Sonntag, 13. Juni 2021

Gabis Kolumne

Liebesbriefe – Jedes BĂ€ndchen steht fĂŒr eine bestimmte Zeit

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Guten Tag!

Hirschberg, 29. November 2010. Auf dem Speicher gibt es eine Blechkiste, darin liegen, fein sĂ€uberlich in Stapel sortiert und mit unterschiedlich farbigen BĂ€ndchen zusammengehalten, alte Briefe – Liebesbriefe, versteht sich. Dokumente der Sehnsucht und der großen GefĂŒhle. Schade, dass es in Zeiten von email das kaum noch gibt, meint Gabi.

Briefe

Liebesbriefe - jedes BĂ€ndchen steht fĂŒr eine bestimmte Zeit.

Bei der Vorstellung, dass vielleicht irgendwann meine Tochter die heißen LiebesschwĂŒre, die dramatischen Abschiedsworte lesen wird, wird mir ganz heiß und gleichzeitig bedauere ich die heutige Generation, die sich ihre Zuneigung nur mehr per sms oder per facebook verkĂŒndet. Denn diese Worte werden irgendwann endgĂŒltig, zumindest fĂŒr die nĂ€chste Generation, verloren sein – denn digitale LiebesgrĂŒĂŸe kann man nicht zusammenbinden.

Verborgene Briefe erzÀhlen eine Geschichte

Ich erinnere mich noch gut, als meine Kusinen und ich nach dem Tod unserer Großmutter zwischen alten Bildern und Ansichtskarten zwei Briefe entdeckt haben, die eine Geschichte erzĂ€hlten, die wir nicht kannten. War der gute Freund der Familie fĂŒr unsere Großmutter mehr gewesen, hatte sie sich diese Leidenschaft verboten oder sie gar heimlich ausgelebt? Wir waren elektrisiert und aufgeregt, wĂŒrden wir noch mehr finden, könnten wir das Geheimnis lĂŒften. „Lasst gut sein“, sagte meine Tante, „wenn sie gewollt hĂ€tte, dass wir mehr erfahren, hĂ€tte sie dafĂŒr gesorgt“.

Meine Briefe wird meine Tochter lesen dĂŒrfen, sie bergen keine großen Geheimnisse, sie erzĂ€hlen nur meine Geschichte mit den kleinen und großen Dramen, die das Leben so mit sich bringen.

Mein erster Freund beklebte seine Liebesbeteuerungen mit „Liebe ist ..“- Aufklebern, zugegebenermaßen etwas albern, aber da waren wir auch erst 15 Jahre. Ein rosa BĂ€ndchen markiert diese frĂŒhe Zeit.

Der Bundeswehr verdanke ich einen stattlichen Stapel

Einen stattlichen Stapel habe ich der Bundeswehr zu verdanken. Mein damaliger Freund, er 19, ich 16 Jahre, leistete seinen Dienst im hohen Norden und telefonieren war damals endlos teuer und GesprĂ€che bei der Bundeswehr auf dem Gang oder vor den Ohren der ganzen Familie – schnurlose Telefone waren erst im Kommen – zu fĂŒhren war alles andere als intim – und Handys gab es noch lange nicht. Wir schrieben uns gegenseitig 2 bis 3 Briefe die Woche, da kommt in 18 Monaten schon allerhand zusammen. Dieser Stapel ist sehr dick und mit einem roten Band markiert.

WĂ€hrend meines Studiums hatte ich einen Freund, der drei Monate in England einen Sprachkurs machte. Selbstredend wurden viele Worte auf Papier ĂŒber den Ärmelkanal geschickt.

Ich weiß noch allzu gut, mit welchem GefĂŒhl man morgens zum Briefkasten gerannt ist, wie groß das EntzĂŒcken ob eines Briefes und wie herb die EnttĂ€uschung, ob der gĂ€hnenden Leere war.

Auf die letzten Worte kommt es an.

Und der Liebesbriefkenner weiß, worauf es ankommt: Richtig, auf die letzten SĂ€tze. Ein Brief ist dann besonders gelungen, wenn am Ende die Liebe beteuert wird, der Briefschreiber sehnsĂŒchtig klingt und einsam und schmachtend auf das Wiedersehen wartet.

