Montag, 27. Juni 2022

In der Breitgasse/Drittelsgasse wird gebaut

Heftige Diskussion und wenig Neues

Hinter dieser Mauer wird demnÀchst gebaut. Foto: Hirschbergblog.

Hirschberg, 27. September 2012. (red/sap) Lange wurde darĂŒber diskutiert, jetzt wurde es entschieden: In der Breitgasse/Drittelsgasse wird gebaut. Die Stellungsnahmen der Gemeinderatsfraktionen waren teils kontrovers und, wie BĂŒrgermeister Just betonte, hoch „emotional“.

Von Sabine Prothmann

Vorsorglich hatte die Hirschberger Verwaltung den Besucherbereich bis ins Foyer des Ratssaal bestuhlt. Man hatte wohl mit viel Andrang, vor allem von der „Gegnerseite“ gerechnet.

Doch viele StĂŒhle blieben leer und nur gut zehn Hirschberger BĂŒrgerinnen und BĂŒrger waren gekommen, um bei der Entscheidung um den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Breitgasse/Drittelsgasse“ dabei zu sein.

Die „Historie“

BĂŒrgermeister Manuel Just ging eingangs der Sitzung ausfĂŒhrlich auf die Historie des „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ ein. In der Breitgasse/Drittelsgasse sollen vier HĂ€user mit 14 Wohneinheiten entstehen, dafĂŒr wurde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan vorgelegt. Erstmals wurde dieser in nichtöffentlicher Sitzung am 29. Februar 2011 beraten.

In der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 28. Februar 2012 lag der erste Entwurf vor und wurde – vor allem auch im Hinblick auf die gewĂŒnschte Innenverdichtung – einstimmig beschlossen.

„Wir sind uns wohl einig, es geht hier um das ‚Wie‘ und nicht um das ‚Ob'“, erklĂ€rte Just.

Zwischen MĂ€rz und April diesen Jahres hatte eine Offenlage des Bauvorhabens stattgefunden. Die EinwĂ€nde der Bevölkerung und der GLH konzentrierten sich zum einen auf die Höhe der Bebauung (bis zu 12,81 Meter), die MassivitĂ€t und die damit verbundene Versieglung (60 Prozent). Zudem wurde kritisiert, dass das Ortsbild negativ beeinflusst wĂŒrde, da die Bebauung von der Breitgasse abrĂŒcke. Ein weiterer Kritikpunkt war die BeeintrĂ€chtigung der innerörtlichen BelĂŒftungsschleuse.

Am 18. Juni 2012 gab es eine Begehung

Aufgrund der eingegangenen Anregungen und Einwendungen hat der BautrĂ€ger (TreuGrund BautrĂ€gergesellschaft Heddesheim) die Höhe des zurĂŒckversetzten Mehrfamilienhauses auf das Niveau der Bebauung in der Brunnengasse angepasst. Außerdem ließ er zur Beurteilung der klimatologischen Auswirkungen des Vorhabens auf den Ortsteil Großsachsen ein Klimagutachten erstellen.

Der Gemeinderat beschloss eine erneute Offenlage vom 02. bis zum 16. Juli 2012.

Das Ergebnis war, so Just, „noch mehr Kritik“.

60 Prozent Versiegelung seien viel, aber „die Baunutzungsverordnung lĂ€sst dies zu“, sagte der BĂŒrgermeister. Die Bebauung selbst nehme dabei 35 Prozent ein, weitere 25 Prozent enstĂŒnden durch Gehwege, ParkplĂ€tze und NebengebĂ€ude. Im Mittel kĂ€me man auf rund 60 Prozent:

Der Versieglungsgrad im alten Ortskern ist teilweise deutlich höher.

Die Firsthöhe des mittleren GebĂ€udes wurde auf die Höhe der Bebauung in der Brunnengasse angepasst, man habe jetzt noch eine Überschreitung von zwei Zentimetern.

Das Klimagutachten habe gezeigt, die Bebauung bringe eine mĂ€ĂŸige VerĂ€nderung der BelĂŒftungsschleuse mit sich. Und durch die Bebauung von NachbargrundstĂŒcken (die nicht vom Gemeinderat entschieden werden mĂŒssen), kann „der GrĂŒngĂŒrtel Morgen schon zunichte gemacht werden“, betonte der BĂŒrgermeister.

