Sonntag, 13. Juni 2021

Gabis Kolumne

Die Socken-Plage

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Guten Tag!

Hirschberg, 08. Februar 2010. Manche Menschen denken, dass sie Probleme haben. Manche haben tatsĂ€chlich ein Problem – mit was auch immer. Gabi hat ein ganz konkretes Problem und das heißt: Socken. Die Socken-Plage ist sogar ein ganz und gar unlösbares Problem, meint zumindest Gabi. Immer montags.

Sie wissen schon, dass ich nicht gerne bĂŒgle. Was ich noch weit mehr verabscheue ist das Sortieren von Socken.

HĂ€tten meine Lieben bunte Socken – rote, gelbe, grĂŒne -, wĂ€re das Socken-Chaos vielleicht noch spaßig. Aber: Bis auf meine Tochter tragen alle anderen schwarze bis dunkelblaue oder dunkelgraue Socken. (Sie wissen schon: Weiße Tennissocken gehen gar nicht…)

Doch das Zusammenlegen dieser „KleidungsstĂŒcke“ artet alle paar Tage in ein nervenzerreißendes Puzzlespiel aus.

Fies: Die blöden Socken sehen irgendwie alle gleich aus.

Denn: WÀren die Socken wenigstens alle gleich, könnte man sie beliebig paaren.

Doch Socken sind so unterschiedlich wie die Menschen. So muss man nach den Unterschieden suchen, um das jeweilige Pendant zu entdecken.

Das Fiese dabei: Sie sehen fast gleich aus. Das Detail, das Besondere entscheidet, welche Socke zur anderen gehört.

Die Folge: Wer mit einem verschiedenen paar Socken durch die Welt lĂ€uft, ist entweder genial, verrrĂŒckt oder… schlampig.

Wer ist schon genial? Und wer will schon eine der anderen Optionen ziehen? Oder dafĂŒr verantwortlich sein? Und wer will sich schon auf seine Socken reduzieren lassen?

Ordentliche Menschen tragen ordentliche Socken. Wer ist dafĂŒr verantwortlich? Ich.

Ordentlich gesockt durchs Leben zu Laufen ist also wichtig. Das Sockenzusammenlegen ist eine Aufgabe, die ĂŒber das Image entscheidet.

Stellen Sie sich mal vor, wenn Sie oder jemand, fĂŒr den Sie verantwortlich sind, im Fernsehen gezeigt wird und die Kamera zeigt „unordentliche“ Socken? Da kann man sagen, was man will, sich verhalten, wie man will… Die Socken entscheiden. (Ich gucke immer auf die Socken, Sie nicht?)

Wer die Socke nicht achtet, der verliert.

Sockenzusammenlegen ist also eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Hinderlich ist: Beim Waschen gehen aus unerfindlichen GrĂŒnden immer wieder welche verloren. Die „bessere HĂ€lften“ fristen dann einsam und verlassen in meinem WĂ€schekorb ihr Singledasein und warten auf einen Partner, der wahrscheinlich nie zurĂŒckkehrt.

Irgendwann habe ich mal in einer Frauenzeitschrift gelesen, dass zwischen WĂ€schetrommel und Waschmaschine eine LĂŒcke entstehen kann und die Socke hierdurch verschwindet und dann durch den Abfluss in die Kanalisation gezogen wird.

Horror: Vereinsamte Socken finden nie mehr zueinander.

Schaurige Vorstellung. Irgendwo da draußen treffen sich dann all die einzelnen Socken und suchen verzweifelt nach ihrem Partner, den sie nie mehr wieder finden.

(Arni löst das Sockenzusammenlegenproblem so)

Da sich dieser Socken-Sortier-Horror wöchentlich bei mir wiederholt, wollte ich gerne von meinen Kolleginnen wissen, wie sie diese hausfrauliche Herausforderung bezwingen.