Lange Landschaftsbeschreibungen sind tot langweilig und abtörnend, die Beschreibung von tollen Partys oder netten Bekanntschaften fĂŒhrt zur tiefen Depression.

Der Stapel mit den englischen Briefmarken kann sich auf alle FĂ€lle sehen lassen, auch wenn wir in dieser Zeit doch schon hĂ€ufiger zum Telefon gegriffen haben und die Landschaftsbeschreibungen teilweise Überhand nahmen. Hier habe ich ein dunkelrotes Samtband drum gebunden.

Dicke Briefe voller Sehnsucht

Am Ende meines Studiums ging ich fĂŒr ein Semester nach Wien. Mein Freund hatte inzwischen gewechselt. Dicke UmschlĂ€ge, gefĂŒllt mit Sehnsucht und kleiner Schrift auf vielen Seite flatterten in meine Studentenbude. Es waren die schönsten Briefe, die ich je bekommen habe, allein deswegen hĂ€tte ich ihn heiraten sollen, aber er war nicht „der Richtige“ trotz all-€ℱ der schönen Worte. Seinen Briefstapel habe ich mit einem lila Band geschmĂŒckt.

Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte die Zeit der Emails und Handys schon begonnen. Briefe haben wir uns vor allem dann geschrieben, wenn es wirklich „ernst“ wurde, wenn man sich die Worte gut ĂŒberlegen musste, und das machen wir auch heute noch so.

Aber auch einige, besonders schöne, emails habe ich ausgedruckt und aufgehoben, ein Band habe ich nicht drum gebunden.

gabi

Gabis Kolumne

Der Tag der Liebe war gestern. Und heute?

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Guten Tag!

Hirschberg, 15. Februar 2010. Gestern war der Tag der Liebe – heute ist ein neuer Tag. Ohne Liebe? Das wĂ€re aber sehr schade, meint zumindest Gabi. Und ĂŒberhaupt: Was ist das eigentlich? Nur ein Marketing-Schachzug der Floristen oder hat „Valentin“ tatsĂ€chlich eine Tradition? Gabi hat recherchiert und ihre Gedanken zum Ergebnis aufgeschrieben. Wie immer montags – den soviel ist sicher: Montag kommt Gabis Kolumne.

Haben Sie gestern etwas zum Valentinstag bekommen? Vielleicht einen Strauß Rosen oder ein Schokoladenherz oder gar einen Gutschein fĂŒr Schuhe, denn die halten ja bekanntlich lĂ€nger als Blumen, wie ich vor ein paar Tagen gerade in der Werbung gehört habe. Dann freue ich mich fĂŒr Sie, ehrlich.

Ich habe nichts bekommen – und das ist auch gut so, denn mich verbindet nichts mit dem „Tag der Liebe“, den in meiner Jugend noch niemand zelebrierte. Ich freue mich auch an anderen Tagen ĂŒber die Aufmerksamkeiten meines Liebsten.

Marketing oder Tradition?

„Ist das nach dem „Muttertag“ wieder eine gutgemachte PR-Kampagne der BlumengeschĂ€fte oder steckt mehr dahinter?“, fragte ich mich und fing an zu googlen.

teaserherzAls erstes fand ich heraus, dass dieser Tage der Film „Valentinstag“ angelaufen ist. Shortcuts rund um den „Tag der Liebe“ mit vielen Hollywoodstars. Hier dreht sich alles darum, ob und wie man diesen Tag begeht, ob man ein Geschenk oder einen Heiratsantrag bekommt oder vergessen wird.

Auch in einer bekannten deutschen Daily Soap stand der Valentinstag in dieser Woche im Mittelpunkt. Ganz klar, bei den jungen Leuten ist dieser Tag angekommen.

„Aha!“, denke ich: Fleurop macht an diesem Tag zehn Prozent des Jahresumsatzes.

In Mannheimer Schulen konnte man in dieser Woche auch Rosen verschicken, die nach den Ferien auch ĂŒber die Grenzen der eigenen Schule verteilt werden – schlecht, wenn man keine bekommt. Es geht um Liebe und Anerkennung – das kann bei Jugendlichen leicht zur Hysterie fĂŒhren.

Liebe ist gut fĂŒrs GeschĂ€ft.

Ob Blumen, Schmuck oder Pralinen der „Valentinstag“ kurbelt eindeutig das GeschĂ€ftsleben an – und das können wir ja gebrauchen, denke ich, vor allem in Krisenzeiten.