Eins stehe außer Frage:

Das Ortsbild wird sich verÀndern.

Durch den Erhalt von Mauer und Toreinfahrt habe man aber wieder eine Hofsituation geschaffen und gleichzeitig auch, durch das AbrĂŒcken von der Breitgasse, auch eine bessere WohnqualitĂ€t.

Fragen und Antworten

„Warum haben wir nicht ĂŒber die Alternativplanung der GrĂŒnen Liste beraten?“, fragte der BĂŒrgermeister:

Wir haben ĂŒber das zu entscheiden, was vorliegt.

Nebenbei bemerkte Just, dass in der Alternativplanung nur 11 StellplÀtze im Gegensatz zu 20, ausgewiesen waren.

„Warum haben wir nicht an einen anderen Investor verkauft?“, fragte er weiter. „Wir haben uns mit dem auseinanderzusetzen, der erscheint.“

„Warum wurden die Anwohner und Anrainer nicht persönlich eingeladen?“ Alle BĂŒrger wurden zur Gemeinderatssitzung eingeladen, erklĂ€rte der BĂŒrgermeister und sagte:

Ich als BĂŒrgermeister komme zu dem Ergebnis, dass man alle EinwĂ€nde ausrĂ€umen konnte.

Dass die geplante Bebauung nicht „ortstypisch“ genug sei, ließ Just als einzigen Kritipunkt gelten.

Was die Fraktionen sagten

Gemeinderat Fritz Bletzer (FW) lobte das Erscheinungsbild der geplanten Bebauung, die im Gemeinderat via 3D-Animation gezeigt wurde.  „Da ist nicht das entstanden, was man befĂŒrchtet hat“.

Dr. Jörg Boulanger (CDU) verwahrte sich gegen den Vorwurf eines Verfahrensfehlers, das Projekt wĂ€re „eingehend in und mit der Öffentlichkeit diskutiert worden“. Der Gutachter habe die BefĂŒrchtungen hinsichtlich der Klimaauswirkungen widerlegt, so Boulanger. Es gĂ€be baulich keinen historischen Keller, nur einen Betonkeller und die Scheune sei auch nur gut 80 Jahre alt. Damit kritisierte Boulanger heftig die EinwĂ€nde, eine historische Anlage werde zerstört. Dieses Argument sei eine TĂ€uschung.

Zudem handle es sich um ein PrivatgrundstĂŒck und nicht um eine GebĂ€ude der Gemeinde zur Verschönerung des Ortes. Das Ortsbild bleibe durch Mauer und Hofeinfahrt erhalten:

Es ist gelungen Altes und Neues in Einklang zu bringen.

Ganz anders sah das die GLH. „Das Klimagutachten hat mich nicht besĂ€nftigt“, erklĂ€rte Karl Heinz Treiber (GLH). „Wir“, so Treiber, „fordern ein Gesamtklimagutachten.“ Und die Visualisierung habe ihn auch ĂŒberzeugt und zwar davon, dass die Bebauung zu dicht sei:

Die GebÀude sind zu hoch und zu massiv.

Es seien 60 Prozent versiegelt und nicht „nur“ 35 Prozent ĂŒberbaut. Denn schließlich sei es dem Regenwasser egal, ob es auf auf einen Gehweg oder auf ein Haus fĂ€llt:

Mancher wird sich nach dieser Sitzung als Gewinner fĂŒhlen, aber wir sind alle Verlierer.

Hartmut Kowalinski (FDP) nutzte seine Stellungsnahme dazu, seine Ratskollegen von der GLH heftigst zu kritisieren und Seitenhiebe zu verteilen: „Transparenz, wie die GLH sie versteht, ist Halb- oder Fehlinformation zum Thema Drittelsgasse. Sie titelt in Ihrem Blog „Denkmalzerstörung in Großsachsen“. Das Denkmalamt aber schreibt und stimmt zu, da vom Planvorhaben keine denkmalrechtlichen Belange betroffen sind.“ Wer, wie die GrĂŒnen, so Kowalinski weiter, in der Vergangenheit Innenentwicklung gefordert habe, mĂŒsse sich im Klaren gewesen sein, dass neue Bauherren sich den Bestand in den alten Ortskernen zum Vorbild nehmen wĂŒrden.