„Ich mach das ganz einfach“, erzĂ€hlte die eine, „wir haben im Bad einen großen Korb stehen und da werfe ich die frisch gewaschenen, einzelnen Socken meiner Jungs und meines Mannes hinein, die mĂŒssen sich die schon selbst zusammensuchen. Jahrelang habe ich mich damit gequĂ€lt, vor allem, dass die Socken immer falsch herum in der WĂ€sche landen. Damit ist jetzt Schluss: Ich dreh-€ℱ sie nicht mehr um und lege sie nicht mehr zusammen.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal echt emanzipiert und konsequent. In meiner Phantasie stelle ich mir einen riesigen Korb voller Socken vor.

LösungsansÀtze, die mir nichts, aber auch gar nichts nutzen.

„Und wie machst Du das?“, fragte ich meine Ă€ltere Kollegin. „Na ja, wir sind ja nur noch zu zweit, da ist das nicht mehr so aufwĂ€ndig. Ich lege die Socken paarweise zusammen, stecke sie nur am Bund leicht zusammen und sortiere sie nebeneinander und farblich abgestimmt in die Schublade meines Mannes. Socken verwinden nie bei uns und mein Mann dreht sie natĂŒrlich auch auf die richtige Seite bevor sie im WĂ€schekorb landen“, gibt sie bereitwillig Auskunft.

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal ordentlich. Aber irgendwie habe ich ihr nicht geglaubt. Denn das Problem des „Sockenlochs“ in der Waschmaschine hat sie ausgeklammert.

Eine jĂŒngere, noch kinderlose Kollegin hörte uns aufmerksam zu und schĂŒttelte dann den Kopf: „Was ihr euch Probleme macht… Wir haben das ganz einfach gelöst. Die Socken meines Freundes sind alle schwarz und von der gleichen Marke, ich trage nur NylonstrĂŒmpfe oder seine Socken.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal strukturiert. So, denke ich, habe ich das vor meiner Zeit als Mutter und Hausfrau auch gemacht.

„Konsequent, ordentlich, strukturiert“ schwirrt es mir durch den Kopf.

Ich habe keinen Freund, sondern einen Mann und außerdem noch Kinder. Ich kann nicht anders: Ich bin fĂŒr alle da. Auch als Sockenumdreherin.

Meine Frage wurde nicht beantwortet: Was fange ich jetzt mit diesen Informationen an?

Stelle ich jetzt einen Korb im Bad auf und riskiere, dass mein Sohn mit ungleichen Socken (das wĂŒrde er tun) als verrĂŒckt abgestempelt wird? Niemals!

Werfe ich alle Socken weg und kaufe neue, die nach Farbe und Marke den einzelnen Familienmitgliedern farblich zugeordnet werden? Dann dĂŒrfte ich niemals mehr die Socken der MĂ€nner anziehen, weil ich meine noch nicht zusammengelegt habe. Vollkommen unpraktisch!

Wann wird es endlich Sommer? = Sockenfreie Zeit

Oder erziehe ich meine Familie dazu, die Socken paarweise und umgedreht in den WĂ€schekorb zu werfen und danke es ihnen mit farblich sortierten Sockenschubladen? Utopische Vorstellung – das mit der Erziehung.

Keine dieser Lösungen kommt also fĂŒr mich in Frage, da bleibt nur eins: Ich freue mich auf den Sommer, da tragen zumindest meine Tochter und ich – und ab und an auch die MĂ€nner – keine Socken.

Das reduziert das Problem, also die Socken-Plage, zumindest fĂŒr einige Monate um mindestens 50 Prozent.

gabi

Gabis Kolumne

Was eine „Halbjahresinformation“ bedeutet

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Guten Tag!

Hirschberg, 01. Februar 2010. Am Mittwoch gibt es die „Halbjahresinformation“. FrĂŒher hieß das „Zeugnis“. Wie es auch heißt – die Noten zeigen, ob die Kinder „auf dem richtigen Weg“ sind. Doch welcher ist das?, fragt sich Gabi, die auch nicht immer auf dem aus Sicht der eigenen Eltern „besten Weg“ war.

Dieser Tage saß ich mit meinen Freundinnen bei einer Tasse Kaffee und wir diskutierten unsere Köpfe heiß. Um was es ging? Um die sogenannte „Halbjahresinformation“.