Aber ist der Valentinstag jetzt wirklich nur eine gute GeschÀftsidee?

Ich googelte weiter und fand Bischof Valentin auf den dieser Tag namentlich zurĂŒckgehen soll.

Valentin war im dritten Jahrhundert nach Christus der Bischof der italienischen Stadt Terni. Er hatte laut dieser Legende einige Verliebte christlich getraut, darunter Soldaten, die nach damaligem kaiserlichen Befehl unverheiratet bleiben mussten. Zudem hat er der Legende nach den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt.

Der arme Valentin wurde geköpft.

Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. Auf Befehl des Kaisers Claudius II. wurde er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet.

Aber ich finde noch mehr: Eine andere Legende bringt das Datum in Zusammenhang mit dem römischen Fest Lupercalia, die Nacht vom 14. auf 15. Februar. Es ist das Fest der großen Göttin er Göttin des „Liebesfiebers“.: Römische junge MĂ€nner zogen die Namen von römischen jungen Frauen aus einer Urne, um mit diesen eine Partnerschaft zu bilden.

In Japan beschenken am 14. Februar Frauen ihre EhemĂ€nner, mĂ€nnliche Kollegen, Chefs usw. mit Schokolade. DafĂŒr dĂŒrfen sie dann einen Monat spĂ€ter am „White Day weiße Schokolade als Gegengeschenk erwarten.

YstĂ€vĂ€npĂ€ivĂ€ – so heißt Valentin auf finnisch.

Nicht ganz so romantisch ist der Valentinstag in Finnland („YstĂ€vĂ€npĂ€ivĂ€“). Dort ist er ein Freundschaftstag, an dem gute Freunde sich gegenseitig mit Valentinskarten und Valentinsgeschenken bedenken.

Die PopularitĂ€t des Datums im angelsĂ€chsischen Bereich beruht auf einem Gedicht des englischen Schriftstellers Geoffrey Chaucer, „Parlament der Vögel“, das 1383 vermutlich aus Anlass einer Valentinsfeier am Hof Königs Richard II. fertig gestellt und erstmals öffentlich vorgetragen wurde. In dem Gedicht von Chaucer wird dargestellt, wie sich die Vögel zu eben diesem Feiertag um die Göttin Natur versammeln, damit ein jeder einen Partner finde.

Seit dem 15. Jahrhundert werden in England Valentinspaare gebildet, die sich kleine Geschenke oder Gedichte schicken. Die Verbindung mit Blumengeschenken könnte auf die Gattin des Dichters Samuel Pepys zurĂŒckgehen, die 1667 mit einem Blumenstrauß auf Pepys‘ Liebesbrief reagierte. Von da an wurde die Verbindung von Brief und Blumen in der noblen britischen Gesellschaft nachgeahmt.

Valentin gibt es bei uns in Deutschland seit 1950.

Englische Auswanderer nahmen den Valentinsbrauch mit in die „Neue Welt“, die USA – und die US-Soldaten brachten nach dem Zweiten Weltkrieg diesen Brauch mit nach Deutschland. So veranstaltete man 1950 in NĂŒrnberg den ersten „Valentinsball“; der Valentinstag wurde offiziell eingefĂŒhrt.

Was ich gefunden habe, hat mich erstaunt: Dann ist dieser „Tag der Verliebten“ doch mehr als eine PR-Kampagne der BlumenlĂ€den, Juweliere und Geschenkeproduzenten.

Wie schon gesagt: Ich habe noch nie etwas zum Valentinstag bekommen und das stört mich auch gar nicht. Aber ich freue mich fĂŒr all-€ℱ die Jungverliebten, die sich gestern beschenkt haben.

Und „Ich denk-€ℱ an Dich“ zu sagen, ob mit Gedichten, Blumen oder kleinen Geschenken ist an jedem Tag im Jahr schön, ĂŒberall auf der Welt – auch am Valentinstag.
gabi

P.S. Hier noch eine „herzige“ Geschichte auf dem KopfschĂŒttel-Blog

Gabis Kolumne

Ist der Wille zum Erfolg alles, was zÀhlt?

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Guten Tag!

