Griller, denn abends war es noch Ă€ußerst frisch, und dann wochenlang ein verregneter Mai, da kam die Glut nicht richtig zum GlĂŒhen.

Kennen Sie das, man steht im Garten und plötzlich flattert dieser spezielle Geruch von Kohle herbei, da krieg-€ℱ ich sofort Appetit.

Also zieht man los in den nĂ€chsten Supermarkt und schon ist man im Grillparadies. Schauen Sie in die Regale, die Saucenauswahl ist gigantisch. Da reihen sich neben Ketchup-Variationen, asiatische, afrikanische und amerikanische Saucen-Kreationen fĂŒr deren Vielfalt ein ganzes Grillleben nicht ausreicht.

Weiter geht-€ℱs zur Fleischtheke: Hier finden wir eingelegte Steaks vom Schwein, Rind, Lamm, Huhn, neben exotischen Spießen und FleischbĂ€llchen. Die Fischliebhaber finden an der Fischtheke Garnelenspieße, Tintenfische, Makrelen und die Vegetarier eingelegte Tofu-Steaks und Sojabratlinge.

FĂŒr die Gourmets unter den Grillern gibt es in der Buchhandlung selbstverstĂ€ndlich ein breites Sortiment an Grill-KochbĂŒchern und seit neuestem gibt es auch die „Webber-Grill-Bibel“.

Und damit sind wir auch schon beim Mercedes der Grills angekommen, dem sogenannten Webber-Grill. Denn nur mit diesem amerikanischen MĂ€nnertraum kommt man in den Grill-Olymp. FĂŒr den schmaleren Geldbeutel gibt es den Kugelgrill natĂŒrlich inzwischen auch in preisgĂŒnstigen, sprich nachgebauten Varianten. Aber ehrlich, bekommt man dann immer noch das richtige Barbecue-Feeling?

Naja, und weil unsere Welt inzwischen ja so kommunikativ geworden ist, grillen wir jetzt alle gemeinsam mit SWR3 und Johann Lafer. Wochenlang wird per Radio ein großes Grill-Event angekĂŒndigt – „Ganz SWR3-Land grillt gemeinsam – zuletzt an Himmelfahrt – und schon geht-€ℱs los.

Ich habe das nicht weiter verfolgt, aber ich bin mir sicher, es hat funktioniert, zumindest bei Johann Lafer, der irgendwo im Studio saß und seiner Grillgemeinde anspruchsvolle Einkaufslisten und komplizierteste Zubereitungstechniken verkĂŒndete.

Was ich Ihnen damit sagen möchte? Die schönsten Grillabende hatten wir immer spontan. Das Wetter war herrlich, der Abend lau, wir riefen Freunde an, schauten, was im KĂŒhlschrank oder in der KĂŒhltruhe war, jeder brachte was mit.

Der Grill wurde entzĂŒndet und der Geruch strömte durch die GĂ€rten – das ist das GefĂŒhl von Sommer und dafĂŒr braucht es keine komplizierte Zutatenlisten, sondern Freude, Freunde und SpontanitĂ€t.

Denn das sind die Zutaten fĂŒr einen schönen Grillabend – und da freue ich mich jedes Mal wieder drauf.

Gabis Kolumne

Generation G8 oder die verplante Zukunft unserer Kinder

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Guten Tag!

Hirschberg, 17. Mai 2010. Die Reform der gymnasialen Oberstufe ist ein Missgriff, meint Gabi. Ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, betrachtet unsere Kolumnistin dabei die psychologischen Auswirkungen. Panik macht sich breit. Wer sichs leisten kann, schickt seine Kinder schon heute zur „Sonderqualifikation“, denn es wird eng – vor allem ums Herz.

Meine Kinder haben beide das Pech oder auch GlĂŒck, je wie man es sieht, zur Generation G8 zu gehören, also SchĂŒlerinnen, die sich mit dem achtjĂ€hrigen Gymnasium herumschlagen mĂŒssen.

2012 gibt es den ersten G8-er Jahrgang – davor waren es G9-er, also Absolventen eines neunjĂ€hrigen Gymnasiums.

GlĂŒck haben sie insofern, dass sie ein Jahr frĂŒher fertig werden und damit endlich im europĂ€ischen Zeitplan fĂŒr die Oberstufe liegen.

Und Pech -۩ Na ja, das zu erklĂ€ren, dauert lĂ€nger.

2012 wird es eine große Klopperei um Studien- und AusbildungsplĂ€tze geben.

Ein Sonderfall ist dazu noch der Jahrgang meines Sohnes. Der gehört nĂ€mlich zu den ersten und zu den doppelten. Und das heißt wiederum: 2012 haben wir einen doppelten Jahrgang von G8-ern und G9-ern, die sich fröhlich um Studien- und AusbildungsplĂ€tze kloppen dĂŒrfen.

Über die bekannten Nachteile des G8 wurde schon viel geschrieben: Schwachsinnig verkĂŒrzte LehrplĂ€ne, Nachmittagsunterricht, kaum Freizeit – also eine typisch deutsche Reform, in der reformiert wurde, ohne richtig darĂŒber nachzudenken, ob das eigentlich Sinn macht. Hauptsache reformiert.

Und jetzt ist es soweit, der doppelte Jahrgang geht in die Kurstufe, sprich 12. und 13. Klasse. Wer jetzt aufmerksam mitgerechnet hat, sagt Stopp!, eine 13. Klasse kann es ja nicht mehr geben.

Weit gefehlt, in diesem Sonderfall, also genau in diesem Jahrgang, ĂŒberspringen alle 10-KlĂ€ssler mal kurz die 11. Klasse, um gemeinsam mit den G9-ern nach den Sommerferien in die 12. Klasse zu kommen. Raffiniert, so wird landesweit ein ganzer Jahrgang zu Hochbegabten SchĂŒlerinnen, die mal eben eine Klasse ĂŒberspringen.

Gehen wir nun mal positiv davon aus, dass die Schulen es geschafft haben könnten, beide JahrgĂ€nge gleich gut auf ihr Abitur vorzubereiten, wird Baden-WĂŒrttemberg (auch Bayern) 2012 nun ĂŒber die doppelte Anzahl von Abiturienten verfĂŒgen.

Schön fĂŒr die Hochschulen und Betriebe, denn die können sich die Besten aussuchen.

Doppelte Konkurrenz.

Da fragt man sich natĂŒrlich als Eltern, was tun? In Windeseile und mit Druck wurden unsere Kinder durch die Schulzeit gepeitscht, um sich dann sich in unglaublicher, nĂ€mlich doppelter Konkurrenz wieder zu finden.

Ein Rezept fĂŒr viele ist sicherlich eine einjĂ€hrige „Auszeit“, sprich ein Soziales Jahr oder ein Auslandaufenthalt mit „Mehrwert“, also mit Sprachschule, Praktikum, Selbsterfahrung oder Ă€hnlichem. Denn, das haben wir gelernt, einfach nur so darf diese Generation gar nichts mehr tun.

Waren unsere Kinder schon ab dem Kindergartenalter in ihrer Freizeit verplant, so mĂŒssen sie auch direkt vom Abitur in eine sinnvolle gut planbare BeschĂ€ftigung gleiten.

Organisationen, die fĂŒr teures Geld unsere Kinder im Ausland bei Jobs, Sprachschulen und Praktika betreuen, sprießen nur so aus dem Boden und sind Ă€ußerst erfolgreich.

Duale Hochschulen als Karrieregaranten?

Auf der Überholspur im Wettbewerb bei den Studienmöglichkeiten sind demnach auch die dualen Hochschulen, die nicht nur ein kurzes Studium, sonder auch gleichzeitig Praxis, Firmenkontakt und wenn möglich ĂŒber das Studium hinaus ein BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis zu garantieren versprechen.

Bisher gelingt es mir noch ganz entspannt zu bleiben. Doch im Freundes- und Bekanntenkreis, beginnt die Hektik und Panik auszubrechen: Was passiert mit unserem Kinder nach dem Abitur? Und das ist, wohlgemerkt, 2012.

Durch Sprachaufenthalte in der Schulzeit versuchen einige Eltern, die sich das leisten können, ihren Kindern schon im Vorfeld einen Wettbewerbsvorteil zu ermöglichen.

Ein Bekannter, dessen Tochter in der 11. Klasse, also sprich noch G9 ist, rennt schon seit Wochen auf Info-Veranstaltungen von Hochschulen in der Region und auf Berufsinformationsmessen. Man muss sich frĂŒhzeitig kĂŒmmern, erklĂ€rt er mir.

„Sonst hast Du keine Chance mehr…“

Auf einer Party unterhielt ich mich kĂŒrzlich mit einer Frau, deren Sohn genau wie meiner nach G8 in zwei Jahren Abitur machen wird. „Wenn Du ein Duales Studium anstrebst, musst Du Dich mit dem Zeugnis von 11/1 bei den Betrieben bewerben, sonst hast Du keine Chance“, erklĂ€rte sie mir. Ich dachte: Stopp, ich strebe ĂŒberhaupt kein Studium mehr an, das habe ich alles hinter mir, mein Zeugnis von 11/1 zeige ich keinem mehr und – ich hab-€ℱ doch schon einen Job.

Meine Argumente, mein Sohn weiß doch noch gar nicht, was er nach dem Abi machen möchte und vielleicht soll er erstmal ein Jahr auf Reisen gehen, wurde mit dem Blick, „Du hast ja keine Ahnung und Du wirst schon sehen, was dabei raus kommt“, abgeschmettert.

Wie schon gesagt, bislang bleibe ich noch ganz entspannt. Aber, wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht mehr, wie lange.

Denn auch, wenn ich bei dieser Hysterie (noch) nicht mitmache, möchte man ja doch das Beste fĂŒr seine Kinder.

Aber ich bezweifle, dass ein so vorgeplanter Weg, wirklich das Beste ist. Oder? Was meinen Sie?

Gabis Kolumne

Die Schönheit des mÀnnlichen Geschlechts

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Guten Tag!

Hirschberg, 10. Mai 2010. Schönheit und MĂ€nner? Geht das zusammen? Aber ja, meint Gabi und fordert weniger den bewegten, dafĂŒr aber gepflegten Mann.