Und wie mein Sohn mir erklÀrte, hat die auch rein gar nichts mit einem Zeugnis zu tun.

Denn, wie der Name schon sagt, wird man als Eltern sozusagen ĂŒber einen Zwischenstand informiert. Quasi wie die Halbzeit beim Fußballspiel. Was ja, wie wir alle wissen, nichts mit dem Endergebnis zu tun hat. Wobei eine 4 in der Halbzeit selten zu einer 1 im Endergebnis werden wird, genauso wenig wie ein 6:0 selten zu einem 6:10 gedreht werden kann – und ich bin bei Gott kein Fußballexperte.

Gut – noch schaue ich gelassen dem kommenden Mittwoch entgegen. Einer meiner Freundinnen ging es da schlechter: Ihr Sohn hatte seinen Halbzeitstand schon bekommen und dementsprechend war ihr GemĂŒtszustand – alles andere als bestens.

Das Ergebnis zÀhlt.

Sie erzĂ€hlt, dass eine ihrer Freundinnen vom Psychologen zu hören bekam: „Das sind nicht Ihre Noten. Sie haben ihren Schulabschluss schon gemacht. Die Kinder mĂŒssen ihren eigenen Ehrgeiz entwickeln.“

Soweit so gut. Aber was tun, wenn der Ehrgeiz nicht von alleine kommt? Sollen wir unsere Kinder einfach auflaufen lassen?

„Also, als erstes geht erst mal die Playstation auf den Speicher“, sagte meine Freundin. Wir anderen nickten zustimmend. Das war eine klare Maßnahme und wĂŒrde sicherlich wirken.

„SchrĂ€nke doch seinen Kontakt mit der Freundin ein. Das trifft ihn bestimmt“, schlug eine der Frauen vor. „Das sollte vielleicht eher mein Mann machen, sonst sieht es nach Aktion eifersĂŒchtige Mutter aus“, gab eine andere Freundin zu bedenken.

„Also ich habe bei meiner Tochter die besten Erfahrungen mit einer Mathe-Nachhilfeschule in den Ferien gemacht“, warf eine dritte Freundin ein.

Es durchzuckte uns wie ein Blitz. Ja, das sah wirklich nicht nach Spaßprogramm aus und schien, wie das Ergebnis zeigte, sehr erfolgversprechend aus. Aber konnten wir das unseren armen Schulreform-geplagten Kindern wirklich antun? Vier Wochen tĂ€glich vier Stunden Mathe in den Sommerferien? Und wer kann sich das schon leisten?

„Wenn ich mich erinnere, wie schlecht ich in der 7. Klasse war, und in der 8. Klasse hat nicht viel gefehlt und ich wĂ€re sitzengeblieben, habe ich hintenraus doch noch ganz gut abgeschnitten“, erinnerte ich mich.

Aber wir hatten das GlĂŒck der reformierten Oberstufe, fast alles, was uns nicht passte, konnten wir abwĂ€hlen.

Haben sich unsere Eltern so um die Schule gekĂŒmmert, wie wir das heute tun? „Nein, mein Vater hat mich ab und an in Latein abgehört, was ganz schrecklich war, und meine Mutter in Französisch, das war schon alles“, erzĂ€hlt eine Freundin.

Aber haben wir unsere Kinder nicht gepampert von Anfang an? Waren wir nicht im Kinderturnen, haben unzĂ€hlige Bastelnachmittage, Elternabende und LehrergesprĂ€che ĂŒber uns ergehen lassen? Wie können wir sie jetzt mitten in der PubertĂ€t sitzen lassen und von ihnen eigenen Ehrgeiz erwarten?

Das Leben ist kein Picknick.

„Ja, und was machst Du, wenn Dein Sohn eine Ausbildung anfĂ€ngt oder studiert? Wirst Du ihm dann die Berichte schreiben oder bei den Seminararbeiten helfen?“, fragt mich eine Freundin. „Aber nein, nach der Schule ist er selbstverantwortlich“, entgegne ich nicht ganz so ĂŒberzeugt, wie ich es gerne sein wĂŒrde.

