Mittwoch, 08. Dezember 2021

Hund, Katze und Ratte als Weihnachtsgeschenke, alle Jahre wieder

Wenn es unterm Weihnachtsbaum zweimal bellt

Mischlingswelpe aus Wolfsspitz und Siberian-Husky. Foto: Wikipedia, Richard Bartz CC BY SA 2.5

Hirschberg, 21. Dezember 2012 (red/tt). Haustiere eignen sich nicht als WeihnachtsĂŒberraschung, sagt Jutta Schweidler, Leiterin des Tierheims Weinheim. Dennoch werden jedes Jahr Tiere zu Weihnachten verschenkt. Wenn es dann Schwierigkeiten mit ihnen gibt, das Tier altert oder Tierarztkosten anfallen, wird es oft im Tierheim abgegeben oder sogar ausgesetzt.

Von Timo TammIhr Kind wĂŒnscht sich ein Tier zu Weihnachten? Sie wĂŒnschen sich ein Tier zu Weihnachten? Bevor es unter dem Weihnachtsbaum bellt, miaut, schnĂŒffelt oder raschelt, sollte einiges geklĂ€rt sein: Wer geht morgens mit dem Hund raus? Wer fĂŒttert die Katze, wenn die Familie in den Urlaub fĂ€hrt? Was, wenn der Schmusekater an Omas Gardinen klettern ĂŒbt? Der Tierschutzbund bietet InformationsbroschĂŒren zu den gĂ€ngigen Haustierarten. Vor Ort berĂ€t das Tierheim.

Wie und wo bekommt man ein Tier vermittelt?

Wenn Sie ein Tier in der Tierhandlung kaufen, können Sie es nicht zurĂŒckgeben. Deswegen eignen sich Tierheime bei der Tiervermittlung deutlich besser.

sagt Jutta Schweidler. Dort könnten sich Tier und Halter vorher kennenlernen. Wie in den meisten Tierheimen kontrollieren die Mitarbeiter vor der Vermittlung, ob sich die Wohnung des Interessenten fĂŒr eine Haltung des Tieres eignet. Bei abgegebenen Tieren weiß das Tierheim meist ĂŒber dessen Vorgeschichte Bescheid und informiert den Interessenten. Bei ausgesetzten Tieren gibt es nur einen Bericht ĂŒber das Verhalten wĂ€hrend der Zeit im Tierheim. Überhaupt nicht geeignet, um sich ein Tier zuzulegen, sind laut Jutta Schweidler „Tiervermehrer“, bei denen man Tiere ĂŒbers Internet meist ohne Impfschutz, Informationen und mit vielen Problemen kauft.

Welpen finden alle sĂŒĂŸ

Jungtiere finden alle sĂŒĂŸ. Wie viele von ihnen nach Weihnachten abgegeben werden, kann Schweidler nicht beziffern.  Bei Kleintieren und Katzen balle es sich am Jahresanfang, bei Hunden eher nicht. Meist werden Tiere ĂŒber das ganze Jahr verteilt abgegeben, in Weinheim etwa 200 Hunde und noch deutlich mehr Katzen. Meist werden Tiere abgegeben, wenn sie Ă€lter werden, schwieriger oder sich die LebensumstĂ€nde des Halters Ă€ndern – sei es ein neuer Job, Jobverlust, ein Umzug, neugeborene Kinder, Allergien beim neuen Partner. Im Tierheim Weinheim sind momentan etwa 25 Katzen, 20 Hunde und etliche Kleintiere untergebracht.

Welches Tier eignet sich fĂŒr mich?

Beim Tierschutzbund gibt es BroschĂŒrenÂ ĂŒber Aquarienfische, Hunde, Katzen, Nagetiere und Vögel. Exotische Tiere eignen sich ĂŒberhaupt nicht fĂŒr die Haltung in einer normalen Wohnung, so Schweidler:

Dazu muss man Spezialist sein und man braucht eine spezielle Umgebung.

Vor der Anschaffung sollte man sich folgende Fragen stellen, rÀt der Tierschutzbund:

  •   Passt das Tier in meine oder unsere Wohn- und LebensverhĂ€ltnisse?
  •   Wann bin ich wie lange zuhause?
  •   Habe ich oder meine Familie genĂŒgend Zeit fĂŒr ein Tier?
  •   Kann ich dem Tier besonders beim Hund genĂŒgend Zeit und Raum fĂŒr Auslauf bieten?
  •   Habe ich genĂŒgend Geduld fĂŒr ein Tier?
  •   Gestattet mir mein Vermieter oder Hausverwalter eine Haltung des entsprechenden Tieres?
  •   Kann ich mir das Tier mit all seinen folgenden Kosten leisten?
  •   Kann ich auch in ein paar Jahren noch fĂŒr das Tier sorgen?
  •   Sind mein Partner, meine Mitbewohner oder alle Familienmitglieder mit dem Hausgenossen einverstanden?
  •   Ist die Unterbringung bzw. Pflege bei einem Urlaub bzw. in den Ferien geregelt?