Mit Blick auf die ZuschauerplÀtze meinte Kowalinski:

Der große BĂŒrgerprotest bleibt aus.

Grenzen wurde ĂŒberschritten

„Eine gewisse EmotionalitĂ€t schwingt mit und ich hoffe, dass sie sich nicht fortsetzt“, kommentierte BĂŒrgermeister Just die Stellungsnahmen der Fraktionen. Porzellan sei zu Bruch gegangen und Grenzen wurden ĂŒberschritten.

„Ich wollte zuhören und warten, ob ich was Neues höre, aber dies war nicht der Fall“, meinte der SPD-Gemeinderat Dr. Horst Metzler.

„Wir sind keine bĂ€uerlich geprĂ€gte Gemeinde mehr“, so Metzler. FrĂŒher sei Großsachsen ein Straßendorf gewesen und der Tabakanbau ein Kennzeichen der Region, „doch diese Situation ist ein fĂŒr alle Mal Vergangenheit.“

Wir haben uns von einem bÀuerlichen Ort zur Wohngemeinde mit unterschiedlichen Interessen entwickelt.

Abschließend sagte BĂŒrgermeister Manuel Just, keiner habe wohl durch den Sachvortrag und oder die Stellungsnahmen sein Abstimmungsverhalten verĂ€ndert und so war es das Ergebnis auch alles andere als verwunderlich: Der Gemeinderat verabschiedete mehrheitlich – gegen die vier Stimmen der GLH – den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Breitgasse/Drittelsgasse“.

Gutachten der Firma Ökoplana wurde im ATU vorgestellt und diskutiert

„Großsachsen wird doch nicht zur Steppe“

Hinter dieser Mauer sollen vier Wohneinheiten entstehen. Foto: Hirschbergblog.

Hirschberg, 14. September 2012. (red/sap) Im Rahmen des Verfahrens zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Breitgasse/Drittelsgasse“ wurden mehrfach Bedenken aus klimatologischer Sicht geĂ€ußert. Diplom-Geograf Achim Burst stellte in der Sitzung des ATUs das Klimagutachten vor und beantwortete Fragen aus den Reihen des Gremiums.

Von Sabine Prothmann

Zur Beurteilung, inwieweit das Vorhaben tatsĂ€chliche klimatologische Auswirkungen hat, ließ die  TreuGrund BautrĂ€gergesellschaft Heddesheim ein Klimagutachten erstellen, welches bereits vorgelegt wurde.

Da die Verwaltung gerade dieses Thema im Verfahren als besonders wichtig erachtet, hat man sich dazu entschieden, den Ersteller des Gutachtens,  den Diplom-Geograf Achim Burst, von der beauftragten Firma Ökoplana zur ErlĂ€uterung der Inhalte einzuladen.

Eingangs erinnerte BĂŒrgermeister Just an die Vorgeschichte: In der Breitgasse/Drittelsgasse sollen vier HĂ€user mit 14 Wohneinheiten entstehen, dafĂŒr wurde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan vorgelegt.

Zwischen MĂ€rz und April diesen Jahres hatte eine Offenlage des Bauvorhabens stattgefunden. Die EinwĂ€nde der Bevölkerung und der GLH konzentrierten sich zum einen auf die Höhe der Bebauung (bis zu 12,81 Meter), die MassivitĂ€t und die damit verbundene Versieglung. Zudem wurde kritisiert, dass das Ortsbild negativ beeinflusst wĂŒrde, da die Bebauung von der Breitgasse abrĂŒcke. Ein weiterer Kritikpunkt war die mutmaßliche BeeintrĂ€chtigung der innerörtlichen BelĂŒftungsschleuse.

Die EinwĂ€nde fĂŒhrten dazu, dass die Höhe der Bebauung um einige Zentimeter nach unten korrigiert wurde und der BautrĂ€ger ein klimökologisches Gutachten erstellen ließ.

Eine verkĂŒrzte Offenlage erfolgte dann nochmals vom 2. bis zum 16. Juli 2012.