Hirschberg, 18. Januar 2010. Gabi hat mitgefiebert, gezittert, gehofft und irgendwann war sie sauer: Denn „Kampfpilot“-Torsten entpuppte sich nicht als Held, sondern als eine Ente. Er hatte dem Siegeswillen eines Stefan Raab nichts entgegenzusetzen. Gabi ist kein Fan von Stefan Raab, findet die Sendung aber trotzdem spannend. Warum? Irgendwie ist das, was Stefan Raab, zeigt eine Mischung aus Prinz Eisenherz und Aschenputtel – meint Gabi.

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Dritter "Schlag den Raab"-Sieg in Folge fĂŒr Stefan Raab. Der ProSieben-Entertainer lĂ€sst seinem Herausforderer Torsten, einem Tornado-Pilot aus Kaisersesch bei Cochem, keine Chance. Selbst winterliches Schneegestöber ĂŒber Köln kann Raab nicht stoppen. 21,7 Prozent der 14- bis 49-jĂ€hrigen Zuschauer sehen den Triumph des ProSieben-Schneekönigs. Insgesamt 3,77 Millionen Zuschauer schauen "Schlag den Raab". Bild: Prosieben/Willi Weber

Zur besten Sendezeit am Samstagabend versammelten sich meine Familie und ich vor dem Fernsehen. So wie die ĂŒber dreieinhalb Millionen anderen Zuschauer. Endlich wollten wir sehen, dass Stefan Raab geschlagen wird und der oder die Kandidat(in) die 1,5 Millionen Euro mit nach Hause nehmen kann.

Bei der Kandidatenvorstellung waren wir uns schnell einig, der Tornado-Pilot war der richtige Mann, um Raab zu zeigen, wo der Hammer hĂ€ngt – meine Tochter schickte sogar eine sms fĂŒr „Torsten“ (naja, sie wollte das Handy gewinnen – die Autos hĂ€tte sie uns geschenkt). Und anscheinend waren sich da auch die restlichen Zuschauer einig. Mit großer Mehrheit wurde der 31-jĂ€hrige, kĂŒnftige Familienvater ausgesucht, gegen den nahezu Unbezwingbaren anzutreten.

Im ersten Spiel zeigte er mit Bravour seinen Gleichgewichtssinn. Top-Mann. Ingenieur, konzentriert, Reflexe, Nerven, austrainiert – ein Kampfpilot halt. Kleines Spiel, ein Punkt, souverĂ€n gemacht.

Wir waren ĂŒberzeugt, den richtigen Mann auserkoren zu haben. Doch das Blatt wendete sich schnell und Spiel um Spiel wurde unsere Zuversicht und die Haltung des Kandidaten kleiner.

Raab ist ein „Tier“.

Raab zeigte sich wieder als „Tier“, ob beim Medizinball werfen, beim Eishockey, Langlauf oder Squash in den sportlichen Disziplinen. Der Herausforderer hatte keine echte Chance. Oder doch nicht? Er suchte sie nicht.

Ob Geschicklichkeit, Taktik oder „im die Nerven behalten“ oder „Einsatz zeigen“, Raab hatte gegenĂŒber dem Kampfpiloten eindeutig die Nase vorn. Als im Matchspiel der Pilot beim „LĂ€nderumrisse erkennen“ keinen einzigen Punkt fĂŒr sich machen konnte, war uns klar, das war der falsche Kandidat.

Torsten war kein „Top Gun-Fighter“, sondern eine lahme Ente.

„Schlag den Raab“ erinnert mich an römische GladiatorenkĂ€mpfe, der Unbezwingbare wird in die Arena geschickt und einer nach dem anderen scheitert. Aber woran? An einem Herkules? Überhaupt nicht.

Stefan Raab eignet sich so gar nicht zum Helden fĂŒr eine Frau. Er ist weder hĂŒbsch, noch charmant, noch hat er eine freundliche Ausstrahlung. Er wirkt nicht wie ein Superhirn und seine Figur ist alles andere als gestĂ€hlt. Stefan Raab ist der Gegenentwurf eines Helden – aber er ist sein eigener. Er ĂŒberzeugt einfach mit seinem unglaublichen Willen. Er gibt nicht auf und damit ist er die reale Antwort auf die MĂ€rchenfigur des Prinz Eisenherz.

Er ist aber auch so etwas wie Aschenputtel. Alles an ihm wirkt nicht gewinnend. Er scheint chancenlos. Doch das Schicksal meint es gut mit ihm.