Dass wir Frauen mit diversen Cremes, DiĂ€ten und Haarfarbe versuchen, gegen die Ă€ußeren Anzeichen des Älterwerdens anzukĂ€mpfen, habe ich hier schon hĂ€ufiger thematisiert. Doch wie sieht es bei dem mĂ€nnlichen Geschlecht aus?

Wir alle wissen aus den bunten BlĂ€ttchen, dass David Beckham seine FingernĂ€gel manikĂŒrt und lackiert, dass er sich zumindest die Achselhaare rasiert und Anti-Falten-Creme benutzt. Kann er auch, immerhin hat er ja auch den Begriff des metrosexuellen Mannes mit geprĂ€gt.

Michael Douglas besucht, zumindest laut der Yellow Press, des Öfteren seinen Schönheitschirurgen und alle vermuten, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder sein Haupthaar fĂ€rbt, auch wenn er das laut richterlicher VerfĂŒgung untersagt haben will.

Joschka Fischer hat sich in seiner Glanzzeit per Marathon fit und schlank gemacht und der schöne George Clooney hilft angeblich seinen schön gestrÀhnten grauen SchlÀfen per Coloration nach.

So weit so gut – das ist die Welt der Reichen, BerĂŒhmten, Schönen und MĂ€chtigen. Doch wie schaut-€ℱs mit dem Otto Normalverbraucher aus? Reicht heute noch Old Spice, tĂ€glich ein frisches Hemd und die Nivea Creme, dass Mann attraktiv bleibt?

WĂ€hrend wir Frauen unablĂ€sslich ĂŒber unsere Pfunde zuviel auf der HĂŒfte jammern, hat es der mĂ€nnliche Teil der Bevölkerung ĂŒber Jahrzehnte hervorragend verstanden, den Bauch als mĂ€nnliches Statussymbol zu etablieren. Die Glatze als ein Zuviel an Testosteron und den Dreitagesbart als besonders mĂ€nnlich zu deklarieren.

Doch Vorsicht, diese Zeiten sind vorbei! LĂ€ngst hat zumindest die Werbung erkannt, dass hier ein großes Potential an Neukunden verborgen liegt. Der Markt fĂŒr Schönheitsproduktserien fĂŒr den Mann boomt. Wellness-Hotels werben mit Behandlungen, die gezielt auf den Mann von heute abgestimmt sind.

Eitelkeit bei MĂ€nnern wurde in den letzten Jahrzehnten oft der LĂ€cherlichkeit preis gegeben, gar als unmĂ€nnlich angesehen. Dabei war das nicht immer so. Schaut man weit zurĂŒck in die Vergangenheit, finden wir MĂ€nnerbilder, die sehr wohl der Eitelkeit frönten. Zum Beispiel im Rokoko trugen die Herren Lackschuhe mit Schnallen, RĂŒschenhemden, opulente Ringe, Samt und Seide, LockenperĂŒcken und schminkten sich. Dies alles war ein Zeichen von Macht und Reichtum. Damit hoben sich die Adligen ab von dem gemeinen Volk, den Bauern.

Daraus kann man folgern, nur wer reich war, hatte Zeit und Geld um sich zu schmĂŒcken.

Diese Zeiten sind Gott sei dank vorbei. Auf sein Äußeres zu achten, ist nicht mehr eine Frage des Standes. Und auch nicht mehr eine Frage der UnmĂ€nnlichkeit.

Frau liebt den gepflegten Mann. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir kĂŒnftig mit unserem Herzallerliebsten ĂŒber die neueste Brigitte-DiĂ€t oder die beste Anti-Falten-Creme sprechen wollen, das machen wir doch lieber mit unserer Freundin.

Und sorry, die Vorstellung, dass mein Mann vorm Fernsehen seine Gurkenmaske auflegt, fÀnde ich dann doch eher unmÀnnlich.

Gabis Kolumne

„Ich habe noch nie einen Muttertag vergessen.“

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Guten Tag!

Hirschberg, 03. Mai 2010. Am kommenden Sonntag ist Muttertag. Das ist ein ganz besonderer Tag, sagt Gabi. Mutter zu sein, ist besonders. Es geht um eine Frage der Ehre.

Gleich nach dem Krieg pflĂŒckte mein Vater meiner Großmutter einen Strauß im Garten. Es war 1945, es war Muttertag und die BlĂŒten gehörten zu den liebevoll gepflegten ErdbeerpflĂ€nzchen.

„Aber ich konnte ihm natĂŒrlich nicht böse sein“, erzĂ€hlte meine Großmutter immer wieder.

Mutter, aber nicht böse sein?

Die Ehre war schon. Die BlĂŒten waren schön. Aber aus diesen „Blumen“ wuchsen keine Erdbeeren mehr. Mein Vater schenkte meiner Großmutter BlĂŒten – und gleichzeitig vernichtete er diese Ernte.

In meiner Kindheit brachte „4711“ jedes Jahr eine neue Sonderverpackung zum Muttertag heraus. Ich erinnere mich an einen Herzkarton, den man aufklappen konnte und den ich wunderhĂŒbsch fand.

FĂŒr mich war es das perfekte Geschenk fĂŒr meine Mutter und ich bewundere sie noch heute dafĂŒr, dass sie es sich nie anmerken ließ, dass sie den Geruch von „Köllnisch Wasser“ ganz schrecklich fand.

Mit 15 backte ich mit einer Freundin eine Erdbeertorte in Herzform, wunderhĂŒbsch. Leider fiel sie mir beim Transport vom GepĂ€cktrĂ€ger meines Mofas, was meine Mutter nicht daran hinderte den Kuchen köstlich zu finden.

Mutter zu Mutter.

Inzwischen weiß ich, welche DĂŒfte meine Mutter mag und Torten transportiere ich nicht mehr auf ZweirĂ€dern. Andererseits sind die Geschenke weniger originell.

Ich habe noch nie einen Muttertag vergessen – anders als mein Bruder. Vielleicht ist es auch nur GeschĂ€ftemacherei, wie die mĂ€nnliche HĂ€lfte der Bevölkerung immer wieder behauptet.

Aber spĂ€testens seit ich selbst Mutter bin, weiß ich es zu schĂ€tzen.

Meine Kinder brachten in der Kindergarten- und Grundschulzeit Basteleien und mit BlĂŒmchen umrahmte Gedichte mit nach Hause. Und vor allem seit meine Tochter jetzt etwas Ă€lter ist, bekomme ich meinen Kaffee ans Bett serviert.

Und natĂŒrlich ist das eine oder andere Geschenk mal daneben gegangen. Aber ich weiß inzwischen auch, wie man sich ĂŒber Duschgel freut, was man eigentlich nicht riechen mag und es natĂŒrlich brav auch zu benutzen.

Ich habe einen Winter lang einen Schal getragen, dessen Farben mir ĂŒberhaupt nicht gefallen haben. Eine aufgenommene CD von meiner Tochter höre ich tĂ€glich auf dem Weg zur Arbeit, auch wenn die Musik von Lady Gaga und LaFee eindeutig nicht meinem Musikgeschmack entsprechen.

Mutter oder Vater zu sein, ist eine Ehre.

Ich mag „Muttertag“, auch wenn ich mir 365 Tage im Jahr wĂŒnsche, dass meine Kinder hĂ€ufiger – und zwar freiwillig – im Haushalt helfen. „Was bringt dir so ein Tag im Jahr“, fragt mich mein Mann.

Das ist ganz einfach. Wer eine Frage hat, hÀlt inne.

Er fragt sich. Beispielsweise, was eine Mutter ist.

Aber ich mag auch den Hochzeitstag, und das heißt nicht, dass ich mich nicht auch an allen ĂŒbrigen Tagen ĂŒber einen Blumenstrauß freue.

Ich erinnere mich gerne, an diesem Tag eine Braut gewesen zu sein. Und davor und danach war und bin ich gerne Mutter.

„Das ist doch alles nur gut fĂŒr den Einzelhandel“, könnte ein Mann jetzt sagen.

Ja und?

Erstens muss die Wirtschaft ja angekurbelt werden und zweitens veranlassen uns Erinnerungstage zum Innehalten, zum Nachdenken.

Ich bin 365 Tage im Jahr Tochter. An einem Tag ehrt man mich fĂŒr meinen Geburtstag, der auch ein Ehrentag fĂŒr meine Mutter ist.

Ich bin selbst Mutter.

Und ich möchte gerne dafĂŒr geehrt werden.

Und ob mein Sohn „BlĂŒten“ pflĂŒckt oder „Blumen kauft“, spielt keine wirkliche Rolle.

Aneinander zu denken, sich zu ehren, das ist wichtig.

Deswegen habe ich noch nie den Tag meiner Mutter vergessen.

Gabi: „Warum ich mittelbraun genommen habe.“

Guten Tag!

Hirschberg, 26. April 2010. Haare sind nicht erst seit „Hair“ ein Thema. Haare sind wichtiger als manches andere, meint Gabi. Zumindest, wenn man bedenkt, wie oft Frauen ĂŒber Haare reden.

Erinnern Sie sich noch daran, wie es war als Sie Ihr erstes graues Haar entdeckt haben? Ich weiß es noch genau, ich war fassungslos. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her und lange passierte gar nichts. Hier und da ein graues Haar, das ich mit der Pinzette herauszog, wĂ€hrend viele Freundinnen schon tönten oder fĂ€rbten.

Doch irgendwann hatte ich das GefĂŒhl, wenn ich so weiter mache, sieht man zwar kein graues Haar, aber dafĂŒr werde ich kahl. Meine Friseurin meinte, das kriegen wir mit StrĂ€hnchen hin, denn dann fallen die ersten grauen Haare nicht mehr auf.

Die erste Tönung.

Vor ein paar Wochen war es nun so weit, ich entschloss mich zur ersten Tönung. Doch im Vorfeld wollte ich mich bei meinen Freundinnen erkundigen.