Tiere  kosten Geld und das nicht nur beim Kauf: Eine Kastration und die Impfungen können rund 100 Euro kosten. Je nach GrĂ¶ĂŸe und Alter des Tieres steigen die Tierarztkosten fĂŒr Versorgung und Behandlung. Beim Tierheim Weinheim kostet die Vermittlung einer Katze 100 Euro. Ein Hund kostet 250 Euro. Diese BetrĂ€ge decken die Kosten fĂŒr die Kastration und Impfung, ohne die Tierheimtiere nicht abgegeben werden. Dazu kommen Futterkosten sowie Steuern und eine erhöhte Haftpflichtversicherung.

Weitere Informationen: Tierschutzverein Weinheim Zu den Fundtiergemeinden des Tierheims gehören Weinheim, Heddesheim, Hemsbach, Ladenburg, Schriesheim und Hirschberg. Mittwochs gibt es von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr die Möglichkeit mit Tieren Gassi zu gehen, Interessenten dazu können von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr kommen.

Gabis Kolumne

Das System Katze und was ich ĂŒber mich gelernt habe

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Guten Tag!

Hirschberg, 12. April 2010. Schmusekatze, Haustiger, KratzbĂŒrste – Katzen haben viele Synonyme und wahrscheinlich alle zu Recht. Katzen sind lĂ€ngst keine Nutztiere mehr, sondern leben in der Familie. Zu Recht? Irgendwie schon, meint Gabi – auch, wenn sie das System Katze erst lernen musste.

Ich habe hier schon viel ĂŒber meine Kinder und meinen Mann geschrieben, aber zwei Mitglieder unserer Familie habe ich bislang verschwiegen. Und das ist eigentlich strĂ€flich, haben sich die beiden doch einen festen Platz in unserem Leben erobert: Ich meine unsere beiden Katzendamen.

Als ehemalige Hundebesitzerin war mir das System „Katze“ zunĂ€chst fremd.

Das System Katze musste Gabi erstmal lernen. Bild: privat

Eine Kollegin erzÀhlte mir vor drei Jahren von jungen KÀtzchen auf einem Bauernhof, die keiner wollte. Als die Kinder nicht zuhause waren, fuhren mein Mann und ich eine gute halbe Stunde zu diesem Hof, um uns die KÀtzchen anzuschauen.

Hund und Katze?

Dort angekommen sahen wir sofort die Katzenmutter mit drei Jungen und einen riesigen Hofhund. Komisch, dachte ich, die sind wie „Hund und Katze“ heißt doch, dass man sich nicht versteht? Ich fragte meinen Mann. Der sagte das, was ich so an ihm „liebe“: „Das kommt darauf an.“

Gemeinsam fraßen Hund und Katzen aus einem sehr großen Napf.

Es kommt also darauf an. Auf was? „Ob die sich kennen und miteinander aufgewachsen sind.“ Aha, dachte ich. Wie im richtigen Leben.

Uns gefiel sofort ein kleines weißes KĂ€tzchen mit einem graugestreiften Schwanz und einem grau-braunen Fleck auf dem RĂŒcken, der so aussah, als wĂ€re der Schwanz in Farbe getunkt worden und hĂ€tte dann den RĂŒcken gestreift.

Das weiße KĂ€tzchen könnten wir gerne mitnehmen, sagte uns der Sohn des Hauses, die anderen beiden seien schon vergeben.

Nutztiere.

In der Scheune sei noch ein weiteres KĂ€tzchen, von dem er uns aber nur abraten könne, es sei das jĂŒngste aus dem Wurf, wĂ€re aggressiv, scheu und wĂŒrde sofort zubeißen. Der etwa achtjĂ€hrige Junge guckte uns herausfordernd an – anscheinend hatte er nicht zum ersten Mal KĂ€tzchen weggegeben. Ich dachte: Wie kann der so cool sein und erinnerte mich, dass wir auf einem Bauernhof waren, wo die meisten Tiere einen „Nutzen“ haben.

Wir wollten aber gerne zwei Katzen. Der Junge seufzte nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun – zog sich Arbeitshandschuhe an und machte sich auf die Suche. Mit einem kleine Etwas am Handschuh kam er zurĂŒck aus der Scheune.

Wie angekĂŒndigt, hatte sich die kleine Katze in den Handschuh verbissen und zappelte und kratzte. Auf dem Boden abgelegt fauchte sie, was das Zeug hielt.

Liebe auf den ersten Blick.

Und ich sah es genau, schon beim ersten Blick hatte sich mein Mann unsterblich verliebt.