Es ist nicht immer leicht eine Position zu finden, wenn man die Kinder einerseits so gut verstehen kann und andererseits weiß, dass das Leben eben kein Picknick ist. Und fĂŒr den Blödsinn, den wir veranstaltet haben, waren wir schließlich auch selbst verantwortlich.

Schule ist schließlich nicht alles, versuche ich mich zu beruhigen. „Wenn meine Kinder eine schlechte Note nach Hause bringen, ist mein Tag gelaufen“, gesteht eine gute Bekannte. Und trifft mit dieser Aussage in der Runde auf mehr VerstĂ€ndnis als auf Widerspruch.

Der nĂ€chste Mittwoch darf und wird kommen und schließlich ist es ja nur eine Halbjahresinformation und kein Halbjahreszeugnis wie in meiner Schulzeit.

Da gab es auch noch keine Zensuren wie 5+ oder 3-4. Da war eine 5 eine 5 und man hatte eine 3 oder eine 4 oder auch eine 1 oder eine 2.

„Siehst du“, sagte mein Sohn, „deshalb heißt es jetzt ja auch Information.“

gabi

Gabis Kolumne

Frauen lieben hĂŒbsch, MĂ€nner die Funktion

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Guten Tag!

Hirschberg, 25. Januar 2010. Frauen lieben die Ästhetik, MĂ€nner wollen wissen, was „es“ kann. „Es“ ist beliebig zu ersetzen mit allem, was beispielsweise mit Technik zu tun hat. Sinn und Unsinn sind egal – solange die Farbe gefĂ€llt, sagt Gabi. Und das meint sie ernst. Den beim Geschmack hört die Freundschaft auf.

Meine Kollegin erzĂ€hlte mir vergangene Woche von ihrem neuen Auto. Und was war meine erste Frage? Richtig! „Welche Farbe hat es denn?“

Nicht die PS-Zahl oder die technischen Finessen (außer vielleicht der Sitzheizung und einem „Navi“) sind das, was uns Frauen interessiert. Uns interessiert die Ästhetik.

Meine Eltern haben sich einen neuen Flachbildschirm-Fernsehen gekauft. WĂ€hrend mein Vater mir die neuesten technischen Errungenschaften erklĂ€rt, bedauert meine Mutter die Farbe des GehĂ€uses. Sie hĂ€tte den Apparat lieber in „silber“ gehabt. Das hĂ€tte besser zur Einrichtung gepasst als das harte Schwarz.

Handys fĂŒr Frauen mĂŒssen vor allem hĂŒbsch sein – die fĂŒr MĂ€nner mĂŒssen viel können.

Ist uns die Form wichtiger als der Inhalt? Ein „Ja“ als Antwort wĂ€re mir dann doch zu klischeehaft und stimmt auch nicht wirklich. Eine schöne Torte muss auch schmecken. Und keine von uns braucht einen schönen Mann, der nichts taugt.

So einfach gestrickt sind Frauen nun wirklich nicht. Sind die Ă€ußeren Bedingungen erst mal befriedigt, schauen wir genau auf den Inhalt beziehungsweise auf den Sinn.

Denn: Was brauche ich viele PS, wenn das nur unnötig Benzin verbraucht und ich auf deutschen Autobahnen meist nicht schneller als 120 Stundenkilometer fahren kann? Was nutzt alle Technik beim neuen Fernsehen, wenn keiner sie nutzen und bedienen kann? Welchen nĂŒtzt mir ein Handy mit vielen Funktionen, wenn ich nur telefonieren will und ab und an vielleicht ein Bild schießen?

Frauen analysieren, was sie wirklich brauchen.

WĂ€hrend MĂ€nner ĂŒber die EventualitĂ€ten des Gebrauchs nachdenken, analysieren Frauen, was sie wirklich brauchen.