„Also, mit einer Tönung krieg-€ℱ ich das schon lange nicht mehr hin, ich muss colorieren“, sagte meine Freundin. „Das Wichtigste ist, dass du den richtigen Farbton erwischst“, sagte sie fachkundig. Ich merke, die Grundfrage heißt: „Tönst du noch oder fĂ€rbst du schon?“

Eine Bekannte riet mir zu dreifarbigen StrĂ€hnen, „da fĂ€llt garantiert kein graues Haar mehr auf“, sagte sie verschwörerisch. Aber irgendwie fand ich, war sie ziemlich bunt auf ihrem Kopf.

„Sieht aber gut aus.“

Eine andere Freundin war plötzlich dunkelbraun. „Eigentlich wollte ich hellbraun, aber ich hab-€ℱ wohl den falschen Farbton genommen“, meinte sie. „Sieht aber gut aus“, beruhigte ich sie.

Und wie ist das beim mÀnnlichen Geschlecht?, fragte ich mich. Mutieren alle MÀnner mit grauen SchlÀfen zu George Clooney, denn der ist fraglos sexy und zwar noch mehr seit sich graue StrÀhnen durch sein Haupthaar ziehen.

Ein Bekannter schwört auf Re-Colour. Das soll angeblich den Haaren wieder den natĂŒrlichen Farbton zurĂŒckgeben. Aber ehrlich, an den SchlĂ€fen ist er jetzt rötlich, am Haaransatz hellbraun und am Nacken fast schwarz. Sexy geht eindeutig anders.

Colorierte SchnurrbÀrte.

„Ich stehe zu meinen grauen Haaren“, sagte ein guter Freund. Das mag schon sein, dachte ich, aber was ich ĂŒberhaupt nicht verstehe, warum er auf dem Kopf fast völlig grau ist, wĂ€hrend man in seinem Schnurrbart nur dunkelbraune Haare findet.

Eindeutig gefĂ€rbt, davon bin ich ĂŒberzeugt. Aber, und das ist typisch fĂŒr das mĂ€nnliche Geschlecht, man gibt nicht so gerne zu, wenn man der Natur etwas nachhilft.

Eine Verwandte von mir hat bzw. hatte nahezu schwarze Haare. Schon seit Jahren hat sie graue Haare und muss fÀrben. Dummerweise ist der Ansatz am Scheitel dunkellila. Auch nicht wirklich gelungen.

Meine eine Großmutter kannte ich nur mit weißen Haaren. Sie war frĂŒh grau, weiß meine Mutter zu berichten. Die andere Großmutter hat immer nur blondiert und darauf bestanden, dass sie nur aufhellt und keinesfalls fĂ€rbt. Auch eine Variante.

Mit „mittelbraun“ konnte ich nichts falsch machen.

Nach vielen GesprĂ€chen und dem AbwĂ€gen des FĂŒr und Wider habe ich mir im Drogeriemarkt meine erste Tönung ausgesucht. Mittelbraun, damit konnte ich nichts falsch machen. Jetzt wollen Sie das Resultat wissen.

Die Farbe war schön, weder zu dunkel noch zu hell, aber leider waren auch die grauen Haare noch da. „Das hĂ€tte ich dir gleich sagen können“, sagte meine fachkundige Freundin. „Da musst du schon eine Intensivtönung nehmen fĂŒr die perfekte Grauabdeckung“, sagte sie.

Also stand ich schon bald darauf wieder vorm Regal des Drogeriemarktes und suchte im Bereich Intensivtönung nach meiner Farbe. Wieder Mittelbraun.

Und diesmal war ich zufrieden, denn siehe da, die grauen Haare waren verschwunden, zumindest fĂŒr 24 HaarwĂ€schen, denn solange sollte laut Packungsbeilage die Tönung halten.

Ich war glĂŒcklich, immerhin hatte ich einen Kampf gegen das Alter, zumindest Ă€ußerlich, gewonnen.

„Mama, darf ich mir nicht ein paar blonde StrĂ€hnen machen lassen, das machen auch viele Freundinnen?“, fragte mich dieser Tage meine pubertierende Tochter. „Aber Kind, dafĂŒr hast du doch noch Zeit“, antwortete ich.

Aber ich glaube sie hat mich nicht wirklich verstanden.

Gabis Kolumne

Eine Frage der Ehrlichkeit

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Guten Tag!

Hirschberg, 19. April 2010. Wie ehrlich sind wir im Umgang miteinander? Wie ehrlich sind wir mit uns selbst? Was ist uns Ehrlichkeit wert? Gabi stellt die Systemfrage.

Vor Kurzem traf ich mich mit einer Freundin, die gleich nach der BegrĂŒĂŸung jammerte: „Ich hab so viel zugenommen“. „Stimmt“, antwortete ich und merkte aber gleich, dass sie das nicht hören wollte.

So ist das mit der Ehrlichkeit.

„Sag, mir ganz ehrlich, wie du meinen neuen Haarschnitt findest?“, haben Sie diese (oder auch Ă€hnliche) Frage nicht auch schon oft gehört? Meistens antwortet man nun: „Das steht dir absolut gut. Sieht klasse aus.“ Und zwanzig Jahre spĂ€ter: „Das macht Dich viel jĂŒnger…“.

Ehrliche Momente?

Freunde von uns haben sich letztes Jahr ein Haus gekauft. Wir waren zur „House-Warming-Party“ eingeladen.

Stolz prĂ€sentierten die Hausbesitzer ihr neues Wohnzimmer und ich dachte nur, „Geschmackloseres habe ich noch nie gesehen“.

„Na, und wie gefĂ€llt-€ℱs dir“, fragte unser Freund. „Ja, doch, ganz schön“, stammelte ich etwas unbeholfen. „Klasse“, sagte mein Mann und zwinkerte mir dabei verschwörerisch zu.

Ja, und da gibt-€ℱs ja noch die Geschenke. Zu meinem letzten Geburtstag habe ich von einer guten Bekannten eine Vase geschenkt bekommen, die an Kitsch kaum zu ĂŒbertreffen war. Brav bedankte ich mich und sagte, ich fĂ€nde die Vase ganz besonders originell. Nicht wirklich ehrlich, aber auch nicht direkt gelogen.

„Das Ding willst du nicht wirklich aufstellen“, sagte mein Mann am Abend. „Sag-€ℱ deiner Freundin doch, sie soll es umtauschen“. Das Problem löste sich am nĂ€chsten Tag sehr schnell, meine Mutter war von der Vase begeistert und sie schmĂŒckt jetzt ihre Fensterbank.

HĂ€rter wird-€ℱs mit der Ehrlichkeit, wenn es um MĂ€nner geht. Eine Freundin, die lĂ€ngere Zeit alleine war, lernte einen Mann kennen und schwĂ€rmte von ihm in höchsten Tönen.

Nach der ersten Begegnung mit ihm, wusste ich genau: Das wird nichts. Ich machte bei ihr zaghafte Andeutungen, nach dem Motto: Bevor ich mehr dazu sagen kann, muss ich ihn erst besser kennen lernen.

Doch ihre Begeisterung ließ sich nicht bremsen. Drei Monate spĂ€ter war die Beziehung zu Ende und sie saß bei mir und konnte ihr UnglĂŒck kaum fassen.

Ehrlichkeit und die Folgen.

Dummerweise konnte ich mir ein eitles „Ich hab das von Anfang an gewusst, dass daraus nichts wird“, nicht verkneifen. „Was bist du fĂŒr eine Freundin, wenn du mir nicht die Wahrheit sagst?“, entgegnete sie vollkommen empört. Und jegliche Versuche, sie zu beschwichtigen, fruchteten nichts. Und sie hat zwei Wochen nichts mit mir gesprochen.

Haben sie schon mal die Kinder ihrer Bekannten und Freunde kritisiert. Und ich meine jetzt nicht auf der Heimfahrt im Auto bei ihrem Mann à la „Hast du gesehen, wie sich diese Kinder aufgefĂŒhrt haben -€©“. Sondern ganz offen und ehrlich.

Ich habe es kĂŒrzlich getan und habe seitdem Streit mit meiner Freundin. Seit Jahren beschwert sie sich immer wieder ĂŒber ihre Tochter. Sie sei so frech, habe kein Respekt, ließe sich nichts sagen und und und.

Nachdem ich dann selbst miterlebte, wie ihre Tochter sie behandelt, nahm ich sie zur Seite und bestĂ€tigte ihr, dass ich ihr vollkommen Recht gĂ€be, dies sei kein Benehmen und sie mĂŒsse jetzt rigoros durchgreifen.

Meine Freundin hat seitdem nicht mehr mit mir gesprochen.

Ein HĂ€rtetest fĂŒr Beziehungen sind auch immer wieder Lebenseinstellungen. Eine Freundin erzĂ€hlte mir, an Ostern sei es beim Familientreffen auf das Thema „Hartz IV“ gekommen und sie habe noch versucht durch Fußtritte unter dem Tisch ihren Mann zurĂŒckzupfeifen, aber das war erfolglos.

Man trennte sich nach einer hitzigen Diskussion und total zerstritten.

Da fragt man sich nun: Wie ist das mit der Ehrlichkeit?

Eine gute Freundin sagte zu mir: „Ich möchte von dir nicht kritisiert, sondern verstanden werden“.

Ist das die Lösung?

Ist es. Wer ehrlich wissen will, wie es ist, muss ehrlich fragen.

Und der andere muss ehrlich antworten.

Damit bleibt alles eine Frage der eigenen Ehrlichkeit.

Gabis Kolumne

Das System Katze und was ich ĂŒber mich gelernt habe

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Guten Tag!

Hirschberg, 12. April 2010. Schmusekatze, Haustiger, KratzbĂŒrste – Katzen haben viele Synonyme und wahrscheinlich alle zu Recht. Katzen sind lĂ€ngst keine Nutztiere mehr, sondern leben in der Familie. Zu Recht? Irgendwie schon, meint Gabi – auch, wenn sie das System Katze erst lernen musste.

Ich habe hier schon viel ĂŒber meine Kinder und meinen Mann geschrieben, aber zwei Mitglieder unserer Familie habe ich bislang verschwiegen. Und das ist eigentlich strĂ€flich, haben sich die beiden doch einen festen Platz in unserem Leben erobert: Ich meine unsere beiden Katzendamen.