Raab gewinnt, weil er das will.

Das Schicksal? Das MĂ€rchen wird von der RealitĂ€t ĂŒberholt. Raab gewinnt, weil er das will.

Er hat die Nerven und er macht dann noch weiter, wenn schon alle anderen aufgeben. Es war nicht der Kandidat, der eigentlich 1,5 Millionen nach Hause tragen wollte, der japsend im Spielfeld lag und nach „Wasser“ rief oder mit Körpereinsatz ĂŒber die EisflĂ€che flog. Es war Stefan Raab.

WĂ€hrend der Pilot nach jedem Spiel kleiner und gedrĂŒckter wurde, trug jede Niederlage bei Raab dazu bei, noch mehr Einsatz, noch mehr Willen in das Spiel zu legen. Das ist imponierend. Auch wenn mein Traum vom edlen, gut aussehenden, warmherzigen, kĂŒhnen, tapferen, fĂŒrsorglichen Prinzen reichlich strapaziert wurde.

Wir waren enttĂ€uscht und frustriert, hatten wir uns alle tĂ€uschen lassen und beim „Tornado-Pilot“ an Tom Cruise und seine Rolle in „Top Gun“ gedacht. Vielleicht wĂ€ren der Sportstudent, der Jongleur oder aber die Psychologin, die angeblich das mentale Geheimnis von Stefan Raab durchschaut hatte, die besseren Gegner gewesen. Wir Frauen lieben ja Psycho-Sachen.

Nur wer gewinnen will, gewinnt auch.

Raab gehört, ungeachtet seines Äußeren, zu den Menschen, die ausstrahlen: Ich bin ein Gewinner. Ist das der SchlĂŒssel zu seinem Erfolg?

Ich glaube ja. Wir kennen sie, diese Beispiele aus den Medien, das „Bobele“ (Boris Becker) aus Leimen im Center-Court. Der war so sexy wie sein „Äh“. Aber erfolgreich und in seiner besten Zeit spielte er nie das beste Tennis, aber seine Spiele waren spannend und er war oft erfolgreich.

Michael Schumacher ist als Mann so spannend fĂŒr Frauen wie technische Details ĂŒber seinen Boliden. Auf der Rennstrecke war er eine Rakete. Der schnellste, erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten (ich hoffe mal, das stimmt). Ausgegangen wĂ€re ich mit dem nie.

Oder der Altkanzler Gerhard Schröder. Der hat an den Toren des Bundeskanzleramtes gerĂŒttelt und gerufen: „Ich will hier rein.“ Der war kein wirklich hĂŒbscher. Aber er hatte was. Wenn auch nicht im Ansatz etwas davon, was Willi Brandt ausmachte.

Sie alle hatten ihren Willen. Den Willen zum Erfolg. Das ist es, was zÀhlt.

Irgendwann hat sie aber auch alle der Erfolg verlassen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Das einzige, was mehr zÀhlt als aller Erfolg und alle Zeit, das ist: die Liebe.

gabi

Link: Dieser Mann ist nicht zu schlagen: welt.de

Gabis Kolumne

Heiligabend – Warten auf das Wunder

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Guten Tag!

Hirschberg, 21. Dezember 2009. Weihnachten kann man entgehen. Selbst an weit entfernten Orten holt uns Weihnachten ein, sagt Gabi. Weihnachten ist bei uns der 24. Dezember. Ein ganz besonderer Tag. Aber auch einer, der ganz besonders stressig sein kann, wenn man ihn ĂŒberfordert. Dabei ist doch alles ganz einfach. Denn es geht nur um das Wunder der Liebe, sagt Gabi.

Man kann sich dieser Nacht einfach nicht entziehen. Man kann bis zum Ende der Welt fahren, eine Party feiern, alles, was mit Familie zu tun hat, ablehnen, man kann ins Bett gehen und den Abend verschlafen, man kann alles tun, aber man kann es nicht vergessen. Sie wissen sicher, was ich meine: Heiligabend.

Wir haben ein Idealbild im Kopf: Die ganze Familie harmonisch vereint vor einem großen mit Lichtern geschmĂŒckten Tannenbaum. Ein festliches Essen. Ein Gottesdienst, der die Herzen öffnet. Strahlende Kinderaugen. Gemeinsames Singen. Die Weihnachtsgeschichte – ein MĂ€rchen, wie in den Weichzeichner getaucht. Die Werbung suggiert uns, so feiern alle.