Mein Mann liebt Tools, das heißt: Wir haben einen Einhand-Nagler, einen Klappspaten, eine Doppelaxt usw. Sicher, ich kann mir vorstellen, dass es Situationen in meinem Leben geben könnte, in denen ich so ein Spezialteil gebrauchen könnte. Aber die Wahrscheinlichkeit ist viel grĂ¶ĂŸer, dass ich nicht in diese Verlegenheit komme.

„Du wirst auch nie so viele Blumen auf einmal haben, dass alle Vasen, die wir im Haus haben, gebraucht werden“, entgegnet mein Mann. Da hat er sicherlich Recht.

Aber wir Frauen wissen auch, dass wir nie die richtige Vase fĂŒr den Strauß und nie das richtige Kleid fĂŒr den Anlass haben. Hier mĂŒssen wir fĂŒr EventualitĂ€ten sorgen. So einfach ist das.

Frauen sind ja auch – meist – einsichtig. ErklĂ€rt mir mein Mann, um wieder zum Beispiel Auto zurĂŒck zu kehren, dass ein paar mehr PS den Überholvorgang erleichtern und somit meine und die Sicherheit unserer Kinder unterstĂŒtzen, bin ich dafĂŒr schon zugĂ€nglich. Ich verstehe auch, warum wir unbedingt einen DVD-Rekorder brauchen, um all die Filme aufzunehmen. Auch, wenn wir sie wahrscheinlich nie sehen werden.

Im Gegenzug bleibt er milde, wenn ich bei Ikea die 20. Vase mitnehme, weil sie ja so hĂŒbsch ist und wir „in dieser Form“ noch keine besitzen.

Aber eines muss klar sein: Egal, wie viele Sitzheizungen ein Auto hat, wie viele PS und sonstige, vielleicht nĂŒtzlichen Ausstattungen. WĂŒrde mein Mann mir ein orangefarbenes Auto vor die TĂŒr stellen – ich ginge lieber zu Fuß, egal wohin.

gabi

Gabis Kolumne

Generation SperrmĂŒll

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Guten Tag!

Hirschberg, 04. Januar 2010. Der „SperrmĂŒll“ war lange Zeit fĂŒr eine gewisse Generation ein Werkzeug, ein Informationsmedium, ein Kult. Die Zeiten des „SperrmĂŒll“ dĂŒrften gezĂ€hlt sein – oder doch nicht? Gabi ist mit dem „SperrmĂŒll“ aufgewachsen, hat ihn ein Jahrzehnt vergessen, dann online inseriert und stellt fest: „Die Welt ist grĂ¶ĂŸer geworden.“

Wir waren noch nicht die „Generation Golf“, die kam gleich nach uns mit Sasch- und Esprit-Sweatshirt. Wir kauften unsere Klamotten in den IndienlĂ€den und fuhren noch KĂ€fer, Ente oder R4. Und wo haben wir sie gefunden? Richtig! Im „SperrmĂŒll“.

Mein erstes Auto war ein KĂ€fer, grau-beige mit blauen KotflĂŒgeln und blauen Wölkchen. Brauchte man Ersatzteile und die brauchte man immer – zudem waren damals alle Jungs im Freundeskreis „Schrauber“ – suchte man diese im „SperrmĂŒll“ in der Rubrik „Ersatzteile VW KĂ€fer Baujahr 1970“.

Im „SperrmĂŒll“ fand ich auch meine erste, zweite, dritte und vierte Wohnung – in Studienzeiten zieht man schließlich hĂ€ufiger um.

Der „SperrmĂŒll“ erschien immer freitags, das war der Nahbereich Heidelberg, Mannheim, Weinheim. Dienstags kam die regionale Ausgabe, und man ĂŒberlegte sich genau, ob man bis Kaiserslautern, Bruchsal oder Bensheim fahren wollte, um sich ein Auto anzuschauen. Zumal es auch noch kein Medium gab, mit dem man mal kurz ein Foto verschicken konnte.

Wenn der „SperrmĂŒll“ erschien, kaufte man fĂŒr teures Geld eine buchdicke Ansammlung von Kleinanzeigen. Hier fand man die Nachhilfe genauso wie jemand, der bereit war, die Magisterarbeit zu tippen.