Als ehemalige Hundebesitzerin war mir das System „Katze“ zunĂ€chst fremd.

Das System Katze musste Gabi erstmal lernen. Bild: privat

Eine Kollegin erzÀhlte mir vor drei Jahren von jungen KÀtzchen auf einem Bauernhof, die keiner wollte. Als die Kinder nicht zuhause waren, fuhren mein Mann und ich eine gute halbe Stunde zu diesem Hof, um uns die KÀtzchen anzuschauen.

Hund und Katze?

Dort angekommen sahen wir sofort die Katzenmutter mit drei Jungen und einen riesigen Hofhund. Komisch, dachte ich, die sind wie „Hund und Katze“ heißt doch, dass man sich nicht versteht? Ich fragte meinen Mann. Der sagte das, was ich so an ihm „liebe“: „Das kommt darauf an.“

Gemeinsam fraßen Hund und Katzen aus einem sehr großen Napf.

Es kommt also darauf an. Auf was? „Ob die sich kennen und miteinander aufgewachsen sind.“ Aha, dachte ich. Wie im richtigen Leben.

Uns gefiel sofort ein kleines weißes KĂ€tzchen mit einem graugestreiften Schwanz und einem grau-braunen Fleck auf dem RĂŒcken, der so aussah, als wĂ€re der Schwanz in Farbe getunkt worden und hĂ€tte dann den RĂŒcken gestreift.

Das weiße KĂ€tzchen könnten wir gerne mitnehmen, sagte uns der Sohn des Hauses, die anderen beiden seien schon vergeben.

Nutztiere.

In der Scheune sei noch ein weiteres KĂ€tzchen, von dem er uns aber nur abraten könne, es sei das jĂŒngste aus dem Wurf, wĂ€re aggressiv, scheu und wĂŒrde sofort zubeißen. Der etwa achtjĂ€hrige Junge guckte uns herausfordernd an – anscheinend hatte er nicht zum ersten Mal KĂ€tzchen weggegeben. Ich dachte: Wie kann der so cool sein und erinnerte mich, dass wir auf einem Bauernhof waren, wo die meisten Tiere einen „Nutzen“ haben.

Wir wollten aber gerne zwei Katzen. Der Junge seufzte nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun – zog sich Arbeitshandschuhe an und machte sich auf die Suche. Mit einem kleine Etwas am Handschuh kam er zurĂŒck aus der Scheune.

Wie angekĂŒndigt, hatte sich die kleine Katze in den Handschuh verbissen und zappelte und kratzte. Auf dem Boden abgelegt fauchte sie, was das Zeug hielt.

Liebe auf den ersten Blick.

Und ich sah es genau, schon beim ersten Blick hatte sich mein Mann unsterblich verliebt.

Mit zwei völlig verĂ€ngstigten Katzen im Auto machten wir uns auf den RĂŒckweg.

Die nĂ€chsten Tage verbrachten wir damit, die beiden unter dem Sofa oder hinter dem Schrank hervorzulocken. Und schon nach kurzer Zeit wurde das weiße KĂ€tzchen sehr zutraulich und war bald der Liebling der Kinder. Die kleine „Wilde“, war ein vollkommen verschĂŒchtertes Tier, das sich kaum ans Futter traute und ĂŒber Wochen sofort anfing zu fauchen, wenn sich ihr jemand nĂ€herte.

Das ist jetzt drei Jahre her. Und von SchĂŒchternheit keine Spur mehr. Hat man einen Hund, ist man sein „Herrchen/Frauchen“, hat man Katzen so ist man ihr „Diener“.

Denn obwohl eine Katzenklappe den beiden „Damen“ ermöglicht jederzeit von Drinnen nach Draußen und umgekehrt zu gelangen, sorgen die beiden mit lautem Miauen und vorwurfsvollem Blick dafĂŒr, dass wir tĂ€glich unzĂ€hlige Male die Haus- oder die TerrassentĂŒr öffnen, um sie raus oder rein zu lassen.

Jammern gehört zur Liebe.

Wenn ich morgens die KĂŒche betrete, muss ich innerhalb der nĂ€chsten 5 Sekunden die FutternĂ€pfe fĂŒllen, denn das jĂ€mmerliche Miauen und das Umstreifen meiner Beine, erinnert mich daran, dass hier zwei kurz vorm Verhungern sind – dramatischer geht-€ℱs nicht. Keins meiner Kinder hat je diesen Nerv getroffen, der mich fernsteuert wie eine Puppe.

Katzenkörbchen? Fehlanzeige. Beide haben sich inzwischen PlĂ€tze auf dem Sofa erobert. Dies wiederum geschieht nahezu lautlos raffiniert. Erst kuscheln sie sich an, wenn man auf dem Sofa sitzt oder liegt – und wer brĂ€chte es da ĂŒbers Herz, sie da zu verscheuchen – und dann liegen sie zufĂ€llig auch mal dort, wenn keiner von uns dabei ist. Und irgendwann ist klar, dass es ĂŒberhaupt keine Diskussion darĂŒber gibt, dass das ihr Platz ist.

Und jetzt noch was zum Thema Jagd. Wer Katzen hat, darf nicht zimperlich sein.

Grausame Natur?

Unsere weiße Katze ist eine hervorragende JĂ€gerin. Sobald der FrĂŒhling kommt, bringt sie uns kleine und große MĂ€use, mit sĂŒĂŸen Augen. Meistens lebend, denn Katzen sind ja „verspielt“.

Als Liebesbeweis bekam unser Sohn letzten Sommer einen Vogel ins Zimmer nicht ge-, sondern zerlegt. Bett und Boden waren ĂŒbersĂ€t mit Federn, es sah aus wie ein Schlachtfeld.

Aber auch die Reste eine MĂ€usemahls sind nicht wirklich lecker.

Unsere JĂ€gerin ist nicht nur großartig im Fangen, sondern – und das können Sie mir jetzt glauben oder nicht – sie imitiert auch Vogelstimmen. Sie sitzt vor der TerrassentĂŒr, beobachtet die Vögel im Garten und gibt gurrende GerĂ€usche von sich, die sich manchmal auch anhören wie ein Gackern.

Die ehemals „Wilde“ ist sich fĂŒr die Jagd meist zu fein oder es ist ihr einfach zu anstrengend, weil man ja auch sonst nicht verhungern muss.

Katzen lassen lieben.

Und wÀhrend man von seinem Hund treu geliebt wird, lassen Katzen lieben.

Trotzdem: Kommen wir nach Hause, sind sie meist sofort zur Stelle. Schon von Weitem erkennen sie das GerÀusch des Autos und sobald wir in den Hof fahren, kommen sie angetrottet.

WĂŒrde man jetzt erwartet, freudig begrĂŒĂŸt zu werden, wĂŒrde man enttĂ€uscht. Katzen haben eine andere Sprache – sie ist oft zurĂŒckhaltender, manchmal aber auch unerbittlich herzerwĂ€rmend, vor allem, wenn sie voller Zufriedenheit schnurren.

Der Blick, mit dem wir begrĂŒĂŸt werden, sagt: „Gut, dass ihr wieder da seid“. Dann drehen sich unsere Katzen um, und gehen wieder ihren Weg.

Sie sind Teil der Familie, lĂ€ngst keine „Nutztiere“ mehr, nicht wild, aber irgendwie doch.

Auch nach drei Jahren lerne ich immer noch das „System Katze“ – und das gibt einem etwas fĂŒrs Leben mit.

Gabis Kolumne

Wie To-Do-Listen den Alltag organisieren oder auch durcheinander bringen

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Guten Tag!

Heddesheim, 06. April 2010. To-Do-Listen helfen, das Leben zu organisieren. Von wegen, meint Gabi – sie sind mindestens genauso hilfreich, alles mĂ€chtig durcheinander zu bringen.

Haben Sie eine To-Do-Liste? Ich habe gleich mehrere und das macht mich manchmal ganz schön fertig.

To-Do oder auch "Tue es!".

ZunĂ€chst gibt es da meine persönliche „RĂ€um-den-Schreibtisch-auf-Liste“. Da drauf gehört u. a. Überweisungen tĂ€tigen, das Einreichen von Rezepten bei der Kasse, das Abheften meiner KontoauszĂŒge und Rechnungen, die KĂŒndigung von Abos oder Vereinszugehörigkeiten.

Die Telefonliste ist die schwierigste.

Dann habe ich eine Telefonliste. Wie oft verabschiedet man sich mit den Worten: „Ich ruf-€ℱ dich dieser Tage an.“ Nur bitte, wann? Vormittags bin ich bei der Arbeit, nachmittags kĂŒmmere ich mich um Kinder und Haushalt und bis ich mit allem fertig bin, habe ich weiß Gott keine Lust mehr, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Zumal schon allein die ganzen Geburtstagsanrufe einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine wirklich gute, alte Freundin möchte ich seit drei Monaten anrufen. Und je lĂ€nger ich warte, umso lĂ€nger wird auch das GesprĂ€ch ausfallen, das aber auch schon nach einem Monat Warterei eigentlich zu lang fĂŒr meinen Zeitplan ist. Mit der Liste wĂ€chst also auch gleichsam mein schlechtes Gewissen.

Ich liebe meine WĂ€scheliste.

Dann gibt es eine Liste, die sich den hausfraulichen Pflichten widmet. Dazu gehört zum Beispiel ein Stapel mit KleidungsstĂŒcken, die ausgebessert werden mĂŒssen. An Hemden fehlen Knöpfe, T-Shirts haben kleine Risse, Futtertaschen haben Löcher-۩

Diese To-Do-Liste ist die unproblematischste: Dieser Stapel liegt ganz hinten in der WaschkĂŒche und ich muss gestehen, zuweilen sind die Kinder aus den Klamotten herausgewachsen, wenn ich mich endlich dazu aufraffen konnte, aktiv zu werden. 🙂

Auf dieser Liste finden sich auch die Punkte, die Schubladen im Regal des Abstellraums zu sortieren und die KĂŒchenschrĂ€nke auszuwischen.

Auf einer weiteren Liste stehen all-€ℱ die BĂŒcher, die ich noch dringend lesen und die Filme, die ich auf keinen Fall verpassen möchte. Hier vermerke ich auch TheaterstĂŒcke und Ausstellungen, die ich im vergangenen Jahr allesamt nicht gesehen habe.