Weihnachten ist…

Doch die Probleme beginnen meist schon bei dem Wort Familie. Bei meinen Freundinnen wird oft schon unterschieden zwischen „meiner“ Familie und „seiner“ Familie und damit fangen jĂ€hrlich wiederkehrende Dramen an. Beide Familien zusammen an einen Tisch – eher nicht bis unmöglich. Ein Weihnachten hier, eins dort – ein fahler Kompromiss.

„Wir haben uns, als die Kinder klein waren, dafĂŒr entschieden, dass wir unter uns bleiben. Eltern und Geschwister treffen wir erst an den Weihnachtsfeiertagen“, erzĂ€hlte mir vor ein paar Tagen eine gute Bekannte. Das klingt doch ganz gut, dachte ich. „Aber seit ein paar Weihnachten frage ich mich, ob ich nicht doch gerne wenigstens meine Mutter dabei hĂ€tte“, meinte sie nachdenklich.

Eine andere, alleinstehende Freundin, fĂ€hrt immer weg. Letztes Jahr war es Thailand, „Am 24. war es tagsĂŒber super. Ich lag am Strand und Weihnachten war nicht prĂ€sent. Abends fanden sich aber nach und nach immer mehr Deutsche und andere EuropĂ€er an der Bar ein und ich habe dann doch irgendwie Weihnachten mit völlig fremden Menschen gefeiert. Ich glaube, dieses Jahr bleibe ich zuhause und feiere mit Freunden“, sagt sie.

…oft nicht einfach.

„Weihnachten war letztes Jahr schrecklich“, erinnert sich eine andere Freundin. „Meine Kinder waren bei meinem geschiedenen Mann und mein Freund und ich wollten es uns ganz gemĂŒtlich machen. Erst schön essen, dann bescheren, aber es kam keine Stimmung auf und wir landeten um 22 Uhr vor der Glotze.“

„SpĂ€testens ab Ende September gehen bei uns die Diskussionen los: Fahren wir zu meiner Familie oder zu der meines Mannes oder feiern wir lieber mit den Kindern alleine zuhause? Bisher haben wir immer spĂ€testens am 23. das Auto gepackt und sind losgefahren, meist dann doch zu meiner Familie, denn da ist es einfach schöner“, erzĂ€hlt eine andere Freundin.

Eine Kollegin hat eine alte Mutter in England. Sie wechselt sich mit ihrer Schwester ab. Jedes zweite Jahr packt sie viel zum Lesen ein und verbringt die Weihnachtsfeiertage mit ihrer Mutter. Die meiste Zeit vor dem Fernseher. Dort schaut sie BBC.

Jedes Jahr ist es mir schon Wochen vor dem Fest etwas klamm in der Brust. Wie wird es dieses Jahr werden? Wird es Streit geben? Misslingt das Essen? Sind alle mit ihren Geschenken zufrieden? Habe nur ich Freude am Kirchgang oder auch mein Mann (ausgetreten) und die Kinder?

… ist Hoffnung.

Ich habe schon alles erlebt. Den großen Krach. Die Gans, die nicht schmeckte. Das brennende Fondue. Geschenke, die nicht begeisterten. Schöne KirchgĂ€nge und solche, die ich schnell wieder vergessen habe, weil sie nichts bedeuteten.

Und doch spĂŒre ich am 24. Dezember morgens immer wieder diese Hoffnung. Dass der Abend dieses Tages ein ganz besonderer sein wird. Dass unsere Herzen aufgehen und wir zusammen ein wunderschönes Fest feiern. Und ich freue mich jedes Jahr wieder auf die Gemeinschaft mit meinen Lieben. Und ich weiß, egal, ob etwas nicht klappt, etwas schief geht oder sogar in einem Drama endet – ich freue mich auf meine Lieben.

Denn ich weiß, dass die Liebe stĂ€rker ist als alles andere. Das ist das Wunder. Das ist fĂŒr mich Weihnachten.

Das wĂŒnsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern.

Gemeinsam mit anderen Liebe zu geben und zu empfangen.

Frohe Weihnachten und
gabi