Der „SperrmĂŒll“ war unterhaltsam. Wer las sie nicht: Die spannenden Rubriken „Sie sucht ihn“, „Er sucht sie“ oder gar „Er sucht ihn“. TraummĂ€nner und Traumfrauen tummelten sich hier – und ich fragte mich oft: „Warum mĂŒssen so ein Top-Typ ĂŒberhaupt inserieren? Den nehme ich sofort.“

In welcher WG lag er nicht und er war lang unsere Plattform vor dem Internet mit seinem Ebay und seinen Partnerschafts- und sonstigen Börsen. Er wurde getauscht, mit Textmarker versehen und anhand der Telefonnummer wusste man immer, wie weit man fahren musste.

In der Tagezeitung zu inserieren war zu teuer, das machten nur unsere Eltern.

Wenn ich ehrlich bin, ich habe bestimmt schon seit 10 Jahren kein Exemplar des „SperrmĂŒlls“ mehr in der Hand gehabt. Eine Wohnung muss ich nicht mehr suchen, fĂŒr die Autos gibt es Börsen im Internet, Ersatzteile werden vom Mechaniker eingebaut und die Winterreifen kaufe ich beim HĂ€ndler.

Als ich vor kurzem mal wieder etwas verkaufen wollte, habe ich in der Internetausgabe vom SperrmĂŒll inseriert und war schnell erfolgreich. Der KĂ€ufer kam aus NĂŒrnberg, das Internet hat unsere Welt grĂ¶ĂŸer gemacht.

Und die Welt ist schneller geworden. Heute warten wir nicht mehr auf den Erscheinungstag.

Wir können jederzeit per Internet unser Leben organisieren. Hier finden wir HĂ€user und Autos, bestellen BĂŒcher und Klamotten, buchen Reisen, machen uns dank Wikipedia schlau oder finden bei Bedarf unseren Lebenspartner.

Wir sparen viel Zeit und verplempern viel Zeit im Rausch der unendlichen Möglichkeiten.

Ich nutze das Internet gern und viel und möchte es auch nicht mehr missen, doch manchmal werde ich eben nostalgisch und erinnere mich an eine Zeit, als unsere Alltags-BedĂŒrfnisse noch in eine Zeitung passten.

Eine Kollegin, die erst vor kurzem aus Norddeutschland hierher gezogen ist, war sichtlich irritiert, als ich ihr vorschlug: „Gib doch deinen alten Computer in den SperrmĂŒll.“

„Wieso das denn“, sagte sie: „Er ist schon noch was wert und ich hatte eigentlich nicht vor ihn wegzuwerfen“, erwiderte sie.

gabi

Gabis Kolumne

Gute VorsÀtze!

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Guten Tag!

Hirschberg, 28. Dezember 2009. Jedes Jahr stehen die guten VorsĂ€tze an. Auch bei Gabi. Ein paar gute VorsĂ€tze dĂŒrfen es schon sein, meint Gabi, aber keinesfalls zu viele.

Wer kennt sie nicht die guten VorsĂ€tze zu Silvester? Also zunĂ€chst mal muss ich meine obligatorische DiĂ€t machen – die PlĂ€tzchen waren dann doch zu lecker. Und die Weihnachtsfeiertage mit Gans, Wild und Fondue haben ihr Übriges getan. Na ja und dann wollte ich auch mit dem Rauchen aufhören!

Mehr Sport machen möchte ich 2010. Mindestens zweimal die Woche. In meinen Papieren werde ich mehr Ordnung halten und regelmĂ€ĂŸig werde ich die SchrĂ€nke ausmisten.

vorsaetze

Die guten VorsÀtze von Gabi. Bild: hblog

Alkohol gibt es nur noch am Wochenende und Fleisch höchstens 2 bis 3 Mal wöchentlich. Überhaupt möchte ich meine Familie im nĂ€chsten Jahr gesĂŒnder ernĂ€hren, das heißt, viel Obst und GemĂŒse und weniger Kohlenhydrate und Fett. Ja und natĂŒrlich weniger SĂŒĂŸigkeiten.