Mit zwei völlig verĂ€ngstigten Katzen im Auto machten wir uns auf den RĂŒckweg.

Die nĂ€chsten Tage verbrachten wir damit, die beiden unter dem Sofa oder hinter dem Schrank hervorzulocken. Und schon nach kurzer Zeit wurde das weiße KĂ€tzchen sehr zutraulich und war bald der Liebling der Kinder. Die kleine „Wilde“, war ein vollkommen verschĂŒchtertes Tier, das sich kaum ans Futter traute und ĂŒber Wochen sofort anfing zu fauchen, wenn sich ihr jemand nĂ€herte.

Das ist jetzt drei Jahre her. Und von SchĂŒchternheit keine Spur mehr. Hat man einen Hund, ist man sein „Herrchen/Frauchen“, hat man Katzen so ist man ihr „Diener“.

Denn obwohl eine Katzenklappe den beiden „Damen“ ermöglicht jederzeit von Drinnen nach Draußen und umgekehrt zu gelangen, sorgen die beiden mit lautem Miauen und vorwurfsvollem Blick dafĂŒr, dass wir tĂ€glich unzĂ€hlige Male die Haus- oder die TerrassentĂŒr öffnen, um sie raus oder rein zu lassen.

Jammern gehört zur Liebe.

Wenn ich morgens die KĂŒche betrete, muss ich innerhalb der nĂ€chsten 5 Sekunden die FutternĂ€pfe fĂŒllen, denn das jĂ€mmerliche Miauen und das Umstreifen meiner Beine, erinnert mich daran, dass hier zwei kurz vorm Verhungern sind – dramatischer geht-€ℱs nicht. Keins meiner Kinder hat je diesen Nerv getroffen, der mich fernsteuert wie eine Puppe.

Katzenkörbchen? Fehlanzeige. Beide haben sich inzwischen PlĂ€tze auf dem Sofa erobert. Dies wiederum geschieht nahezu lautlos raffiniert. Erst kuscheln sie sich an, wenn man auf dem Sofa sitzt oder liegt – und wer brĂ€chte es da ĂŒbers Herz, sie da zu verscheuchen – und dann liegen sie zufĂ€llig auch mal dort, wenn keiner von uns dabei ist. Und irgendwann ist klar, dass es ĂŒberhaupt keine Diskussion darĂŒber gibt, dass das ihr Platz ist.

Und jetzt noch was zum Thema Jagd. Wer Katzen hat, darf nicht zimperlich sein.

Grausame Natur?

Unsere weiße Katze ist eine hervorragende JĂ€gerin. Sobald der FrĂŒhling kommt, bringt sie uns kleine und große MĂ€use, mit sĂŒĂŸen Augen. Meistens lebend, denn Katzen sind ja „verspielt“.

Als Liebesbeweis bekam unser Sohn letzten Sommer einen Vogel ins Zimmer nicht ge-, sondern zerlegt. Bett und Boden waren ĂŒbersĂ€t mit Federn, es sah aus wie ein Schlachtfeld.

Aber auch die Reste eine MĂ€usemahls sind nicht wirklich lecker.

Unsere JĂ€gerin ist nicht nur großartig im Fangen, sondern – und das können Sie mir jetzt glauben oder nicht – sie imitiert auch Vogelstimmen. Sie sitzt vor der TerrassentĂŒr, beobachtet die Vögel im Garten und gibt gurrende GerĂ€usche von sich, die sich manchmal auch anhören wie ein Gackern.

Die ehemals „Wilde“ ist sich fĂŒr die Jagd meist zu fein oder es ist ihr einfach zu anstrengend, weil man ja auch sonst nicht verhungern muss.

Katzen lassen lieben.

Und wÀhrend man von seinem Hund treu geliebt wird, lassen Katzen lieben.

Trotzdem: Kommen wir nach Hause, sind sie meist sofort zur Stelle. Schon von Weitem erkennen sie das GerÀusch des Autos und sobald wir in den Hof fahren, kommen sie angetrottet.

WĂŒrde man jetzt erwartet, freudig begrĂŒĂŸt zu werden, wĂŒrde man enttĂ€uscht. Katzen haben eine andere Sprache – sie ist oft zurĂŒckhaltender, manchmal aber auch unerbittlich herzerwĂ€rmend, vor allem, wenn sie voller Zufriedenheit schnurren.

Der Blick, mit dem wir begrĂŒĂŸt werden, sagt: „Gut, dass ihr wieder da seid“. Dann drehen sich unsere Katzen um, und gehen wieder ihren Weg.

Sie sind Teil der Familie, lĂ€ngst keine „Nutztiere“ mehr, nicht wild, aber irgendwie doch.

Auch nach drei Jahren lerne ich immer noch das „System Katze“ – und das gibt einem etwas fĂŒrs Leben mit.