Problem-Liste.

Die Liste „Rund-ums-Haus“ hat außer meinem inneren Schweinehund noch ein weiteres Handicap eingebaut: Hierzu benötige ich meist die Hilfe meines Mannes.

Hier findet man so spannende Aufgaben, wie den Wasserhahn im Garten austauschen, die ausgeschlagenen KĂŒhlschrankscharniere erneuern, Regale anbringen oder den Keller aufzurĂ€umen. FĂŒr die Autos habe ich keine Liste: die macht mein Mann.

Denn hat man seine eigenen VerdrĂ€ngungsstrategien mal ĂŒberwunden, möchte man gerne Taten folgen lassen. Sprich, man steht am Samstagmorgen bereit und möchte nun umsetzen, was allzu lang aufgeschoben wurde. Doch siehe da, auch mein Herzallerliebster ist ein wahrer VerdrĂ€ngungskĂŒnstler und schiebt, was meiner Meinung nach nicht mehr zu schieben ist.

Und was ist das Resultat? Richtig, es kracht. Mit „du wolltest doch“ und „wir hatten doch ausgemacht“ kommt man schnell ins Fahrwasser sich gegenseitig VersĂ€umnisse der Verpflichtungen zuzuweisen. „Die Katzen hĂ€tten schon lĂ€ngst zum Impfen gemusst“, ist da ein gleich großes Vergehen wie „du wolltest doch den RasenmĂ€her reparieren“.

Und wie aus der Pistole geschossen, werfen wir uns die Listen um die Ohren, die wir jeweils fĂŒr den anderen erstellt haben. Und die sind ziemlich lange.

Nach einem reinigenden Gewitter und genĂŒgend Schmollzeit beginnen wir beide wieder mit dem „Abarbeiten“. Der RasenmĂ€her wurde repariert und die Katzen geimpft.

Doch kaum ist das eine oder andere von einer Liste gestrichen, wird, wie von Zauberhand, ein neuer Punkt ergÀnzt.

Und so hangeln wir uns von Liste zu Liste, von Punkt zu Punkt und die Zeit ist immer zu knapp.

Die To-Do-Liste ist die Lösung fĂŒr die Probleme, die ich ohne sie nicht hĂ€tte.

Eine richtige Lösung habe ich dafĂŒr noch nicht gefunden.

Als Anregung sagte kĂŒrzlich eine Bekannte beim FrĂŒhstĂŒck, sie habe auf dem „Schwarzen Brett“ im Supermarkt gelesen: „Mann fĂŒr alle möglichen Arbeiten zu vermieten“.

„Das ist doch die Lösung“, sagte und hoffte sie, kĂŒnftig den samstĂ€glichen Streit mit ihrem Mann zu vermeiden.

Na, ob sie sich da nun mal nicht tÀuscht.

Gabis Kolumne

Das Kreuz mit der (gesunden) ErnÀhrung

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Guten Tag!

Hirschberg, 29. MĂ€rz 2010. Mit dem Essen ist das so eine Sache – was schmeckt, ist meistens nicht gesund. Und obwohl es DiĂ€ten an jeder Ecke gibt, gab es noch nie so viele Essgestörte, Übergewichtige und FalschernĂ€hrte, meint Gabi.

Dieser Tage hat im Radio ein Komedian ĂŒber die guten alten Zeiten berichtet, als es bei der Oma noch den fetten Schweinebraten gab, die Torte mit guter Butter gebacken wurde und die Sahne im Kaffee alles andere als „light“ war.

Können Sie sich auch noch dran erinnern?

Gesundes Essen vs. leckeres Essen.

Heute haben wir die ErnĂ€hrungsberatung. Die fĂ€ngt im Kindergarten, nein, eigentlich schon frĂŒher, in der Schwangerschaft an. Unsere Kinder und natĂŒrlich auch wir Eltern lernen von ErnĂ€hrungswissenschaftlern, wie ein gesundes FrĂŒhstĂŒck auszusehen hat: Körnerbrot, Salatblatt, eventuell Gurke und dann gesunde Wurst oder KĂ€se.

Ein No-Go, und da werden Sie mir sicher Recht geben, ist ein Toastbrot mit Nutella oder eine Dampfnudel.

Dummerweise, essen das die meisten Kinder aber richtig gerne. ZusĂ€tzlich wurde uns im Fernsehen von Boris Becker erklĂ€rt, und der war immerhin jahrelang die Nummer Eins auf der Tennisweltrangliste, dass der Schoko-Nuss-Brotaufstrich gesund ist und man bei regelmĂ€ĂŸigem Verzehr damit ganz nach oben kommt.

NatĂŒrlich wissen wir alle, dass man nicht alles glauben darf, was im Fernsehen kommt. Denn es steckt weder in der Milchschnitte die Extraportion Milch, noch in den Fruchtgummis die wichtigen Vitamine – blöd nur, dass diese Dinge unseren Kindern schmecken.

Freude am Essen ist toll – viele haben keine.

Kommen wir jetzt noch mal zurĂŒck zur ErnĂ€hrungsberatung. Nach dieser jahrelangen Beschulung mĂŒsste sich doch der Erfolg zeigen. Doch das Gegenteil ist der Fall, noch nie gab es so viele ĂŒbergewichtige Kinder, noch nie gab es so viele junge Menschen mit Essstörungen.

Meine Kinder bringen regelmĂ€ĂŸig Freunde mit zum Essen. Und das finde ich auch ganz toll.

Dummerweise haben die meisten so ihre Essmacken. Der eine Freund meines Sohnes ist nichts aus Hackfleisch. Der andere ist spezieller, vom HĂŒhnchen ist er nur die BrĂŒste, im Salat mag er keine Zwiebeln, er ist Hackfleisch, aber nicht in der Soße, er ist keinen Fisch, kein Lamm und nur bestimmtes GemĂŒse.

Eine Freundin meines Sohnes ist Vegetarierin. Eine Freundin meiner Tochter isst nur getrennt Gerichte. Also niemals einen Auflauf, kein Fleisch mit Soße, kein gemischtes GemĂŒse. Eine andere isst nichts Überbackenes.

Diese Liste ist noch beliebig erweiterbar.

FĂŒr viele Kinder zu Kochen ist fast nicht mehr möglich.

Kommen gleichzeitig mehrere Freunde, ist das Unternehmen „Kochen“ fast ein Ding des Unmöglichen. Und in solchen Momenten bedauere ich aufrichtig, dass der Spruch „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, in heutiger Zeit keine Bedeutung mehr hat.

Möchte ich es mir einfach machen, gibt es Pizza – die isst komischerweise auch das MĂ€dchen, das Lebensmittel ansonsten nur getrennt zu sich nimmt, ebenso wie die, die nichts Überbackenes mag – oder FischstĂ€bchen – die von dem nicht Fisch essenden Freund meines Sohnes immer begeistert begrĂŒĂŸt werden – oder Chicken Nuggets.

Als aufgeklĂ€rte Mutter weiß ich, dass die Gemeinsamkeit dieser Gerichte ist: Sie sind NICHT gesund!

In der Schule meiner Kinder sorgt ein Caterer fĂŒr ausgewogene ErnĂ€hrung. Doch kaum dĂŒrfen die Kinder das SchulgelĂ€nde verlassen, rennen sie zu McDonald, zur Dönerbude oder zu Subway.

Ist das nun der Erfolg der ErnÀhrungsberatung?

Jetzt mal einen Blick weg von unseren Kindern, betrachten wir uns.

SĂŒndige Gedanken vs. Vernunft.

Ich esse gerne ein gesundes Körnerbrötchen zum FrĂŒhstĂŒck, aber ich liebe es, ein duftendes, warmes Croissant mit „guter“ Butter und Marmelade zu bestreichen.

Obstsalat zum Nachtisch ist echt lecker, aber fĂŒr Pannacotta oder CrÚme Brulée könnte ich sterben.

Kartoffelknödel mit geschmolzener Butter zu einem Sauerbraten mit cremiger Soße, Spaghetti mit KĂ€se-Sahne-Soße, SpĂ€tzle mit Apfelmus, panierte Wiener Schnitzel mit Pommes, Bratkartoffeln mit gebackenem Fisch, Spargel mit Sauce Bernaise, WĂŒrstchen mit Kartoffelsalat – vielleicht ist ja auch ein Gericht dabei, wo Ihnen das Wasser im Munde zusammenlĂ€uft.

Und das passiert sicher nicht bei dem Gedanken an GrĂŒnkernbratling, gedĂŒnstetem Fisch oder GemĂŒse.

Ich weiß, was gesund ist und ich weiß, was mir schmeckt und viele gesunde Gerichte esse ich richtig gerne. Aber bei den ungesunden, habe ich sĂŒndige Gedanken. Wie das ja so immer ist, mit dem UnvernĂŒnftigen und Verbotenen. Es tut meistens nicht gut, aber man kann nicht widerstehen.

Probieren statt diskutieren.

Und damit sind wir beim Maß angelangt. Ich versuche mich und meine Lieben gesund und vernĂŒnftig zu ernĂ€hren. Aber so, wie ich mir ab und an ein zweites Glas Wein erlaube und zeitweise auch beim Essen ĂŒber die StrĂ€nge schlage, gestehe ich das auch meinen Kindern zu.

Ich gebe schon mal das Nutellatoast oder den Schokoriegel mit in die Schule oder gehe mit ihnen Junk Food essen, dafĂŒr mĂŒssen sie aber im Gegenzug auch GemĂŒse, Körnerbrot und Co. akzeptieren.

Nach dem Motto: „PROBIERT wird alles, was auf den Tisch kommt“.

Gabis Kolumne

Zeit fĂŒr TrĂ€ume

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Guten Tag!

Hirschberg, 22. MĂ€rz 2010. TrĂ€ume sind SchĂ€ume – oder doch nicht? Wir alle werden Ă€lter, die Welt ist globalisiert. Wohin im Alter? In den eigenen vier WĂ€nden bleiben, in die Toskana, an den Lago, nach Thailand oder Miami? Wer sich mit Freunden ĂŒber das Leben im Alter unterhĂ€lt, wird ĂŒberrascht – es gibt so viele TrĂ€ume. Und je mehr die Zeit lĂ€uft, umso mehr werden die TrĂ€ume, meint Gabi.