Der Diplon-Geograf Achim Burst erklĂ€rte, „wir haben viel Erfahrung mit Untersuchungen entlang der Bergstraße“. Ökoplana habe schon eine Klimastudie fĂŒr die Metropolregion erstellt. Das Klimagutachten reiche von der Bestandaufnahme bis zum Simulationsprogramm. Großsachsen sei durch die Talabwinde sehr begĂŒnstigt, die Kalt- und Frischluft vom Odenwald in den Rheingraben fĂŒhre.

Die Lufttemperatur werde maximal um 0,8 Grad steigen, dies sei ein Wert, der kaum zu spĂŒren ist. Dies habe kaum Auswirkungen auf das Bioklima in Großsachsen.

„Die thermische Zusatzbelastung ist rĂ€umlich eng begrenzt und ĂŒberschreitet bei BerĂŒcksichtigung grĂŒnordnerischer Festsetzungen nicht das ortstypische Maß“, erlĂ€uterte Burst und sieht damit keine Probleme fĂŒr das ortsspezifische Strömungssystem:

Es ist nicht mit weitreichenden negativen Effekten fĂŒr den Kaltluftabfluss aus dem Odenwald zu rechnen.

Denn eine Kaltluftsimulation hatte ergeben, dass die geplante Bebauung das Kaltluftstromvolumen nur um rund fĂŒnf Prozent reduzieren werde. Maximal komme es zu einer geringen AbschwĂ€chung von 6,6 Prozent, die sei jedoch akzeptabel.

Eva- Marie Pfefferle (SPD) wollte wissen, ob der 250 Meter entfernte Kindergarten BeeintrĂ€chtigungen zu erwarten habe. Burst erklĂ€rte, dies sei eindeutig nicht der Fall, „tagsĂŒber ist gar nichts zu spĂŒren“, nachts könne es zu geringen Auswirkungen kommen.

Das beratende Mitglied Egon MĂŒller (GLH) kritisierte, dass man jetzt nur ein kleines Gebiet von 2,5 Hektar untersucht habe:

Sollte man nicht ein grĂ¶ĂŸeres Gebiet untersuchen?

Und wie schaue es mit dem Baugrund außenherum aus, wenn weitere Nachbarn bauen wollten? MĂŒsste man dies dann ablehnen? Und wo befindet sich fĂŒr die Untersuchungen der Nullpunkt beim Kaltluftstromvolumen? Bei welchem Ist-Zustand wĂŒrde man bei einem weiteren Gutachten ansetzen?

„Eine grĂ¶ĂŸeres Gebiet zu untersuchen war nicht unsere Aufgabenstellung“, entgegnete Burst. Das Schließen einzelner BaulĂŒcken hĂ€tte nur einen marginalen Einfluss, anders sehe es bei einer großflĂ€chigen Bebauung aus.

BĂŒrgermeister Manuel Just fĂŒhrte an, dass die Gemeinde die Planungshoheit fĂŒr weitere Bauvorhaben inne habe.

„Das Ergebnis hĂ€ngt immer von der Fragestellung ab“, sagte Egon MĂŒller.

Gemeinderat Fritz Bletzer (FW) war mit den AusfĂŒhrungen des Gutachters zufrieden:

Sie beruhigen mich, ich hab‘ mir schon Gedanken gemacht, ob Großsachsen zur Steppe wird.

„Mich beunruhigt das schon“, widersprach Karl-Heinz Treiber (GLH) und erinnerte nochmals an den nicht festgesetzten Ist-Zustand.

Die BeeintrĂ€chtigungen von höchstens 6,6 Prozent seien nur im unmittelbaren Bereich zu spĂŒren, bemerkte nochmals Gemeinderat Peter Johe (FW).

Das beratende Mitglied Ulrich Schulz (SPD) hielt eine Zementierung eines Eckpunkts fĂŒr wichtig, hieran könne sich die Gemeinde orientieren.

Großsachsen und Leutershausen seien bevorzugt durch die Hanglage, sagte Burst, meinte aber auch, ein Leitbild sei fĂŒr spĂ€tere Entwicklungen sinnvoll, damit man wisse „wohin die Reise geht“.

Auf weitere Einwendungen der GLH entgegnete Burst:

Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, je weniger, je niedriger ich baue, umso weniger Auswirkungen habe ich.

Just kĂŒndigte an, dass das Bauvorhaben Breitgasse/Drittelsgasse am 25. September auf der Tagesordnung des Gemeinderates stehe.