Und endlich mal wieder Briefe schreiben, alte Freunde besuchen und mich fĂŒr das Allgemeinwohl mehr einsetzen.

Mein Englisch sollte ich unbedingt auffrischen und einen Italienisch-Kurs wĂŒrde ich gerne belegen. Mit einer Freundin wollte ich schon seit Jahren an der Volkshochschule Aquarell-Malen besuchen.

Insgesamt möchte ich mehr Dinge umsetzen, die ich mir vornehme. Aber das alles natĂŒrlich mit weniger Stress. Auch das ein Vorsatz. Ich möchte nicht mehr von Termin zu Termin hetzen.

Und ich werde ausgeglichener zu meinen Lieben sein.

Wenn mein Mann und die Kinder nerven, werde ich geduldig und liebevoll bleiben. Schreien gehört eindeutig auf die No-go-Liste 2010. DafĂŒr werden wir – auch gegen den Willen meiner Kinder – wieder mehr Familien-Spieleabende machen. Das ist gut fĂŒr das soziale GefĂŒge.

Genau betrachtet werde ich ab 1. Januar mein ganzes Leben umkrempeln.

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Aber irgendwo habe ich mal gelesen, dass VorsÀtze ab dem 1. Januar meistens nicht umgesetzt werden. Denn, wenn man sich zu viel vornimmt, klappt gar nichts.

Also sollte man das alles vielleicht geschickt verteilen, sonst ist man gleich ĂŒberfordert, kurz darauf frustriert und letztendlich schmeißt man alle VorsĂ€tze ĂŒber Bord.

Ach ĂŒbrigens, so schlecht war 2009 ja gar nicht, oder?

Dann muss ich auch nicht viel Ă€ndern. GlĂŒck gehabt 🙂

gabi

Ein schönes Fest wĂŒnscht das hirschbergblog

Guten Tag!

Hirschberg, 24. Dezember 2009.

Liebe Leserinnen und Leser,

die Redaktion wĂŒnscht allen Leserinnen und Lesern einen friedlichen Heiligabend und schöne Weihnachtsfeiertage.

Die Nachrichtenlage wird ĂŒberschaubar bleiben – dementsprechend werden wir voraussichtlich nur wenige neue Texte bringen.

Am Samstag werden wir einen Energie-Servicetext veröffentlichen, am Montag kommt Gabi mit ihrer Kolumne.

Auch „zwischen den Jahren“ wird wenig „los“ sein – ab dem kommenden Jahr sicherlich wieder mehr.

Was, lesen Sie bei uns.

Einen schönen Tag und schöne Weihnachten wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Gabis Kolumne

Heiligabend – Warten auf das Wunder

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Guten Tag!

Hirschberg, 21. Dezember 2009. Weihnachten kann man entgehen. Selbst an weit entfernten Orten holt uns Weihnachten ein, sagt Gabi. Weihnachten ist bei uns der 24. Dezember. Ein ganz besonderer Tag. Aber auch einer, der ganz besonders stressig sein kann, wenn man ihn ĂŒberfordert. Dabei ist doch alles ganz einfach. Denn es geht nur um das Wunder der Liebe, sagt Gabi.

Man kann sich dieser Nacht einfach nicht entziehen. Man kann bis zum Ende der Welt fahren, eine Party feiern, alles, was mit Familie zu tun hat, ablehnen, man kann ins Bett gehen und den Abend verschlafen, man kann alles tun, aber man kann es nicht vergessen. Sie wissen sicher, was ich meine: Heiligabend.

Wir haben ein Idealbild im Kopf: Die ganze Familie harmonisch vereint vor einem großen mit Lichtern geschmĂŒckten Tannenbaum. Ein festliches Essen. Ein Gottesdienst, der die Herzen öffnet. Strahlende Kinderaugen. Gemeinsames Singen. Die Weihnachtsgeschichte – ein MĂ€rchen, wie in den Weichzeichner getaucht. Die Werbung suggiert uns, so feiern alle.