„Also ganz klar, wir gehen spĂ€ter mal auf die Kanaren“, sagten Freunde kĂŒrzlich bei einem Abendessen.

Der Lago Maggiore - wie schön, seufz. Bild: hblog

„Hm“, denke ich, „nicht schlecht, aber möchte ich wirklich meinen Lebensabend mit anderen Ă€lteren deutschen Senioren in einer Bungalowsiedlung irgendwo am Meer verbringen?“

„Ich wĂŒrde lieber, wenn die Kinder aus dem Haus sind, in eine Stadtwohnung ziehen, vielleicht nach Berlin. Da hat man das Theater, die GeschĂ€fte, Ausstellungen und so weiter direkt vor der HaustĂŒr“, sagte eine andere Freundin.

Anonym im Alter oder mit der Familie?

„Auch nicht schlecht“, denke ich. Aber möchte ich dann ganz anonym leben, die Freunde und Kinder weit weg?

Sobald die ersten Kinder geboren waren, haben wir alle vom Eigenheim mit großem Garten auf dem Land getrĂ€umt.

Nach und nach haben wir uns unsere TrĂ€ume verwirklicht. Zwar war der Garten nicht so groß oder auch nur ein Balkon. Und es war auch kein Landhaus in einem romantischen Ort in der Pfalz. Aber zumindest konnte man im Sommer den Grill rausstellen und den Kindern konnte man einen Sandkasten und eine Schaukel aufstellen.

Jetzt kommen die Kinder nach und nach in die PubertĂ€t und mein Sohn erklĂ€rte mir schon vor zwei Jahren, „also in so einem Kaff will ich spĂ€ter bestimmt nicht mehr wohnen.“

Mein Mann und ich trÀumen gerne von einem Haus am Lago Maggiore.

Ah, der Lago.

NatĂŒrlich direkt am See mit Bootssteg. In einem kleinen StĂ€dtchen, so dass man abends durch enge Gassen bummeln und dann in einer kleinen Trattoria ein Glas Wein trinken kann.

Ja, das wÀre nett.

„Aber Mensch, am Lago Maggiore ist es im Winter doch richtig kalt“, wirft eine Bekannte ein, „da kannste auch zu Hause bleiben. Ich geh-€ℱ lieber nach Thailand. Da ist es immer warm und du kriegst was fĂŒr dein Geld.“

Auch keine schlechte Argumentation, denke ich.

Eine thailÀndische Traumanlage - fern der Heimat, aber immer warm. Bild: hblog

„Wichtig fĂŒr mich sind doch vor allem die Kinder, die Freunde und die Familie. Ist das nicht ziemlich schwierig mit Mitte Sechzig irgendwo noch mal ganz neu anzufangen?“, sagt ein Freund.

Man sollte zumindest die Sprache sprechen, auf diese Grundvoraussetzung können wir uns alle einigen. Na ja, und die Kultur sollte doch auch Àhnlich sein. Damit streichen wir Thailand von der Liste.

„Wie wĂ€r-€ℱs denn mit Florida?“, fĂ€llt einer Freundin begeistert ein. „Englisch sprechen wir alle einigermaßen und die amerikanische MentalitĂ€t ist uns doch sehr Ă€hnlich.“ „Nee“, entgegnet ein Bekannter, „bevor ich nach Florida ziehe, gehe ich gleich ins Altersheim.“

Ganz schön schwierig.

„Alles ganz schön schwierig“, denke ich. Da ist die Welt schon so groß, die Kinder sind bald erwachsen und arbeiten muss man irgendwann auch nicht mehr und dennoch finden wir an jeder Idee wieder genĂŒgend auszusetzen.

„Ich hab-€ℱs: Also ich hĂ€tte am liebsten eine kleine Stadtwohnung und zusĂ€tzlich ein HĂ€uschen im SĂŒden und optimal wĂ€re natĂŒrlich, man könnte auch noch sein Haus behalten, so dass die Kinder alle an Weihnachten kommen können und man die Freunde treffen kann. Und im Winter, wenn-€ℱs hier so richtig kalt und trostlos ist, fĂ€hrt man fĂŒr vier Wochen nach Thailand“, erklĂ€rt freudestrahlend eine Freundin.

„Super Idee“, denke ich.

„Und wovon willst du das alles bezahlen. Renten kriegen wir kaum noch und im Moment zahlen wir alle noch an unseren HĂ€usern ab“, wirft der Kanarenfan ein. Und ĂŒberzeugt mich mit seiner Sachlichkeit sofort.

Klang schön, aber vollkommen unrealistisch.

„Das werden wir heute nicht mehr klĂ€ren“, denke ich.

Es bleibt viel Zeit fĂŒr TrĂ€ume.

Nur gut, dass es noch einige Jahre dauert, bis die Kinder wirklich aus dem Haus sind und wir die nĂ€chsten 20 Jahre oder mehr eh-€ℱ noch arbeiten mĂŒssen.

Da bleibt noch viel Zeit fĂŒr TrĂ€ume.

Und obwohl die Zeit immer mehr drĂ€ngt – vielleicht werden sie ja wahr.

Gabis Kolumne

Fitnesstrainer? Nein danke, ich habe Kinder.

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Guten Tag!

Hirschberg, 15. MĂ€rz 2010. Wer Kinder hat – dem ist nicht langweilig. Ein Termin jagt den anderen, eine Sitzung die nĂ€chste und irgendwie riecht es immer nach Kuchen, den man fĂŒr diverse Feste backen muss, wĂ€hrend man gerade mal wieder was bastelt oder organisiert. Kinder sind sowas wie ein Fitnessprogramm fĂŒr Eltern, meint Gabi.

Wie viele Stunden Ihres Lebens haben Sie schon auf Elternabenden, Schulfesten, Sportfesten und AuffĂŒhrungen jeglicher Art verbracht?
Wie viele Kuchen haben Sie gebacken wie viele und Salate haben Sie zubereitet? Wie viele Dekorationen gebastelt, Aufbau- und Abbaudienste geleistet?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mache es gern. Zugegeben: Es war mir nicht bewusst, als ich vor 15 Jahren meinen Erstgeborenen im Arm hielt, dass ich die nĂ€chsten 20 Jahre meine Wochenenden bei Sportvereinen, Schulfesten, Klassenwanderungen und Ähnlichem verbringen wĂŒrde. Dass ich mindestens vier Mal im Jahr auf Elternabenden hören mĂŒsste, was kein Mensch hören will und dass ich an Elternstammtischen meine knappe Freizeit mit Menschen zusammen sitze, mit denen mich nur die Tatsache verbindet, dass unsere Kinder zufĂ€llig in dieselbe Klasse gehen.

Ideal sind ein MĂ€dchen und ein Junge –
dann kriegt man das volle Programm.

Bei zwei Kindern beiderlei Geschlechts bekommt man so ziemlich von allem etwas mit. Ich war auf Tennisturnieren, Schwimm- und TurnwettkĂ€mpfen, habe mir BallettauffĂŒhrungen angeschaut sowie Karate- und Voltigierturniere. Ich habe fĂŒr die obligatorischen Weihnachtsfeiern Kuchen gebacken und fĂŒr die Sommer-Grillfeste Salate zubereitet.

Manches haben meine Kinder schon nach Kurzem wieder aufgegeben, manches hat mich Jahre lang begleitet. Von Fußball blieb ich Gott sei Dank verschont, denn das muss, so habe ich mir sagen lassen, das hĂ€rteste Programm sein.

„Meine Mama macht das gerne.“ Achso.

Neben den FreizeitaktivitĂ€ten gibt es natĂŒrlich auch die Kindergarten- und Schulveranstaltungen. Will sagen, angefangen vom „Laterne laufen“ ĂŒber Bastelnachmittage – ich habe alles mitgenommen. GlĂŒcklicherweise (?) waren und sind meine Kinder auch an ihrer Schule Ă€ußerst aktiv. Das heißt, sie machen bei TheaterauffĂŒhrungen mit, sind im Chor und wenn freiwillige Elternarbeit erwartet wird, rufen sie immer, „meine Mama macht das gerne“.

Äußerst beliebt sind auch Familienwanderungen am Wochenende. So bin ich beispielsweise schon dreimal nach Buchklingen gekommen (Tipp: der grĂŒne Baum bietet Platz fĂŒr ganze Klassen plus Familien). Und nahezu obligatorisch sind Grillfeste an der Freizeithalle und spĂ€ter dann im Luisenpark.

Nicht ganz so gesellig sind oft die Elternabende. Und auch hier habe ich das GlĂŒck Kinder beiderlei Geschlechts zu haben.

Nach den einstimmenden Worten „wir gehen gerne in die Klasse ihrer Kinder“, folgte meist, „aber die Klasse ist sehr unruhig und undiszipliniert, zu dem lĂ€sst die Einstellung zu Hausaufgaben zu wĂŒnschen ĂŒbrig“.

Unfug? Hoffentlich wars nicht mein Junge.

Und wer ist meist Schuld? Richtig, die Jungs. Jahrelang habe ich bei diesen Worten meinen Kopf eingezogen und gehofft mich unsichtbar machen zu können. Denn ich wusste, wenns um Unfug ging, war mein Sohn immer vorne mit dabei.

Also saßen einige Jungen-Eltern (nicht alle, denn es gibt ja auch brave Jungs) mit der BĂŒĂŸermiene vor den Lehrern und hofften, die Predigt wĂŒrde diesmal nicht so heftig ausfallen und keiner der MĂ€dcheneltern wĂŒrde einen spĂ€ter zur Seite nehmen.

Unfug? In der Klasse meiner Tochter machen den Jungs.

Bei den Elternabenden meiner Tochter erlebe ich das ganz anders. Meine Tochter macht ihre Hausaufgaben regelmĂ€ĂŸig, hat weder Nachsitzen noch Strafarbeiten. Dass heißt nicht, dass sie auch zu Hause ein Engel ist, das heißt lediglich, dass sie weiß, wie man sich im Unterricht benehmen muss. Also sitze ich entspannt inmitten der anderen Eltern und bin auch anschließend gerne zu einem PlĂ€uschchen bereit.