 

 

 

 

Diskussion zum Bebauungsplan "Breitgasse/Drittelsgasse"

Das Bauvorhaben „Breitgasse/Drittelsgasse“ geht in die nĂ€chste Runde

Nur Mauer und Hoftor sollen in der Breitgasse erhalten bleiben. Foto: Hirschbergblog.

Hirschberg, 01. Juli 2012. (red/sap) Hirschberger Gemeinderat beschließt den geĂ€nderten Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Breitgasse/Drittelsgasse“ in Großsachsen. Die GLH beantragte im Vorfeld die Vertagung des Beschlussfassung.

Von Sabine Prothmann

Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung am 28. Februar 2012 einstimmig den Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Breitgasse/Drittelsgasse sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit und der TrĂ€ger öffentlicher Belange im vereinfachten Verfahren beschlossen.

Darufhin fand in der Zeit vom 12. MĂ€rz bis zum 13. April dieses Jahres eine Offenlage im Hirschberger Rathaus statt. Einige BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben von dieser Möglichkeit der Einsichtnahme Gebrauch gemacht und insgesamt gingen schließlich 13 Schreiben mit Anregungen und Bedenken gegen das Vorhaben bei der Verwaltung ein.

Die Hauptkritikpunkte waren:

  • Bebauung nicht direkt an der Breitgasse, sondern zurĂŒckversetzt; Hofsituation geht verloren und damit auch das ortstypische Straßenbild
  • 60 Prozent ĂŒberbaute FlĂ€che sind zu viel
  • Bebauung zu massiv und hoch
  • Negatives Vorbild; Gefahr eines PrĂ€zedenzfalles fĂŒr Ă€hnlich massive Nachverdichtung
  • Gefahr der dauerhaften VerĂ€nderung des Ortsbildes
  • BeeintrĂ€chtigung der innerörtlichen BelĂŒftungsschneisen und ihrer klimatologischen Funktion; Überhitzungsschutz des Ortes wird beeintrĂ€chtigt
  • Bebauung geht auf Kosten des innerörtlichen GrĂŒngĂŒrtels

Aufgrund der eingegangenen Anregungen und Einwendungen hat die Verwaltung Ende April ein GesprĂ€ch mit der VorhabentrĂ€gerin gefĂŒhrt. Ziel war es, die einzelnen Kritikpunkte zu erörtern und die Höhe des zurĂŒckversetzten Mehrfamilienhauses auf das Niveau der Bebauung in der Brunnengase anzupassen.

Diesem Wunsch ist die VorhabentrÀgerin nach Meinung der Verwaltung nachgekommen und der First ist nun knapp ein Meter niedriger und erreicht fast exakt die Höhe des benachbarten Doppelhauses in der Brunnengasse.

Zur Beurteilung inwieweit das Vorhaben klimatologische Auswirkungen auf den Ortteil Großsachsen hat, wurde durch die VorhabenstrĂ€gerin ein Klimagutachten in Auftrag gegeben.

In den Vorlagen fĂŒr die Gemeinderatssitzung gab es zunĂ€chst nur eine Kurzstellungsnahme der Firma „Ökoplana“ aus Mannheim, das komplette Gutachten lag erst bei der Sitzung als Tischvorlage vor.

GLH beantragt auf Vertagung

Das fĂŒhrte dazu, dass JĂŒrgen Steinle fĂŒr die GLH einen Antrag auf Vertagung des Tagesordnungspunktes stellte:

Wir sind nicht gegen die Verdichtung, aber wir wollen erst die Unterlagen bewerten.

Er habe fĂŒr dieses Vorgehen VerstĂ€ndnis, erklĂ€rte BĂŒrgermeister Manuel Just.  „Doch heute geht es nur um einen Entwurf“,  und das Klimagutachten flankiere nur den Entwurf und „spielt nur bedingt eine Rolle“:

Ich wĂŒrde gerne vorankommen.

FĂŒr den Antrag der GLH stimmten nur die drei GemeinderĂ€te der GLH – die Mehrheit stimmte dagegen.