Weihnachten ist…

Doch die Probleme beginnen meist schon bei dem Wort Familie. Bei meinen Freundinnen wird oft schon unterschieden zwischen „meiner“ Familie und „seiner“ Familie und damit fangen jĂ€hrlich wiederkehrende Dramen an. Beide Familien zusammen an einen Tisch – eher nicht bis unmöglich. Ein Weihnachten hier, eins dort – ein fahler Kompromiss.

„Wir haben uns, als die Kinder klein waren, dafĂŒr entschieden, dass wir unter uns bleiben. Eltern und Geschwister treffen wir erst an den Weihnachtsfeiertagen“, erzĂ€hlte mir vor ein paar Tagen eine gute Bekannte. Das klingt doch ganz gut, dachte ich. „Aber seit ein paar Weihnachten frage ich mich, ob ich nicht doch gerne wenigstens meine Mutter dabei hĂ€tte“, meinte sie nachdenklich.

Eine andere, alleinstehende Freundin, fĂ€hrt immer weg. Letztes Jahr war es Thailand, „Am 24. war es tagsĂŒber super. Ich lag am Strand und Weihnachten war nicht prĂ€sent. Abends fanden sich aber nach und nach immer mehr Deutsche und andere EuropĂ€er an der Bar ein und ich habe dann doch irgendwie Weihnachten mit völlig fremden Menschen gefeiert. Ich glaube, dieses Jahr bleibe ich zuhause und feiere mit Freunden“, sagt sie.

…oft nicht einfach.

„Weihnachten war letztes Jahr schrecklich“, erinnert sich eine andere Freundin. „Meine Kinder waren bei meinem geschiedenen Mann und mein Freund und ich wollten es uns ganz gemĂŒtlich machen. Erst schön essen, dann bescheren, aber es kam keine Stimmung auf und wir landeten um 22 Uhr vor der Glotze.“

„SpĂ€testens ab Ende September gehen bei uns die Diskussionen los: Fahren wir zu meiner Familie oder zu der meines Mannes oder feiern wir lieber mit den Kindern alleine zuhause? Bisher haben wir immer spĂ€testens am 23. das Auto gepackt und sind losgefahren, meist dann doch zu meiner Familie, denn da ist es einfach schöner“, erzĂ€hlt eine andere Freundin.

Eine Kollegin hat eine alte Mutter in England. Sie wechselt sich mit ihrer Schwester ab. Jedes zweite Jahr packt sie viel zum Lesen ein und verbringt die Weihnachtsfeiertage mit ihrer Mutter. Die meiste Zeit vor dem Fernseher. Dort schaut sie BBC.

Jedes Jahr ist es mir schon Wochen vor dem Fest etwas klamm in der Brust. Wie wird es dieses Jahr werden? Wird es Streit geben? Misslingt das Essen? Sind alle mit ihren Geschenken zufrieden? Habe nur ich Freude am Kirchgang oder auch mein Mann (ausgetreten) und die Kinder?

… ist Hoffnung.

Ich habe schon alles erlebt. Den großen Krach. Die Gans, die nicht schmeckte. Das brennende Fondue. Geschenke, die nicht begeisterten. Schöne KirchgĂ€nge und solche, die ich schnell wieder vergessen habe, weil sie nichts bedeuteten.

Und doch spĂŒre ich am 24. Dezember morgens immer wieder diese Hoffnung. Dass der Abend dieses Tages ein ganz besonderer sein wird. Dass unsere Herzen aufgehen und wir zusammen ein wunderschönes Fest feiern. Und ich freue mich jedes Jahr wieder auf die Gemeinschaft mit meinen Lieben. Und ich weiß, egal, ob etwas nicht klappt, etwas schief geht oder sogar in einem Drama endet – ich freue mich auf meine Lieben.

Denn ich weiß, dass die Liebe stĂ€rker ist als alles andere. Das ist das Wunder. Das ist fĂŒr mich Weihnachten.

Das wĂŒnsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern.

Gemeinsam mit anderen Liebe zu geben und zu empfangen.

Frohe Weihnachten und
gabi