Vor Kurzem habe ich mal wieder vier Stunden meines Lebens auf einem Schulfest verbracht – praktischerweise gehen meine Kinder inzwischen auf die gleiche Schule, was rein rechnerisch die Stunden auf Schulfesten, Weihnachtskonzerten, TheaterauffĂŒhrungen etc. halbiert – anschließend habe ich mit meiner Freundin, deren Kinder, die gleiche Schule besuchen, einen Kaffee getrunken.

WĂ€hrend wir rechneten, wie viel Schulfeste noch vor uns liegen, wurden wir ganz wehmĂŒtig. Wie schnell waren doch die Jahre im Kindergarten und in der Grundschule vergangen und wie bald wĂŒrden unsere Großen ganz die Schulzeit hinter sich lassen.

Das alles ist anstrengend – aber auch schön.

Und eigentlich, wenn wir ehrlich sind, haben wir bei all diesen AktivitĂ€ten auch viel Schönes erlebt. Hier sind nicht nur die Freundschaften unserer Kinder, sondern auch unsere Freundschaften entstanden. Wir haben manches tolle Fest gefeiert und bei AuffĂŒhrungen die eine oder andere TrĂ€ne vergossen. KĂŒnftig, nahmen wir uns fest vor, werden wir mit noch mehr Euphorie dabei sein.

Ende letzter Woche erreichte mich eine Email des Elternbeirats, demnÀchst werden wir mit der Klasse meiner Tochter wandern.

Und nun raten Sie mal wohin? Richtig, nach Buchklingen. Und wissen Sie was, ich freu-€ℱ mich drauf.

Und ich sage Ihnen noch etwas: So viel wĂ€re ich wahrscheinlich nicht an der frischen Luft gewesen, ich hĂ€tte mich weniger bewegt und so gesehen, sind Kinder, sofern man die Einstellung hat „Mama macht das gerne“, die besten Fitnesstrainer der Welt.

Gabis Kolumne

Topmodels? Ohne mich!

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Guten Tag!

Hirschberg, 08. MÀrz 2010. Was bewegt Deutschland? Neben der Kopfpauschale und Hartz IV auch das, wovon viele trÀumen: Ein Topmodel zu sein, meint Gabi und sagt wie immer montags, was sie davon hÀlt.

Vergangene Woche ging es wieder los und wird uns siebzehn Wochen lang, jeden Donnerstag Abend, verfolgen: Germany-€ℱs Next Topmodel (GNTM). Es ist die 5. Staffel, die unsere Heidi aus dem Rheinland, die Supermutti, Deutschlands Exportschlager und Everybody-€ℱs Darling auf Pro7 moderiert. Und ich frage mich wie Millionen anderer Frauen: Soll ich mir das antun?

2000 MĂ€dchen haben sich vergangene Woche in Köln einen Platz beim Massencasting erstĂŒrmt.

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Die fĂŒnfte Staffel. -© ProSieben/Oliver S.

Und wĂ€hrend deutsche Frauenzeitschriften wie Brigitte, sich von den Models und dem Magerwahn abwenden, plant Heid Klum noch dĂŒnnere MĂ€dchen auszuwĂ€hlen, noch dramatischere Shootings und noch hĂ€rtere Castings zu zeigen.

An ihrer Seite in der Jury sitzen jetzt auch nicht mehr Peyman Amin – der wollte mit seiner Model-WG seine eigene TV-Karriere anschieben – und Rolf Schneider, sondern Fotograf Christian Schuller und „Q“ alias Qualid Ladraa.

Bunte“Hunde“.

Heidi stellt „Q“ als „bunten Hund der Modewelt“ vor und von sich selbst behauptet der „schöne“ Deutsch-Marokkaner, aus 20 Kilometer Entfernung das Potential eines möglichen Models entdecken zu können.

Brauchen wir so eine Sendung, frage ich mich? Möchte ich, dass meine 11-jĂ€hrige Tochter hier ihre Vorbilder findet? Eine Welt, in der die FĂ€higkeit auf 15-Zentimeter-High-Heels ĂŒber den Catwalk zu laufen, das Maß aller Dinge ist?

Ich muss gestehen, dass ich bei den vergangenen beiden Staffeln ziemlich hĂ€ufig reingeschaltet habe und, natĂŒrlich auch meine Favoritinnen hatte. WĂ€hrend mein Mann und mein Sohn schreiend das Wohnzimmer verließen, haben meine Tochter und ich zuweilen mitgefiebert.

Denn es gab und gibt ja auch viel zu sehen:

Wen trifft diesmal die Kritik am hÀrtesten? Wer bricht in TrÀnen aus? Und bei wem entdeckt Heidi Persönlichkeits- und Entwicklungspotenzial?

Ist es nicht einfach zu spannend?

Die einzelnen Shootings sind ja auch zu spannend: Wer traut sich mit Kakerlaken, Krokodilen, Vogelspinnen oder Schlangen zu posieren? Wer schafft es in die Tiefe? In den Windkanal? In höchste Höhen? In die Eiskammer? Oder stundenlang in den kalten New Yorker Regen? Und so Àhnelt das alles schon eher einem Survival-Traing als einer Casting-Show.

Ebenso spannend ist das Drama zwischen den Kandidatinnen: Da wird gemobbt und gezickt, was das Zeug hĂ€lt. RegelmĂ€ĂŸige NervenzusammenbrĂŒche sind hier an der Tagesordnung.

Mittendrin gibt Heidi mal die Psychologin, mal die Mutti, aber natĂŒrlich auch die knallharte Mode-Business-Frau, die dann schon mal sagt „Wer was erreichen will, muss da durch, wenn du das -۩ nicht kannst, kannst du gleich nach Hause gehen.“

Heidi piepst was von „Persönlichkeit“.

Mit ihrer Piepsstimme verkĂŒndet Frau Klum, die ja inzwischen Frau Samuel heißt, dass sie bei den MĂ€dchen die Persönlichkeit, das gewisse Etwas sehen und finden möchte. NatĂŒrlich gepaart mit den Modelmaßen 90-60-90 und mindestens 1,75 Meter GrĂ¶ĂŸe.

Und so startete die 5. Staffel vergangenen Donnerstag mit dem ersten groben Aussortieren. Und wieder achteten Heidi und ihre Juroren auf eine Dramen versprechende Mischung in ihrer Auswahl der Kandidatinnen:

Die schĂŒchterne 16-jĂ€hrige mit der Zahnspange, eine aufgedonnerte Miss-Russland, die laut dem Fotografen Christian Schuller, einem Frauenbild nacheifert, das in unserer westlichen Welt nicht mehr existiert.

Eine große HĂŒbsche mit einem abstehenden Ohr namens „Freddy“ – und halt, haben wir nicht irgendwann auch mal in den Medien gelesen, dass Heidi ihren BrĂŒsten Namen gegeben hat, aber das nur am Rande – , zwei DunkelhĂ€utige und zwei MĂ€dchen aus Bayern und Österreich, die sich beim Casting kennengelernt haben und sich jetzt schon „so lieb“ haben.

Endlose LĂ€ngen bis zum „Erfolg“ – fĂŒr wen?

Eine erzĂ€hlt der fassungslosen Jury, dass ihr Freund sie nach drei Jahren verließ, weil sie sich bei GNTM bewarb und bei einer anderen musste wĂ€hrend der Sendung ein Oberlippen-Piercing mit der Zange entfernt werden.

Die AusgewÀhlten mussten die erste Nacht auf Feldbetten in einem Lager verbringen, denn der Weg zur Model-Villa ist steinig und schwer, wie ihnen von der Jury immer wieder bewusst gemacht wird.

Und ich denke, diesmal werde ich diesen Weg nicht begleiten. Ich möchte keine weiteren Dramen und Mutproben mehr sehen und ich möchte keine nerviges und menschenunwĂŒrdiges Niedermachen und Rausschmeißen mehr ertragen, was andauernd durch Werbeblöcke endlos in die LĂ€nge gezogen wird.

Und vor allem möchte ich nicht, dass meiner Tochter diese unrealistischen Werte als richtig und wichtig fĂŒr ihr Leben vermittelt werden.

Heidi „go your way“, aber ohne mich – zumindest nicht regelmĂ€ĂŸig.

gabi

Gabis Kolumne

„Putzen macht glĂŒcklich“

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Guten Tag!

Hirschberg, 01.MĂ€rz 2010. Auch wenn nach wochenlanger KĂ€lte, viel Schnee und aktuell stĂŒrmischen Zeiten nicht viel dafĂŒr spricht: Heute ist FrĂŒhlingsanfang! Und mit dem FrĂŒhling kommt der FrĂŒhjahrsputz. Und der macht „glĂŒcklich“, meint oder fragt sich unsere Kolumnistin Gabi. Immer montags.

Endlich! Heute beginnt der meteorologische FrĂŒhling!

Der Winter, und da geben Sie mir sicher Recht, war lang, kalt und es gab richtig viel Schnee. Ich bin kein Wintermensch, das heißt, ich kann es kaum abwarten, bis die ersten Blumen im Garten kommen und die Sonne strahlt.

Doch herrje, mit den ersten FrĂŒhlingsstrahlen vor ein paar Tagen sah ich auch, dass meine Fenster dringend geputzt werden mĂŒssen und ich sah den Staub auf den BĂŒchern und in den Ecken.

Das ganze Haus schreit nach einem FrĂŒhjahrsputz. WĂ€hrend die MĂ€nner mit ihren Autos in die Waschanlage fahren, um den Winterdreck zu entfernen, fangen die Frauen an den Staubwedel zu schwingen.

Denn: „Putzen macht glĂŒcklich“, behauptete zumindest eine Überschrift in einer Frauenzeitung. Und dem nicht genug, las ich im Internet, dass der FrĂŒhjahrsputz nicht, wie man denken könnte, eine Erfindung schwĂ€bischer Superhausfrauen ist, sondern dass man bereits im alten Rom dem jĂ€hrlichen Reinigungswahn am Ende des Winters verfiel. Denn Februar kommt von dem lateinischen Wort „februare“ und das heißt: reinigen.