Laut der Stellungsnahme der Firma „Ökoplana“ lassen die vorliegenden Kenntnisse ĂŒber die Hang- und Talabwinde entlang der Bergstraße zwischen Heidelberg und Weinheim vermuten, dass die bauliche Inanspruchnahme der bisherigen GrĂŒnflĂ€chen nur kleinrĂ€umige Klimaeffekte bewirkt. Eine nachhaltige großrĂ€umige AbschwĂ€chung der Be- und DurchlĂŒftung sowie Zunahme der thermischen Belastung sei nicht zu erwarten.

Am 08. Mai hatten die Mitglieder des Hirschberger Gemeinderates bei einer Ortsbegehung die Gelegenheit, sich ein eigenes Bild zu machen und am 18. Juni gab es einen weiterern Vororttermin, bei dem alle Personen zugegen waren, die betreffenden BĂŒrgerinnenen und BĂŒrger, die Mitglieder des Gemeinderates und des Ausschusses fĂŒr Technik und Umwelt sowie die VorhabenstrĂ€gerin. Hier hatte man Gelegenheit, die Planungen zu erörtern und die verschiedenen Meinungen auszutauschen. Bedenken, die nicht ausgerĂ€umt werden konnten, können in einem erneuten Offenlageverfahren wiederholt vorgetragen werden.

Erneute Offenlage fĂŒr 14 Tage

Die Änderungen des Entwurfs des Bebauungsplans gehen zugunsten der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, die EinwĂ€nde geĂ€ußert haben, dennoch soll es eine weitere Möglichkeit der Einsichnahme – diesmal aber auf 14 Tage verkĂŒrzt – geben.

Durch die Erhaltung von Mauer und Hoftor bleibe der Charakter einer geschlossenen Front erhalten, argumentierte der BĂŒrgermeister, bei einer Bebauung direkt an der Straße wĂŒrde eindeutig die WohnqualitĂ€t gemindert und damit auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts.

Es handle sich nicht um eine 60prozentige Überbauung, sondern um eine Überbauung von 40 Prozent plus Privatstraße und StellplĂ€tze, also eine Versieglung von 60 Prozent. Und das sei ein durchaus ortsĂŒblicher Wert. Die Kritik, die Bebauung sei zu massiv und zu hoch, konnte die Verwaltung jedoch nachvollziehen und nun seien die GebĂ€ude in der Firsthöhe auf gleichem Niveau.

Just verwies auch darauf, man diskutiere hier zwar um ein „wie“, aber nicht um ein „ob“:

Das Projekt muss wirtschaftlich bleiben.

Die Gemeinde könne zwar Einfluss nehmen, aber man mĂŒsse auch auf den Willen des GrundstuckeigentĂŒmers achten, unterstrich Dr. Jörg Boulanger (CDU). Die Mauer und das Tor, sowie die Überdachung der StellplĂ€tze wĂŒrden das Großsachsener Ortsbild aufnehmen, so Boulanger.

Fritz Bletzer (FW) zeigte zwar VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass sich BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zur Wehr setzen, meinte aber auch:

In den Nachbargemeinden sieht man nix und hört man nix.

Eva-Marie Pfefferle (SPD) lobte den Entwurf und die geplante Innenverdichtung, dies sei „zukunftsorientiert“. Auf der einen Seite Wirtschaftlichkeit und auf der anderen Seite Illusion und dazwichen nichts, dieses Bild sei ihm zu einfach, kritisierte Karl Heinz Treiber (GLH). Die SPD zeige hier hier sozialdemokratisches Denken, und an Eva-Marie Pfefferle gewandt, sagte Karl Heinz Treiber:

Aus solchem Denken ist der Emmertsgrund (Heidelberg) entstanden.

Ein Einvernehmen sehe fĂŒr ihn anders aus und er wolle sich mit dem Gutachten befassen, das hĂ€tte als Beratungsgrundlage vorher auf dem Tisch liegen mĂŒssen.

Just entgegenete:

Auch das permanente Wiederholen macht es nicht richtiger.

Und verwies nochmals darauf, man sei lediglich beim Entwurf. Bei drei Gegenstimmen (GLH) und einer Enthaltung von Thomas ThĂŒnker von den Freien WĂ€hlern wurde dem geĂ€nderten Entwurf des vorhabenenbezogenen Bebauungsplans „Breitgasse/Drittelsgasse“ sowie der erneuten Offenlage von 14 Tagen zugestimmt.