Praktischerweise fand ich auch gleich eine Liste, was unbedingt zum FrĂŒhjahrsputz gehört und das war eine ganze Menge:

  • TiefkĂŒhltruhe abtauen und putzen
  • Gardinen waschen
  • Spinnweben entfernen
  • Überall die Lampen putzen
  • Bilderrahmen putzen und eventuell Bilder auswechseln
  • Im Bad alle Kacheln feucht abwischen
  • Möbel und Regale mal grĂŒndlich abwischen und die BĂŒcher ausmisten.
  • Die Winterklamotten aus dem Kleiderschrank rĂ€umen, diesen ausputzen und die Sommersachen heraus holen
  • Die ĂŒbrigen SchrĂ€nke und Regale in der Wohnung nach und nach aufrĂ€umen und putzen und die Bastel- und Dekosachen ausmisten
  • Topfpflanzen umtopfen
  • Fenster putzen
  • Heizkörper reinigen

Das ist ganz klar kein Programm fĂŒr nur einen Samstag. Das sieht nach viel, viel Arbeit aus. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich ĂŒberhaupt keine Lust, das alles alleine zu machen. Schließlich leben hier vier und mehr Menschen im Haus und die sollte ja auch an meinem GlĂŒck teilhaben.

Mein Sohn gönnt mir die volle Ladung GlĂŒck, meine Tochter ist verabredet, mein Mann in der Waschanlage…

Also teilte ich die Arbeit gerecht auf.

Die Kinder waren zustĂ€ndig fĂŒr ihre Zimmer. Mein Mann fĂŒrs BĂŒro und die Garage. Ich ĂŒbernahm das Schlafzimmer. Die GemeinschaftsrĂ€ume – Bad, KĂŒche, Wohn- und Esszimmer sowie der Keller – sollten gemeinschaftlich gereinigt werden.

Doch so sehr ich auch das sich einstellende GlĂŒcksgefĂŒhl anpries, bei meinen Lieben konnte ich damit nicht landen. Mein Sohn erklĂ€rte mir, dass er gerne auf sein GlĂŒck verzichtet und mir die komplette Ladung „GlĂŒck“ gönnt – immerhin ließ er sich aber darauf ein, sein Zimmer aufzurĂ€umen.

Meine Tochter hatte zumindest so viel FrauensolidaritĂ€t, dass sie mir versicherte, „Mama, da werde ich dich auf alle FĂ€lle unterstĂŒtzen.“ Das erfĂŒllte mich mit GlĂŒck: „Nur leider nicht diesen Samstag, da bin ich schon verabredet.“

Und mein Mann murmelte etwas wie „Dreck schadet dem Lack“ und verschwand mit dem Auto Richtung Waschanlage.

Da stand ich nun mit meiner Liste und hatte ziemlich viel Wut im Bauch. Und mit Wut – das können Sie mir glauben – lĂ€sst es sich vortrefflich putzen.

Ich habe an diesem Samstag nicht alle Punkte abgearbeitet, aber am Abend strahlten nicht nur meine Fenster, sondern auch ich, denn, wie schon gesagt, „Putzen macht glĂŒcklich“ und meine Lieben hatten alle ein schrecklich schlechtes Gewissen und schauten dementsprechend unglĂŒcklich aus der WĂ€sche.

gabi

Gabis Kolumne

Der Tag der Liebe war gestern. Und heute?

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Guten Tag!

Hirschberg, 15. Februar 2010. Gestern war der Tag der Liebe – heute ist ein neuer Tag. Ohne Liebe? Das wĂ€re aber sehr schade, meint zumindest Gabi. Und ĂŒberhaupt: Was ist das eigentlich? Nur ein Marketing-Schachzug der Floristen oder hat „Valentin“ tatsĂ€chlich eine Tradition? Gabi hat recherchiert und ihre Gedanken zum Ergebnis aufgeschrieben. Wie immer montags – den soviel ist sicher: Montag kommt Gabis Kolumne.

Haben Sie gestern etwas zum Valentinstag bekommen? Vielleicht einen Strauß Rosen oder ein Schokoladenherz oder gar einen Gutschein fĂŒr Schuhe, denn die halten ja bekanntlich lĂ€nger als Blumen, wie ich vor ein paar Tagen gerade in der Werbung gehört habe. Dann freue ich mich fĂŒr Sie, ehrlich.

Ich habe nichts bekommen – und das ist auch gut so, denn mich verbindet nichts mit dem „Tag der Liebe“, den in meiner Jugend noch niemand zelebrierte. Ich freue mich auch an anderen Tagen ĂŒber die Aufmerksamkeiten meines Liebsten.

Marketing oder Tradition?

„Ist das nach dem „Muttertag“ wieder eine gutgemachte PR-Kampagne der BlumengeschĂ€fte oder steckt mehr dahinter?“, fragte ich mich und fing an zu googlen.

teaserherzAls erstes fand ich heraus, dass dieser Tage der Film „Valentinstag“ angelaufen ist. Shortcuts rund um den „Tag der Liebe“ mit vielen Hollywoodstars. Hier dreht sich alles darum, ob und wie man diesen Tag begeht, ob man ein Geschenk oder einen Heiratsantrag bekommt oder vergessen wird.

Auch in einer bekannten deutschen Daily Soap stand der Valentinstag in dieser Woche im Mittelpunkt. Ganz klar, bei den jungen Leuten ist dieser Tag angekommen.

„Aha!“, denke ich: Fleurop macht an diesem Tag zehn Prozent des Jahresumsatzes.

In Mannheimer Schulen konnte man in dieser Woche auch Rosen verschicken, die nach den Ferien auch ĂŒber die Grenzen der eigenen Schule verteilt werden – schlecht, wenn man keine bekommt. Es geht um Liebe und Anerkennung – das kann bei Jugendlichen leicht zur Hysterie fĂŒhren.

Liebe ist gut fĂŒrs GeschĂ€ft.

Ob Blumen, Schmuck oder Pralinen der „Valentinstag“ kurbelt eindeutig das GeschĂ€ftsleben an – und das können wir ja gebrauchen, denke ich, vor allem in Krisenzeiten.

Aber ist der Valentinstag jetzt wirklich nur eine gute GeschÀftsidee?

Ich googelte weiter und fand Bischof Valentin auf den dieser Tag namentlich zurĂŒckgehen soll.

Valentin war im dritten Jahrhundert nach Christus der Bischof der italienischen Stadt Terni. Er hatte laut dieser Legende einige Verliebte christlich getraut, darunter Soldaten, die nach damaligem kaiserlichen Befehl unverheiratet bleiben mussten. Zudem hat er der Legende nach den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt.

Der arme Valentin wurde geköpft.

Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. Auf Befehl des Kaisers Claudius II. wurde er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet.

Aber ich finde noch mehr: Eine andere Legende bringt das Datum in Zusammenhang mit dem römischen Fest Lupercalia, die Nacht vom 14. auf 15. Februar. Es ist das Fest der großen Göttin er Göttin des „Liebesfiebers“.: Römische junge MĂ€nner zogen die Namen von römischen jungen Frauen aus einer Urne, um mit diesen eine Partnerschaft zu bilden.

In Japan beschenken am 14. Februar Frauen ihre EhemĂ€nner, mĂ€nnliche Kollegen, Chefs usw. mit Schokolade. DafĂŒr dĂŒrfen sie dann einen Monat spĂ€ter am „White Day weiße Schokolade als Gegengeschenk erwarten.

YstĂ€vĂ€npĂ€ivĂ€ – so heißt Valentin auf finnisch.

Nicht ganz so romantisch ist der Valentinstag in Finnland („YstĂ€vĂ€npĂ€ivĂ€“). Dort ist er ein Freundschaftstag, an dem gute Freunde sich gegenseitig mit Valentinskarten und Valentinsgeschenken bedenken.

Die PopularitĂ€t des Datums im angelsĂ€chsischen Bereich beruht auf einem Gedicht des englischen Schriftstellers Geoffrey Chaucer, „Parlament der Vögel“, das 1383 vermutlich aus Anlass einer Valentinsfeier am Hof Königs Richard II. fertig gestellt und erstmals öffentlich vorgetragen wurde. In dem Gedicht von Chaucer wird dargestellt, wie sich die Vögel zu eben diesem Feiertag um die Göttin Natur versammeln, damit ein jeder einen Partner finde.

Seit dem 15. Jahrhundert werden in England Valentinspaare gebildet, die sich kleine Geschenke oder Gedichte schicken. Die Verbindung mit Blumengeschenken könnte auf die Gattin des Dichters Samuel Pepys zurĂŒckgehen, die 1667 mit einem Blumenstrauß auf Pepys‘ Liebesbrief reagierte. Von da an wurde die Verbindung von Brief und Blumen in der noblen britischen Gesellschaft nachgeahmt.

Valentin gibt es bei uns in Deutschland seit 1950.

Englische Auswanderer nahmen den Valentinsbrauch mit in die „Neue Welt“, die USA – und die US-Soldaten brachten nach dem Zweiten Weltkrieg diesen Brauch mit nach Deutschland. So veranstaltete man 1950 in NĂŒrnberg den ersten „Valentinsball“; der Valentinstag wurde offiziell eingefĂŒhrt.

Was ich gefunden habe, hat mich erstaunt: Dann ist dieser „Tag der Verliebten“ doch mehr als eine PR-Kampagne der BlumenlĂ€den, Juweliere und Geschenkeproduzenten.

Wie schon gesagt: Ich habe noch nie etwas zum Valentinstag bekommen und das stört mich auch gar nicht. Aber ich freue mich fĂŒr all-€ℱ die Jungverliebten, die sich gestern beschenkt haben.

Und „Ich denk-€ℱ an Dich“ zu sagen, ob mit Gedichten, Blumen oder kleinen Geschenken ist an jedem Tag im Jahr schön, ĂŒberall auf der Welt – auch am Valentinstag.
gabi

P.S. Hier noch eine „herzige“ Geschichte auf dem KopfschĂŒttel-Blog